Dienstag, 10. Januar 2012

Tag 05-06: Auf zu neuen Welten: das kleine Portugal im Osten!

[08.01. - 10.01. (Abreise nach Macau, Macau und die Anreise nach Hong-Kong)]

Hallo,

die Abreise von Shenzhen fiel uns ja nicht so schwer, zu schlecht waren wohl die ersten Eindrücke von dieser Stadt. Mit dem Taxi zum Ferry-Port um ganze 60 CNY ( = :O wahnsinnig billig) gings dann eben weiter mit der Fähre nach Macau. Die Fähre an sich war schnell und unkompliziert. Beim Auslaufen hatte man dann noch einen netten Blick über den Hafen (wohl das meiste davon Fracht) von Shenzhen. Ein riesiges Teil. Kann zwar bei weitem nicht mithalten mit Rotterdam, doch für einen Bergländer wie mich ist das ja schon ganz "impressive".

Wenn man dann auf Macau ankommt, glaubt man allererst in einer anderen Welt gelandet zu sein. Ja wie in einem neuen kleinen Land im großen Land China fühlt man sich da. Ach wartet mal, das ist ja ein eigenes Land. Ursprünglich besiedelt von den Portugiesen irgendwann im 16 Jh. oder dergleichen ist hier portugiesisch und chinesisch (fragt mich nicht welcher Dialekt) Landessprache. Durch die vielen Touristen und die enge Verbundenheit mit Hong-Kong ist hier auch alles englischsprachig. Dementsprechend sind auch alle Beschilderungen immer dreisprachig angeführt: Portugiesisch, Chinesisch und Englisch.

Alleine bei der Fahrt vom Ferry-Port zum Hotel ist die reinste "Mund-offen-Atmosphäre" angesagt. Es ist einfach ein Wahnsinn diesen Unterschied zu sehen. Von den ärmsten Provinzen hierherzukommen und dann diese riesigen Luxushotels zu sehen. Wie in Las Vegas gibt es hier auch das Venetian, das (laut Wolfgang) drittgrößte Gebäude der Welt nach verbauter Nutzfläche. Ein Gebäude der Superlative. Die brauchen hier pro Tag 14.000 Kartendecks für das Baccarat, eine Art Black-Jack in Asien. Dabei glauben die Chinesen sie können die Wertigkeit der Karte verändern bzw haben mehr Glück wenn sie die Karte am Rand nach oben biegen und langsam "drüberwuzzeln". Ergebnis ist das Gleiche wie auch ohne dem blöden Wuzzeln, aber eine kaputte Karte. Jeder der Las Vegas kennt weiß wie es in solchen Casinos zugeht. Hier ist die Atmosphäre aber etwas anders. Jeder zockt und es wird geschrieen und diskutiert was das Zeugs hält. Chinesen halt. Die sind ja generell laut. Volksfeststimmung ist also angesagt.

Nach den Hotels wollten wir natürlich auch die wenigen Sights sehen, die Macau zu bieten hat. Die Teils noch portugiesische Altstadt, die Festung am "Berg" und die noch stehende Mauer der Ruine der Kirche von St. Paul. Mehr gibts eigentlich nicht zu sehen. Zumindest nichts besonderes mehr. Wir entschlossen uns also mit dem Taxi nach Macau (also auf diesen Teil) zu fahren und dort zuerst noch die großen Casinos und Hotels anzusehen. Das Grand Lisboa, das MGM, das President usw sind jedenfalls eine Fahrt hierher Wert. Danach gings zu Fuß quer durch die Stadt rauf auf den Berg zu den Ruinen und der Festung. Geprägt von teils total westlichen Läden und der Supermoderne wechselt sich der Anblick ab mit Slum-artigen Wohnanlagen, die im typischen Stil der Chinesen gebaut wurden. Je weiter man aber Richtung Zentrum kommt, desto mehr nimmt der Kollonialstil zu. Gebäude scheinen richtig europäisch, richtig spanisch bzw eben portugiesisch.

Die Festung an sich ist nichts besonderes. Einige Mauern halt und das wars im Wesentlichen. Relativ lustig zum Anschauen ist aber die einzige Mauer die von der St. Pauls Kirche übriggeblieben ist. Es steht nur noch die Wand der Eingangsseite. Sieht echt witzig aus. Der Platz davor und die sich nach unten ausbreitenden Einkaufsstraßen sind typisch europäisch. Man würde sich fast wie in Europa fühlen, wären da nicht so viele Chinesen unterwegs. Man könnte sagen, das ist ein invertiertes China-Town. Eine Portugese-Town ;-)

Kurz zu den Verbindungsmöglichkeiten auf Macau eine Geschichte. Die Inseln sind zwar nicht sonderlich groß und man könnte viel davon zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren aber ist dies durch die Brücken dazwischen teils nicht möglich. Es kommt halt doch nicht sonderlich gut wenn man auf der Autobahn von Taipa nach Macau marschiert. Da das Taxifahren hier sonderlich billig ist, haben wir die meisten Strecken damit zurückgelegt. Für 1.6km zahlt man 13 MOPs (Macau Dollar, 1:1 mit HKD = 1,40 Euro). Das man dabei dann auf eigenartige Taxifahrer trifft ist klar.
Getroffen haben wir dabei anscheinend einen weitgehenst Artverwandten von Enrico, dem "Limo" Fahrer in Shenzhen. In weiterer Folge als Kurt bezeichnet ist dies ein ganz normaler Fahrer. Kurt wartet wie jeder andere auch vorm Hotel mit dem Lämpchen für freie Fahrt an und fühlt sich so in seinem Lebensraum wohl. Doch kaum eingestiegen hat Kurt das Lämpchen umgeklappt und wenn man Kurt das Ziel genannt hat sollte man sich besser angurten. Kurt, anscheinend passionierter Hobby-Rallye Fahrer, tritt schon gern mal fester aufs Gas bzw die Bremse und lässt auch gerne hören, dass die Getriebe der Autos in China auch nur mit Zahnrädern gebaut sind. Ob seine Rasse der Taxifahrer dies aus Prestigegründen macht zum Show-Off oder ob dies an den 527.000km liegt, die der Toyota Corolla schon am Buckel hat, darüber kann ich keine genauere Auskunft geben. Dazu müsste mehr Artenforschung betrieben werden.
Alles in allem kann man aber sagen: Bodenmarkierungen sind reinste Empfehlungen, Geschwindigkeitsbeschränkungen sowieso. Überholen innerstadts ist eine Art und Weise um den Rivalenkampf dieser Gattung Mensch durchzuführen. Ein Taxifahrer ganz nach Alex' Geschmack würde ich sagen ;-)
Wolfgang meinte treffend von der Rückbank: wer hat uns eigentlich einen Suizid-Fahrer bestellt.

Etwas, das ich jedem ans Herz legen kann, wenn er die Möglichkeit hat es sich anzusehen, das ist der Cirque de Solei. Da das Venetian ja sowieso schon eine eingebaute Arena (ein ganzes Stadion) hat dachten sich die Architekten wohl, dass ein ganzer Zirkus darin auch gut Platz finden würde. So ist es auch. Eine riesige Halle in Mitten des Venetians ist die Unterkunft des Cirque de Solei hier in Macau.
Dessen Vorstellung genossen, und ich will wirklich sagen genossen, wir alle. 90 Minuten pures Erlebnis. Die Artisten führen ihre Kunststücke derart korrekt und präzise aus, ein Wahnsinn. Und wenn jemand nur annähernd Sport betreibt und zB weiß wie schwer bestimmte Dinge sind, dem bleibt der Verstand stehen, wenn man sieht, wie Leute einarmig Frauen balancieren oder wie diese (ich nenn sie jetzt so) chinesichen Hunde, wo zwei Menschen in einem so einem Kostüm stecken, auf frei bewegliche Bälle springen und diese dann balancieren. Damit nicht genug. Rückwärtssalto von einem zum anderen oder gar zu zweit (also zwei solcher Hündchen) auf einem Ball. Körperbeherrschung pur sag ich da nur. Wohl am eindrucksvollsten sind die Trapezkünstler mit ihren waghalsigen Unternehmungen in luftiger Höhe. Ich würds sofort nochmal anschauen.
Einfach genial. Ich hatte noch nie so eine gute Zirkusvorstellung gesehen wie diese, die untermalt von Feuereffekten und Musik eine Gänsehaut zauberte.

Auch essen lässts sich im Venetian ganz gut bzw generell in Macau. Im Unterschied zu Shenzhen ist das zwar nicht schwer, doch ist das Essen hier wirklich außerordentlich gut gewesen.
Im Canton im Venetian gabs typsich kantonesische Küche. Chinesisch in einer seiner Ursprungsformen. Sehr gut kann ich nur sagen. Dim-Sum und andere Dinge schmecken hier wirklich gut. Nichts im Vergleich zu Shenzhen.
Aber auch die noch verbliebene portugiesische Küche sollte nicht ungetestet bleiben. Im Clube Militar, einem ca. im 19. Jh. erbauten Offizierscasino, wir heute noch sehr gutes portugiesisches Essen serviert. Diese beiden Restaurants sollten jedem mal ans Herz gelegt sein, der nach Macau reist.

Tja, mit einer erneuten Fahrt mit einer Fähre über das südostchinesische Meer (während der ich jetzt diesen Eintrag tippe) gehts nun zum letzten Stop nach Hong-Kong, wo ich noch für 2,5 Tage die Stadt und den wohl sehr britischen Flair genießen werde, bevor es wieder in den Flieger und somit zurück nach Dubai und Wien geht.

Irgendwie komisch. Aber die Frau ein paar Sitze rechts neben mir ist ganz ruhig geworden. Sie hat wohl ihr chinesisches Temprament mit einer soliden Seekrankheit getauscht. Das Chinesen spucken ist mir ja schon untergekommen bzw passiert immer und überall. Aber soviel kann man gar nicht in ein Sea-Sickness-Bag spucken :D

Alle Bilder sind hier zu finden: Macau @ flickr

So long,
Harald

PS: die alten Posts haben nun auch Bilder, die von diesem Post kommen wohl heute Abend, wenn sie fertig sind ;-)

2 Kommentare:

  1. hehe :D so weit musst reisen, um zu sehn, dass der cirque du soleil nicht nur zirkus ist ;)

    ich geh heuer zum 3. und sicher nicht zum letzten mal (juni, stadthalle)

    AntwortenLöschen
  2. Bin ja nicht sicher ob ich gemeint bin: "Ein Taxifahrer ganz nach Alex' Geschmack würde ich sagen ;-)"
    aber werd jedenfalls mal meinen senf dazu geben :)

    ja, hätt mir sicher gefallen. wir hätten dann natürlich noch über den musiksender und den zustand seines taxis diskutieren müssen...
    aber is doch viel besser um €1,40 action und ein nettes gespräch (wobei keine der parteien die andere versteht) zu bekommen als wie bei uns €15,- los zu werden und dabei noch einen grandscherben vor sich sitzen hat :)

    so long

    AntwortenLöschen