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Sonntag, 17. August 2014

#3 - Allalinhorn - 4.027m

Facts
Gipfel / Höhe Allalinhorn / 4.027m
Am Gipfel am So, 17.08.2014, ca. 8:15 Uhr am Gipfel. Aufbruch um 3:40!
Land / Region CH / Walliser Alpen
Art und Schwierigkeit Hochtour, PD, 40°, II
Höhenmeter ca. 1.200 Hm↑ - ca. 600 Hm↓
Tourenpartner Manuela
Route Hohlaubgrat (Ostgrat)
Britanniahütte - Abstieg zum Hohlaubengletscher - Gletscher - Ostgrat - Kurze Kletterstelle unter dem Gipfel - Gipfel 4.027m

Wie auch schon am Vortag galt es am Sonntag recht früh aufzustehen. Eigentlich wäre die Weckzeit für das Allalinhorn über den Hohlaubgrat ja 3:45 Uhr, aber nachdem in unserem Zimmer einige Leute waren, die auf das Strahlhorn gingen, wurden wir auch um 2:45 Uhr geweckt. Nachdem Manuela sowieso kein Auge zugetan hat in dieser Nacht und ich auch nur recht schlecht schlief, entschieden wir uns dazu, gleich aufzustehen und somit schon eine Stunde vor dem Rest zu starten. Für diese Tour erwarteten wir Stau an der Schlüsselstelle: eine kurze Kletterpassage auf knapp 4.000m, die mixed durch Fels und Eis geht (je nach Verhältnissen). Dort kann immer nur eine Seilschaft rein, und da es sich um zwei "Seillängen" handelt, muss also entsprechend lange gewartet werden.

Nach einer kurzen Morgentoilette gings zum Frühstück. Nach der Stärkung mit Nutella, Honig und einigen Tassen Schwarztee wurde die Abmarschbereitschaft hergestellt. In diesem Falle hieß es, zum Zeugs vom Vortag auch noch das Hüttenzeugs mitzunehmen. Zwar war das ja nicht so viel, aber dennoch mehr Gewicht als am Tag davor.

Vom Aufbruch zum Strahlhorn wussten wir noch, dass wir schon kurz nach der Hütte die Steigeisen benötigten. Also entschieden wir uns diesesmal gleich dazu, mit Steigeisen von der Hütte loszugehen. Somit ersparten wir uns das Anziehen mitten im felisgen Gelände und konnten dies noch bei gutem Licht und in der Wärme tun.

Um 3:40 Uhr brachen wir dann endgültig auf. Ich hatte auch schon das Seil hergerichtet, um gleich nach dem Abstieg auf den Gletscher bereit zu sein. Gemeinsam mit einigen "Strahlhornlern" gings dann die Serpentinen runter in Richtung Hohlaubgletscher, wo sich dann die Wege trennten. Zu unserem Glück waren wir soweit die Einzigen, die eine Stunde früher aufbrachen. Lediglich eine andere Seilschaft war noch vor uns, aber so weit vor uns, dass wir sie nie eingeholt haben. Sie dürften wohl ohne Frühstück gestartet sein.

Am Gletscher angekommen und angeseilt ging es dann quer darüber. Am Tag zuvor hatten wir uns ja die Route etwas genauer angeschaut, und somit hatten wir keine Probleme den Weg zu finden. Zudem war die Nacht so klar und der Mond so hell, dass wir ohne Stirnlampe gehen konnten. Man sah jede Spalte und jeden Stein. Erst später, wo das Morgengrauen angebrochen ist, benötigten wir wieder kurz die Stirnlampen, da das Licht schlechter wurde - komischerweise.

Pünktlich um 6:25 Uhr, wie vom Wetterdienst vorausgesagt, ging dann hinter uns über dem Lagginhorn und dem Weissmies langsam die Sonne auf. Obwohl wir ostseitig aufstiegen trafen uns die Sonnenstrahlen aber erst recht spät. Bis dahin blieb es noch bitterkalt.

Der Aufstieg an sich war monoton. Manuela ging voraus und legte ein ordentliches Tempo vor. Ich musste also schauen, dass ich mithalten konnte. Wahrscheinlich war ihr kalt ;-) Kurz nach dem Gletscher ging es über eine recht steile Passage (ca. 40°) auf einen kleinen Sattel, von wo aus man zuerst eine Ebene quert, um dann etwas abzusteigen. Unten angekommen gibt es dann den letzten großen und steilen Aufschwung zu bewältigen, bevor man die letzten Höhenmeter am schneebedeckten Ostgrat entlang geht und zur Felsbarriere kommt, die dann nur kletternd zu überwinden ist.

Bei diesem steilen Aufschwung trafen uns dann erstmals Sonnenstrahlen und uns wurde endlich wärmer. Leider zog auch wie am Vortag etwas Wind mit auf, sodass wir nicht auf die Jacken verzichten konnten.

Langsam näherten wir uns dann der Felsbarriere, wo wir ca. um 7:30 Uhr ankamen. Wir hatten also knapp 1.150 Höhenmeter bereits geschafft, denn die Steilstufe liegt auf ca. 4.000m. Es sind danach lediglich noch 30 Höhenmeter zum Gipfel. Durch den Neuschnee der Vortage fanden wir die Kletterei anders vor als gedacht. Ursprünglich dachte ich, dass es sich um mehr felsiges Terrain handeln würde, aber dem war nicht so. Es war noch viel Schnee in der gesamten Route, nur wenige Bohrhaken waren sichtbar. Schon der Einstieg an sich startete beim ersten Bohrhaken auf Brusthöhe. Normal musste man einige Meter weiter unten starten, aber wir standen auf viel Schnee.

Ich bereitete also alles vor, um vorsteigen zu können, während sich Manuela aufwärmte. Das kurze Seil auf ein langes Seil geändert, Expressen, Karabiner und Standplatzschlingen am Klettergurt hängend, den Pickel im Nacken verstaut und die dünnen Lederhandschuhe zum Klettern angezogen startete ich dann also, während mich Manuela sicherte. Die erste Passage war ein recht steiler Aufschwung, bevor es dann in eine kleine Verschneidung ging, wo ich endlich die erste Exe hängen konnte. Der viele Schnee am Fels machte das Klettern nicht einfacher, und die 4.000m Höhe machten sich auch bemerkbar. Wenigstens wurde mir dabei ordentlich warm. Doch auch Manuela wurde endlich warm, da sich der Wind legte und wir nun direkt in der Sonne standen. Zudem reflektierte der Fels die Wärme gut.
Nach der ersten Exe war ich froh über meine guten Steigeisen. Es galt, einen kleinen Vorsprung zu überklettern und danach über eine nach vorne geneigte "Firnplatte" nach oben zu gehen, bis nach ca. 10 Metern die nächste Exe zu hängen war. Ich kletterte also bis zum Vorsprung und ankerte dann mit dem Pickel so weit wie möglich nach oben um mich über die Kante zu ziehen. Danach galt es nur auf Balance aufzustehen und zu gehen. Endlich beim Bohrhaken angekommen ging es dann noch wenige Meter weiter zum "Standplatz", von dem aus ich sicherte. Man könnte zwar beide Längen auf einmal klettern, doch wäre es von der Seilreibung her nicht machbar. Zudem sieht man schon nach dem ersten Kamin den Partner nicht mehr und kann sich somit nur schreiend verständigen. Weiterklettern hätte also keinen Sinn.
Den Standplatz gebaut und fertig Manuela im Nachstieg zu sichern, gab ich ihr also das "Go". Ich erwartete ja, dass sie als total wütender Schneemann zu mir raufkommt und mich beschimpft, weil ich natürlich beim Vorstieg andauernd Schnee losgetreten habe oder von den Felsen geputzt habe, aber nichts dergleichen. Eingehüllt in ihre GoreTex Jacke, Kapuze über den Helm gezogen, kam sie schön langsam, Schritt für Schritt nach, und hatte sichtlich ihren Spaß an der Kletterei. Auch war ihr warm geworden, was ihre Stimmung wohl noch zusätzlich etwas hob. So stieg sie die ganze Route souverän durch, ohne groß in Bedrängnis zu kommen.

Bei mir angekommen bauten wir dann schnell den Stand um und machten ein paar Fotos, bevor ich weiter vorstieg. Es fehlten nur mehr wenige Höhenmeter bis zum letzten Stand, aber man musste zuvor eine Querung unter einem Felsblock machen. Diese Passage war zudem sehr schlecht zum Sichern. Lediglich ein Haken davor und dann danach der Stand. Ausrutschen wäre also eher ungut gewesen und hätte mit einem Pendler geendet. Aber gut auf die Frontzacken gestützt querte ich den Hang und hiefte mich unter dem Felsblock durch, um auf der anderen Seite wieder eine Exe zu hängen und kurz darauf den Standplatz zu bauen.
Manuela kam sehr schnell nach. Nachdem wir am Ausstieg der Route waren, ging es noch wenige Meter über ein Schneefeld nach oben zum Grat, der dann zum Gipfel führte. Am kurzen Seil gingen wir auf unsere Pickel gestützt den letzten Teil nach oben.

Zu unserem großen Erstaunen sahen wir, dass der Gipfel "leer" war. Niemand war dort. Wir hatten gesehen, dass die Bergbahn auf das Mittelallalin schon seit 7:30 Uhr in Betrieb war und vermuteten, dass sich vielleicht schon erste "Gipfelstürmer" am Gipfel befanden. Aber nichts dergleichen. Wir kamen um 8:14 Uhr am Gipfel an, um alleine eine traumhafte Aussicht zu genießen, die ihresgleichen sucht. Das Monte Rosa mit Nordend und Dufourspitze zum Greifen nahe, daneben der Liskamm, Castor und Pollux, das Breithorn, das Matterhorn, Dente Blanche, direkt vor einem das Strahlhorn und das Rimpfischhorn. Einmal umgedreht sah man auf Alphubel, Täschorn, Dom, Lenzspitze und Nadenhorn, Lagginhorn und Weissmies. Bei Windstille und strahlendem Sonnenschein genossen wir doch einige Zeit den Gipfel und machten uns dann langsam wieder an den Abstieg über die Normalroute.

Beim Abstieg an sich kamen uns hunderte (keine Übertreibung!) Berggänger entgegen, die den kurzen Aufstieg von der Station Mittelallalin bis zum Gipfel machten. Dabei handelt es sich um eine Winterwanderung würde ich mal sagen. Man könnte ohne Seil gehen, lediglich Steigeisen und Pickel sind erforderlich.

Hungrig kamen wir bei der Station am Mittelallalin an, wo wir erstmals aßen und tranken und unser Material sortierten, bevor es mit der Bahn nach unten ging. Den Aufstieg hatten wir von Saas Fee aus zu Fuß gemacht, doch für den Abstieg benutzten wir die Bahn, um unsere Knie zu schonen. Ich würde sagen ein faires Verhalten. Bestiegen haben wir die Berge also "by fair means", und nicht unter Zuhilfenahme der Bahn.

So long,
Harald


6:25 Uhr: pünktlich wie die Eisenbahn: Sonnenaufgang über dem Weissmies bzw. dem Lagginhorn (links)

Rückblick auf die Route vom Standplatz der Kletterei aus. Manuela kommt gerade den Kamin rauf und ist dann kurz vor der Kante. Danach galt es das Schneefeld nach oben zu laufen bis zum Standplatz.

Am ersten Standplatz: Sonnenschein pur und uns beiden war endlich warm. Nur mein Trinkschlauch war noch immer eingefroren.

Alleine am Gipfel: im Hintergrund das bekannte Matterhorn.

Allalinhorn, 4.027m. Wenn man dieses Bild mit anderen Bildern vom Gipfel vergleicht, sieht man, wie viel Schnee wir hatten. Normalerweise steht das Gipfelkreuz mit diesem Betonsockel auf einem großen Felsblock, den man zuvor erst erklettern muss.

Links das Strahlhorn vom Vortag. In der Mitte hinten das Monte Rosa Massiv mit Nordend und Dufourspitze. Rechts vorne das Rimpfischhorn (4.199m)

Ausblick auf die Giganten: (v.l.n.r.) Alphubel, Täschhorn, Dom, Lenzspitze und Nadelhorn. Rechts unten sieht man sogar die Mischabelhütten.

Ausblick auf den Liskamm, Castor und Pollux sowie das Breithorn mit seinen einzelnen Gipfeln.

Matterhorn, Dente Blanche und rechts das Zinalrothhorn.

Vom Mittelallalin aus gesehen: links der ansteigende Ostgrat bis zur Felsstufe, die erklettert werden muss. Danach der Rest des flachen Gipfelgrates bis zum Gipfel.

Samstag, 16. August 2014

#2 - Strahlhorn - 4.190m

Facts
Gipfel / Höhe Strahlhorn / 4.190m
Am Gipfel am Sa, 16.08.2014, ca. 9:15 Uhr am Morgen. Aufbruch um 3:40 Uhr!
Land / Region CH / Walliser Alpen
Art und Schwierigkeit Hochtour, F+/PD-, 35°
Höhenmeter ca. 1.500Hm↑ - ca. 1.500Hm↓
Tourenpartner Manuela
Route Normalroute über Allalingletscher, Adlerpass von der Britanniahütte
Britanniahütte - Abstieg auf den Hohlaubengletscher - Überquerung der Moräne - Aufstieg über den Allalingletscher zum Adlerpass - Adlerpass - Gipfelgrat - Strahlhorn-Gipfel, 4.190m.

Eigentlich wars ja geplant direkt nach dem Heimaturlaub in Österreich die Hochtouren im Wallis anzuhängen. Nichts wäre besser gewesen. Manuela und ich waren Ende Juli in Topform und haben davor im Urlaub einige Hochtouren bzw. hohe Berge gemacht. Blauspitze, Großglockner, Teufelskamp, Großer Kinigat, Piz Boe, alle waren schön hoch und wir hatten einige Tage auf 2800m geschlafen - auf der Stüdlhütte. Somit wären wir also perfekt akklimatisiert gewesen. Doch das Wetter machte uns dann leider einen Strich durch die Rechnung.

Anfangs für Mitte Juli geplant, verschob sich dann die Wallistour Wochenende um Wochenende, bis es endlich Mitte August wieder einmal passen sollte. Noch dazu war Freitag der 15.08. ein Feiertag und somit konnten wir das lange Wochenende perfekt ausnutzen.

Plan war am Freitag die Anreise nach Saas Fee zu machen, von dort dann zu Fuß ganz locker zur Britanniahütte auf 3.030m aufzusteigen und dort dann eine Nacht zu verbringen. Samstag stand dann das Strahlhorn am Programm, Sonntag der krönende Abschluss: das Allalinhorn über den Hohlaubengrat und anschließend der Abstieg ins Tal.

Das Wetter war aber auch an diesem Wochenende nicht so ganz auf unserer Seite. Es gab Mitte der Woche noch Neuschnee (nicht viel muss man sagen, vielleicht 15cm) und es drückte noch eine Front von Norden rein. Aber laut Wetterbericht sollte das alles bis Freitagabend verschwunden sein und Samstag und Sonntag somit zwei perfekte Tage für eine Hochtour sein.

Wir stiegen also am Freitag ganz gemütlich von Saas Fee zur Hütte auf. Um ca. 12:30 gingen wir im Tal los (Tal muss hier etwas relativiert werden, nachdem Saas Fee schon auf 1.800m liegt) und stiegen dann die knapp 1.250Hm zur Hütte auf, wo wir so gegen 16:00 Uhr ankamen. 3:30h waren für uns für diese Strecke bzw. diese Höhenmeter wirklich sehr gemütlich. Das Wetter hatte sich aber bis zur Ankunft nicht wirklich gebessert. Statt besser zu werden, zog es immer mehr zu. Und so geschah es auch, dass es dann anfing zu schneien. Wir saßen also in der Hütte auf 3.030m und aßen zu Abend, als es draußen munter schneite. Zwar nicht wirkich viel, aber dennoch. Es war neblig und schneite. Und es war bereits 19 Uhr am Abend! In wenigen Stunden sollte das Wetter deutlich besser sein, damit wir aufbrechen können.

Um 21 Uhr gings dann ins Bett, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Tagwache für alle, die von der Britannia auf das Strahlhorn wollen, ist 2:45 Uhr! Also seeeehr früh. Ich konnte wenigstens noch einige Stunden schlafen, Manuela hingegen machte anfangs kein Auge zu und schlief erst am frühen Morgen 1-2 Stunden. Um 2:45 Uhr geweckt gings dann ans Anziehen und um ca. 3:00 Uhr gabs dann Frühstück. Man kann sich vorstellen, wie groß der Appetit um 3 Uhr morgens ist, wenn man um 19:00 Uhr erst ein dreigängiges Abendessen hatte und noch dazu auf 3.030m geschlafen hat. Kaum vorhanden, kann man sagen. Dennoch haben wir versucht etwas zu essen und vor allem viel zu trinken - das Wichtigste auf dieser Höhe!

Da wir nur wenige waren, die zum Strahlhorn gingen (ist ja eigentlich eher eine Wintertour mit Skiern), ließen wir uns Zeit. Es gab keine Engstellen, wo man überholen muss und somit hatten wir keine Sorge in einen "Stau" zu kommen. Um 3:40 brachen wir dann als zweite Seilschaft auf.

Zuerst stiegen wir etwas von der Hütte ab, um zum Ende des Hohlaubengletschers zu kommen. Das waren ca. 100 - 150 Hm, die wir da wieder "verloren". Schon im Abstieg haben wir die Steigeisen montiert, da der Schnee über Nacht sehr rutschig geworden war und sich unterhalb Eis befand. Da wir sowieso spätestens am Gletscher die Eisen brauchten, machte es also keinen großen Unterschied.
Am Gletscher angekommen, seilten wir uns an und nahmen dann die Originalroute durch die Felsblöcke, die teils schwer zu passieren waren, vor allem in totaler Dunkelheit. Wir gingen ja schließlich bei Nacht und hatten nur die Stirnlampe. Mit dem eingeschränkten Lichtschein der Stirnlampe suchten wir uns also den Weg durch das Labyrinth aus Felsblöcken, die teils überklettert werden mussten.
Endlich am anderen Ende angekommen, mussten wir uns wieder anseilen, da wir dann auf den Allalingletscher gingen, der vor allem im unteren Bereich mächtige Spalten hat. Wir mussten lange den Weg ableuchten um dann endlich den sicheren Pfad zu finden, den dann eigentlich alle Seilschaften genommen haben.

Mit dem Betreten des Allalingletschers kommt dann eine Trendwende im Aufstiegsprozess, um es einmal so auszudrücken. Während davor zumindest die Felsblöcke an einem vorbeiwanderten, war es dann einfach nichts mehr, was einem ein Gefühl für Distanzen oder Geschwindigkeiten bot. Der Gletscher ist einfach riesig und leer. Man sieht in weiter Ferne das Strahlhorn bzw. das Rimpfischhorn auf der rechten Seite und hat das Gefühl, dass man überhaupt nicht vom Fleck kommt. Und so geht man also. Waren wir um ca. 5 Uhr am Gletscher, so waren wir um 6 Uhr kaum weiter, zumindest subjektiv empfunden.
Es dauerte dann ewig, bis wir die erste steilere Passage hinter uns ließen und uns auf einer Ebene am Gletscher dem letzten Aufschwung zum Adlerpass näherten. Von der Ebene aus denkt man, dass man in vielleicht 30 Minuten oben ist, doch wieder: der Schein trügt.

Erst um knapp 7:30 waren wir dann am Adlerpass auf 3.800 Meter. Von dort aus fing eigentlich erst der Spaß an. Der Aufstieg von dort führt dann über den verschneiten Grat auf das Strahlhorn und ist nochmals ein ewiger Hatscher. Obwohl man nur noch 300-400 Höhenmeter machen muss, zieht es sich einfach ewig, bis man dann endlich den Gipfel sieht. Ich hatte wirklich noch nie auf einem Berg so ein Motivationsproblem um den Gipfel zu besteigen. Aber der endlose Hatscher ermüdete einfach und wir beide merkten auch die Höhe von knapp 3.800m. Wir aßen und tranken dann kurz unterhalb des Passes etwas, bevor wir uns dazu durchringen konnten, die Gipfeletappe zu machen.

Der Grat an sich war dann super zu gehen. Schön verschneit und nicht ausgesetzt. Es war aber sehr sehr windig, wie auch schon unten am Gletscher teils und wir kühlten zunehmend aus. Manuela wollte aber nicht stehen bleiben um sich wieder zusätzlich etwas anzuziehen, sondern weitergehen. Stehenbleiben hätte sie vom Wind her noch mehr ausgekühlt, hatte sie gemeint.

Wir gingen dann also so schnell als möglich weiter in Richtung Gipfel, wo wir dann um ca. 9:15 Uhr eintrafen. Doch ca. 45 Minuten später als geplant. Aber der letzte Aufstieg hat uns viel Zeit gekostet und die Felsblöcke am Anfang auch. Nur sehr kurz "genossen" wir den Gipfel um schnell ein Foto zu machen. Vor allem ich war nicht wirklich fotogen zu diesem Zeitpunkt, würde ich mal sagen. Ich war einfach nur müde. Kalt wars noch dazu und stehen ging sowieso kaum. Schließlich hats uns dort oben fast runtergeweht, so windig wars.

Wir stiegen dann schnell kurz unterhalb des Gipfels ab, wo wir im Windschatten dann aber Pause machten um uns anzuziehen. Manuela mit der Daunenjacke und ich endlich mit der GoreTex Jacke bewaffnet gabs dann noch kurz einen Riegel und etwas zu trinken und dann machten wir uns an den Abstieg. Schließlich stand noch der ganze Hatscher retour an.

Am Adlerpass unten angekommen, legte sich dann endlich der sehr heftige Wind, der mit der Sonne kam, und als wir dann kurz darunter am Gletscher waren, war er fast ganz weg. Die Sonne drückte und wir zogen uns wieder aus und legten dazu eine längere Pause ein, um Energie zu tanken und ordentlich zu trinken. Das tat richtig gut.

Der Abstieg verlief dann eigentlich problemlos und war zudem sehr schön. Der Ausblick wurde immer besser und wir konnten nun endlich bei Tageslicht alle Berge um uns sehen, deren Umrisse wir zuvor im Aufstieg nur schlecht erkannt hatten. Am Ende des Gletschers entschieden wir uns dann noch dazu, für den nächsten Tag die Aufstiegsroute zu begutachten und nahmen einen anderen Weg zurück, der uns von einem Bergführer empfohlen worden war, und eigentlich jetzt der neue Standardweg aufs Strahlhorn ist. Von dort konnten wir dann gut die Aufstiegsroute für den nächsten Tag auf das Allalinhorn einsehen und uns Gedanken machen, wo wir in der Dunkelheit gehen mussten.

Bei der Hütte angekommen gabs dann erst einmal ein Mittagessen. Suppe und Pasta taten gut, und der Tee half zudem, den Flüssigkeitsverlust zu kompensieren. Vor dem Abendessen legten wir uns dann hin und versuchten zu schlafen, um den Schlafmangel der vorigen Nacht auszugleichen. Während ich gut schlief und doch fast 2 Stunden aufholen konnte, schlief Manuela wieder kaum :-(

Mit dem Abendessen wiederholte sich dann das Spielchen vom Vortag. 19 Uhr essen, und dann ins Bett und versuchen zu schlafen. Schließlich stand der nächste Viertausender an: das Allalinhorn über den Hohlaubengrat!

So long,
Harald
Britanniahüte auf 3.030m

Mitten am Allalingletscher: Manuela vor dem dunklen Rimpfischhorn, links das Strahlhorn

6:25 Uhr: die Sonne geht auf! Endlich!

Das Strahlhorn macht seinem Namen alle Ehre!

Unterhalb des Adlerpasses vor dem Rimpfischorn.

Der Aufstieg vom Adlerpass über den Grat in Richtung Gipfel. Hier sieht man, dass es windig war und das wir doch deutlich mehr Neuschnee hatten als gedacht.

Die Sonne kommt endlich über den Grat und wärmt uns. Aber sie bringt auch leider den Wind mit :-(

Am Gipfel: Ausblick auf Dom und Täschhorn sowie die Lenzspitze.

Blick in Richtung Britanniahütte (links unten in den Wolken)

Monte Rosa: Liskamm, Castor und Pollux.

Manuela im Abstieg: es war noch immer windig und wir gingen vermummt. Hinten das Monte Rosa Massiv und das Matterhorn.

Aufstiegs- und Abstiegsroute: in der Mitte der Adlerpass. Links dann das Strahlhorn (Vorgipfel) und rechts das Rimpfischorn.

Endlich zurück bei der Britanniahütte. Das Wetter ist endlich besser geworden.

Dienstag, 6. August 2013

Auf zwei Rädern durch die Pyrenäen

Grüezi zsäme,

lang hats gedauert und es is ja auch schon sehr lange her, aber nun kommen endlich ein paar Zeilen zum Motorradtrip mit Alex und Thomas, nachdem mein "Fauxpas" mit der Hand ja zur "Kletter- und Hochtourenpause" zwingt. Zumindest gibts mal die Infos zur Strecke an sich, ein wenig Text und ein paar Bildchen.

Die Strecke Baden - Livorno
Von Baden in der Schweiz gings für mich am Samstag ziemlich früh los in Richtung Livorno - ich wollte schon zu Beginn einige Pässe machen und durch die Toskana fahren (da war ich eh noch nie). Über den Gotthard-Pass, wo damals noch Schnee lag bis nach Milano, und von dort dann über Parma und La Spezia Richtung Süden. Bei Berceto gings dann von der Autobahn wieder runter und über einige Pässe dort quer durch die Toskana nach Fivizzano, dann Richtung Sarzana und Massa. Die Pässe und Straßen waren traumhaft. Dort konnte man stundenlang mit dem Bike "cruisen" und es gab immer Abwechslung. Das war auch der Grund warum es dann schon recht spät war als ich in Massa ankam, und da ja die Fähre pünktlich ablegte und wir entsprechend davor dort sein mussten, entschied ich mich, über die Autobahn die letzten 60km nach Livorno zu fahren. Die Küstenstrecke an sich wäre aber sicher  lohnend gewesen, zumindest sagt das der ADAC Tourenführer.
Gotthardpass in der Schweiz

Anfang Juni noch immer tief verschneit

Toskana in der Nähe von Fivizzano

In Livorno war es dann für mich also schon recht spät. Ich kam dort ca. um 20 Uhr an. Die Fähre legte um 23:30 ab und alle Leute mit Fahrzeugen sollten entsprechend 1,5 Stunden davor dort sein um ihren motorisierten Untersatz zu verladen. Ich hatte also noch etwas "Spatze", aber die habe ich auch gebraucht: in Livorno den Hafen zu finden ist leicht. Am Hafen die richtige Fähre zu finden nicht so. So verbrachte ich also mal gut und gerne eine Stunde damit, den "Check-In" Schalter zu finden und mich und mein Bike anzumelden. Zu diesem Zeitpunkt kam mir dann in den Sinn, dass ja auch Alex und Thomas um 20 Uhr in Livorno sein wollten, bis jetzt aber noch nicht in Sicht waren. Mal ein SMS an die beiden und die Antwort lies nicht lange auf sich warten: "Wird wohl noch a Stunderl dauern". Zu dem Zeitpunkt wars aber schon 21 Uhr. Eine weitere Stunde würde also heißen dass es mit dem Verladen der Bikes von den Zweien knapp werden würde. Naja, ich konnte nun eh nichts an der Sache ändern und lies mich mal von einem Mann im Fiat zur richtigen Fähre geleiten. Nachdem unser Ziel ja Barcelona war und ich nun vor einer griechischen Fähre stand war der "Check-In-Mensch" dort auch wenig verwundert, dass ich noch zwei Mal explizit gefragt habe, ob die Fähre eh Barcelona fährt.
Tja ich bin dann mal an Bord und hab dort angefangen das Tagebuch des ersten Tages zu schreiben. Nachdem dazu das erste Corona recht schnell verdunstet ist und die andere noch immer auf sich warten liesen genehmigte ich mir noch eines. Es dauerte dann auch recht lange, bis Alex und Thomas nachgekommen sind. Kurz vor halb zwölf kamen sie dann aber endlich nach - so quasi am letzten Drücker.

Nun lag eine 24-stündige Fährenfahrt vor uns, die uns einmal quer über das Mittelmeer in Richtung Barcelona brachte. Und um so viel Zeit totzuschlagen gabs nicht so viel Angebot auf der Fähre. Ein Restaurant das wir dann auch gleich einmal testeten und später die Bar an sich. Nach der Flasche Wein zum Essen gingen die Bierchen später auch ganz zügig runter, bis wir uns dann so gegen drei Uhr am Morgen in die Kabine gingen. Ankunft in Barcelona war ja erst für 19 Uhr am Abend geplant, also hatten wir kein schlechtes Gewissen einfach ewig zu schlafen - wobei Alex das ja sowieso nie hat.

In Barcelona angekommen gings dann schnell ab zum Hotel und dort in der näheren Umgebung dann zu einer Tapas-Bar, wo wir noch schnell ein paar Bissen einworfen, bevor wir uns ins Bett begaben.

Die Pyrenäen-Rundfahrt
Nachdem wir ja bis jetzt nur zwei Fixpunkte unserer Reise kannten (Livorno mit dem Ablegen der Fähre und am Ende Barcelona mit dem Ablegen der Fähre), gings im Hotel dann mal darum, zumindest die Strecke für den ersten Tag festzulegen. Ich hatte ja eine ADAC Karte dabei die die schönsten Motorradstrecken in den Pyrenäen zeigte. Wir hielten uns also an diese Vorschläge und suchten uns als ersten Stopp Berga aus, von wo aus wir an zwei Tagen Touren unternehmen wollten. Die restliche Strecke ergab sich dann nach Gefühl und Vorlieben.
Im Groben die Strecke. Leider kann Google Maps nur 20 Wegpunkte speichern, deswegen die "grobe" Streckenführung. zB fehlen die Trips um Berga und die Strecken von Ripoll nach Berga usw. die mit Abstand die schönsten waren.

Tag 1:  Barcelona, Torello, Berga, Ripoll, Ribes, Collada de Toses, Urtx, Puigcerda, Ger, Berga
Am Anfang gings also von Barcelona weg in Richtung Norden aus der Stadt raus und dann recht direkt in Richtung Torello, von wo wir dann nach Westen fuhren um unseren ersten "Stützpunkt" in Berga zu beziehen.
Die Fahrt nach Torello ging noch größtenteils über Schnellstraßen, da wir einfach dem Gewirr auf den Straßen rund um Barcelona entkommen wollten. Von Torello weg gings dann aber über die vom ADAC Guide empfohlenen Routen nach Berga. Es war die erste Route die wir so richtig schön fahren konnten. Und um genau zu sein war die Route so schön, dass wir sie am selben Tag nochmal fuhren, und am Tag darauf, und am Ende unseres Trips nochmals. Berga und die Umgebung hats uns einfach angetan.
Neben dieser schönen einen Straße gabs um Berga rum auch die Möglichkeit schöne Pässe zu fahren, was wir auch am ersten und zweiten Tag taten.
Am ersten Tag ging es über den "Collada de Toses" in Richtung Urtx und Puigcerda, Ger und dann wieder nach Berga zurück. Der Pass war ein Traum und die Aussicht die sich dort oben bot legendär.

Unser erster Pass: schön (flott) gings da raus

In der Nähe von Ger und Urtx: Ausblick in Richtung Andorra

Abends gabs dann wie eigentlich jeden Tag ein paar Bierchen, bei denen das Erlebte auf den Motorrädern analysiert wurde und die Breite des verbleibenden Schisserstreifens zur Sprache kam. Letzterer wurde aber schon bald vernichtet, zumindest bei den 180er Reifen von Alex und mir. Thomas tat sich da etwas schwerer mit seiner 1000er und den 190er Bock drauf.

Tag 2: Berga, Sant Llorenc, Tuixen, La Seu, La Forga, Andorra la Vella, Ordino - Porta - Carol, Ur, Ribes, Ripoll, Berga
Am zweiten Tag unserer Tour ging es im Prinzip beinahe in die selbe Region, doch anstatt nordöstlich von Berga in Richtung der dortigen Pässe zu fahren, ging es diesesmal zuerst leicht westlich nach Sant Llorenc und von dort dann erst nach Norden um ca. gegen Mittag dann in Andorra la Vella in Andorra an sich ein sehr leckeres Essen zu genießen. Dort stand dann noch einer der höchsten Pässe für uns an, nachdem wir uns entschieden haben Andorra über Frankreich wieder zu verlassen und nach einem kurzen Abstecher durch Frankreich am Abend wieder in Richtung Süden und somit Berga zu fahren.
Auf der spanischen Seite der Pyrenäen sind die Straßen ein Traum. In Andorra waren sie annehmbar, aber auf der französischen Seite der Pässe waren sie schlecht. Ein Grund mehr für uns, so schnell als möglich wieder nach Spanien zu kommen, und dort die von unserem EU Geld finanzierten Passstraßen zu genießen.


Tuixen

Höchster Pass in Andorra (Port d'Envalira): kurz vor der Grenze zu Frankreich

Tag 3: Berga, San Llorenc, Solsana, Isona, Tremp, Senterada, Campo, Samper, Jaca
Der Guide gab nun in der Region um Berga keine neuen Straßen mehr für uns her, weswegen wir am dritten Tag unserer Reise dann in Richtung Westen aufbrachen, um Kilometer nach Pamplona runterzuspulen. Wir entschieden uns dann für ein kleines Zick-Zack und klapperten dabei einige Pässe ab bzw versuchten so gut als möglich den empfohlenen Straßen des Guides zu folgen.
Im Großen und Ganzen war dieser Tab aber wie gesagt nur ein "Streckentag". Wir wollten einfach so gut wie die Hälfte der Strecke nach Pamplona schaffen, was wir letzten Endes auch locker taten.




Neben der super schönen Aussicht gibts hier noch 2 andere Dinge zu erwähnen: einerseits Jaca an sich, das eine ausgestorbene Stadt ist, wie man sie nur aus den Medien kennt, und andererseits ein schweizer Pärchen die mit einer umgebauten Suzuki Hayabusa die Straßen um Jaca unsicher machten.

Jaca ist vom Aussehen her eine größere Stadt. Viele große Wohnsiedlungen, viele Einkaufszentren etc. Doch wenn man genauer hinschaut wird einem klar, dass dort niemand wohnt und lebt. Lediglich das Stadtzentrum ist bewohnt. Die gesamten Siedlungen außerhalb sind einfach menschenleer. Das es so etwas in Spanien nach der Finanzkrise gibt kennt man aus den Medien. Es aber selbst einmal zu sehen ist etwas anderes. Man kann es einfach nicht glauben, dass eine voll funktionierende Infrastruktur dort steht, aber diese nicht genützt wird. Sie verfällt einfach wieder.

Das Pärchen mit der Suzuki trafen wir in der Innenstadt von Jaca. Beim Essen am Abend saßen sie am Nebentisch, und nachdem wir ja Deutsch sprachen und sie schon vermutet hatten, dass wir zu den drei Bikes gehören, kamen wir ins Gespräch. Und da stellte sich heraus, dass sie die Besitzer der verrückten umgebauten Suzuki sind. Eine Haiabusa umgebaut zu einer Beiwagenmaschine sieht man ja nicht alle Tage. Leider stelle ich gerade fest, dass keiner von uns drei das Ding fotografiert hat.

Tag 4: Jaca, Puerto de Oroel - Santa Maria, Puente la Reina, Pamplona
Die Strecke von Jaca nach Pamplona war recht kurz. Wir schafften das am Vormittag und hatten somit dann einen Nachmittag lang Zeit uns Pamplona anzusehen und abends die Stadt dort unsicher zu machen. Pamplona war ja nach Berga unser zweiter Ort, wo wir zwei Nächte blieben, um ihn als Basis für Tagestouren zu verwenden.

Es ging also am Nachmittag in Richtung Stadt, wo wir dann einmal typisches Sightseeing machten. Die Stierkampfarena, die Innenstadt, die vielen kleinen Gassen und Straßen. Und so tasteten wir uns dann auch von Tapas-Bar zu Tapas-Bar vor, um Wein, Sangria und eben Tapas zu verkosten. Angebote wie "1,90 EUR für ein Tapas und ein Glas Wein" lockten natürlich und so wurde der Abend auch ein längerer.

Pamplona

Traumhaft gutes Essen

Tag 5: Pamplona, Arraitz, Irurita, Puerte de Urto, San Sebastian, Aldudes, Urtasun, Pamplona
Der nächste Tag brachte wieder eine größere Runde, die uns über Arraitz und Puerte de Urto nach San Sebastian führte. Wir hatten also den gesamten Weg von der Mittelmeerküste bis zur Atlantikküste geschafft. San Sebastian ist eine kleinere Stadt an der Grenze von Spanien zu Frankreich am Atlantik und sehr für den Tourismus bekannt. Mehr als eine kurze Rundschau in der Stadt und einige Tapas wurden es aber nicht für uns. Wir fuhren dann am Nachmittag über Frankreich (Aldudes und Urtasun) wieder zurück nach Pamplona.

Pamplona an sich ist sehr schön und durchaus einen Besuch Wert. Auch haben die dort einen guten Mechaniker, wie wir am Abend feststellen. Nachdem ja Thomas in der 1000er Klasse unterwegs ist, und doch gerne mal "Stoff" gab, meldeten sich die Reifen nach einigen Tagen zu Wort. Der hintere war komplett abgefahren - man konnte schon das Gewebe unter dem Gummi erkennen und der Gummi an sich war bröselig und brach auf. Nur durch viel Glück und einigen Zufall fanden wir dann noch einen Händler, der auf Thomas' Kawasaki Z1000 noch am Freitag Abend um 19:30 Uhr noch neue Reifen aufzog. Gut is gangen und nix is gschegn - auf zum verdienten Feierabendbierli!

Der Strand von San Sebastian


Am Weg zurück nach Spanien: der ein oder andere Pass in Frankreich

1000ccm und 4500km später ...


Tag 6: Pamplona, Domino, Isaba, Bielle, Lanens, Col d Ausbique, Argeles, Gazost, Vielha
Wir waren nun am westlichen Ende der Pyrenäen und machten uns also langsam auf den Rückweg. Plan war ja, Thomas (den Franzosen) noch in Toulouse besuchen zu gehen und dann noch einige Tage in Barcelona bzw. an der Mittelmeerküste zu verbringen.
Wieder entschieden wir uns für einen "Kilometervernichtungstag" und fuhren von Pamplona über zig Pässe (die meisten davon werden bei der Tour de France auch gefahren) in Richtung Vielha, um von dort aus dann tags darauf in Richtung Toulouse aufzubrechen.
Die Fahrt dorthin war wirklich sehr abwechslungsreich und bot super Aussichten auf hohe Pässe, viele weite grüne Täler und zig kleine, typisch französische Dörfchen.

Abends in Vielha angekommen gings nach der Dusche auf zum Essen. Und diesesmal sollte es etwas fleischiges sein. Die Region dort um Vielha sei anscheinend dafür bekannt, also versuchten wir die Steaks, mit einem "Riesentomatensalatmix" als "Vorspeise". Resultat: alle vollgefressen und satt. Sehr gut wars.


Col d'Tournament: leider gesperrt aber anscheinend beliebt


Vielha: bestes Steak ever in Spanien!

Tag 7: Vielha, Bossost, Fos, St. Girars, Massat, Foix, Toulouse
Obwohl wir alle eigentlich keine Pässe in Frankreich mehr sehen konnten (ja, das gibts auch, dass einem die Kurven mal zu viel werden, speziell in Frankreich, weil die hier wirklich ganz eng sind) waren wir etwas enttäuscht und "angepisst" als der Col d Tournament gesperrt war. Das wäre der "König" der Pässe in Frankreich gewesen, aber leider lag oben noch zu viel Schnee. Nebs dem Fakt, dass wir also nicht über den Pass konnten, mussten wir auch noch ca. 50km wieder durch das lange Tal nach draußen fahren, um dann über Lourdes weiter nach Foix zu kommen um uns am Ende des Tages mit Thomas in Toulouse zu treffen.

Anfangs noch den Strecken des Guides folgend entschlossen wir uns dann zu fortgeschrittener Stunde aber doch die Schnell- und Autostraßen zu benutzen, um Kilometer in Richtung Toulouse zu machen. Dort wartete Thomas am frühen Abend schon mit kaltem Bier auf uns und zeigte uns die wichtigsten Dinge von Toulouse. Nach kurzem Sightseeing gingen wir zum kulinarischen Teil über, der in erster Linie den Besuch von einigen Pubs vorsah. Und nachdem die Leute auch hungrig wurden, brachte uns Thomas zu einem der besten Tapas Restaurants in Toulouse, wo es für uns gebratene Entenherzen, Gänseleberpastete, Pommes gebacken in Entenfett, Lachssalate usw gab. Gewöhnungsbedürftig sage ich jetzt mal, aber dennoch sehr gut. Nur viel kann man von bestimmten Dingen einfach nicht essen.

Foix

Toulouse


Tapas in Toulouse

Tag 8: Toulouse, Carcassone, Trebes, Maux, Sigean, Leucate, Port Vendres, Cadaques, Figueres
Nachdem die Nacht zuvor etwas kurz war da uns Thomas auch etwas in das Nachtleben von Toulouse einführte, ging es erst später von Toulouse weg in Richtung Figueres in Spanien. Wir entschlossen uns schnell wieder Kilometer zu machen und nach Spanien zu kommen, da dort erstens die Straßen besser und das Essen besser/günstiger war. Von Toulouse aus folgten wir zuerst den Schnellstraßen ostwärts nach Carcassone, einer Stadt mit einer wunderschönen Festung. Von dort aus gings leicht südlich in Richtung Küste. Über Leucate und Port Vendres ging es dann der Küste entlang wieder in Richtung Spanien.

Am frühen Abend erreichten wir Figueres, unser letzer Stützpunkt für Ausfahrten, bevor wir wieder nach Barcelona kamen.
Die Festung von Carcassone

Die Buchten um Leucate

Tag 9: Figueres, Olot, Ripoll, Sant Quirze, Berga, Ripoll, Olot, Bangdes, Figueres
Figueres liegt schon recht nahe an Barcelona. Wir planten also noch einen Tag eine Ausfahrt ein und am nächsten Tag dann die Weiterreise nach Barcelona. Somit ging es am ersten Tag von Figueres in Richtung Westen wieder ins Landesinnere: Berga stand wieder mal am Plan. Wir wollten noch ein letztes Mal die schönen Straßen in der Region um Berga genießen. Ansonsten gab es an diesem Tag keine besonderen Vorkommnisse, um es auf diese Art und Weise auszudrücken.



Tag 10: Figueres, Küste, Barcelona
Der letzte Tag auf den Motorrädern brachte uns dann von Figueres entlang der Küste langsam in Richtung Süden und somit nach Barcelona. An den typischen touristischen Stränden tummelten sich dabei an den Strandpromenaden hunderte Leute, die meisten von ihnen gegen 13 Uhr auf der Suche nach einem Hangover-Frühstück. Wir gesellten uns zur Gattung "ich-spreng-mir-die-Birne-weg" in ein Lokal am Strand und aßen dort mal zu Mittag, bevor wir dann am früheren Nachmittag wieder aufbrachen um die letzten Kilometer nach Barcelona zu machen.



Tag 11-13: Barcelona
Die letzten Tage waren reserviert für Barcelona. Nebst typischem Sightseeing in der Metropole von Spanien standen auch Barbesuche auf dem Programm. Barcelona ist eine schöne Stadt muss ich sagen, sie hat wirklich Flair und etwas zu bieten und wirkt obgleich ihrer Größe dennoch nicht so überfüllt wie zB Wien. Aber das kann auch einfach nur ein sehr subjektiver Eindruck sein. Aber bekanntlich sagen Bilder ja mehr als tausend Worte.


Die Sagrada Familia: a never ending story


Barcelona ist geprägt von Gaudi







Nach den letzten Tagen in Barcelona und der Rückreise auf der Fähre nach Genua gingen wir drei ab ca. Mailand wieder getrennte Wege. Während ich von Mailand aus direkt entlang der Autobahnen zurück nach Baden fuhr, hatten Alex und Thomas noch einen kleinen gemeinsamen Wegabschnitt vor sich, bevor Thomas dann über den Brenner wieder zurück nach Salzbug fuhr und Alex über Kärnten nach Wien.

Was bleibt da noch zu sagen: der Tripp war super lässig. Die Touren für Motorradfahrer im ADAC Guide für die Pyrenäen sind der Hammer und jedem zu empfehlen, der einfach schöne Bergstraßen liebt. Auch haben die Länder viel zu bieten, was das Kulinarische oder aber auch das Kulturelle betrifft. Dennoch habe ich vor allem auf den Pässen eigentlich immer ein lachendes und ein weinendes Auge gehabt. Nicht  zu ungern hätte ich auf dem ein oder anderen Pass Motorradjacke und Stiefel gegen Steigeisen und Pickel getauscht. Hochtouren oder Klettertouren sind in der Region sicher ebenfalls so schön. Aber das kommt dann beim Nächsten Besuch.

PS: der Rest von den Fotos ist auf Flickr zu finden: Motorradtour Pyrenäen

PPS: wie immer: wer Rechtschreibfehler oder sonstiges findet, darf sie behalten!


So long,
Harald