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Donnerstag, 17. April 2014

#1 - Breithorn - 4.164m

Facts
Gipfel / Höhe Breithorn / 4.164m
Am Gipfel am Do, 17.04.2014, ca. 18:30 am Abend
Land / Region CH / Walliser Alpen
Art und Schwierigkeit Skihochtour, F+, 35°
Höhenmeter ca. 450Hm↑ - ca. 450Hm↓
Tourenpartner Huba
Route Normalroute über die Südwestflanke
Bergstation Klein Matterhorn (3.820m) - leicht abfahren zur Skipiste - von dort Querung über das Breithornplateau in Richtung Breithorn Zentralgipfel - vor dem Anstieg den Gipfelhang querend nach Südwesten und zum westlichen Breithorn-Gipfel, 4.164m

Es war Anfang April als ich die Nachricht vom ÖAV erhalten habe, dass meine geplante Tour leider nicht zustande kommt, weil sich dafür zu wenige Leute angemeldet hatten. Somit fing sich mein Plan der ersten acht bis neun 4000er an in Luft aufzulösen. Da es aber auch noch andere Leute gab die davon mehr oder weniger betroffen waren, habe ich kurzerhand entschlossen einen Teil der geplanten Tour selbst durchzuführen.

Geplant war eine Anreise nach Zermatt am Gründonnerstag und die Auffahrt zum Klein Matterhorn. Von dort als Eingehtour das Breithorn - im Optimalfall den Westgipfel und die Überschreitung zum Zentralgipfel. An den folgenden Tagen wären dann die Besteigungen der Schwarzfluh (Roccia Nera), des Pollux und Castors geplant gewesen. Der Plan war am Freitag Morgen Roccia Nera zu ersteigen und von dort zum Schwarztor abzufahren von dem aus man dann den Pollux über die Westflanke besteigt. Nach dem Gipfel die Abfahrt zum Rifugio d'Ayas auf der italienischen Seite des Monte Rosa Gebietes. Eine Nacht dort und dann auf den Castor und von dort über den Schwärzegletscher in Richtung Zermatt abfahren. Wer will nicht einmal von knapp 4250m bis auf 1600m abfahren?

Geplant war also alles soweit ganz gut. Nur spielte das Wetter soweit nicht ganz mit. Die Woche davor war ein extrem stabiles Hoch über dem gesamten Gebiet aber da hatte ich keine Zeit. Und laut Wetterbericht war ein Wetterumschwung angekündigt. Nur wann genau dieser sein würde wusste niemand so genau. Die Wetterdienste lieferten kaum ein eindeutiges Ergebnis. Manche sagten kaum Niederschlag voraus, höchstens Bewölkung. Manche knapp 70cm Neuschnee. Die einen schon für Donnerstag, die anderen erst für Samstag Abend.

Gemeinsam mit Huba (mein "Leidensgenosse" der abgesagten Tour) brach ich dann am Donnerstag schon recht früh auf, um zumindest noch am Donnerstag und Freitag das Schönwetter zu nutzen. Die Notlösung hieß nun Donnerstag Breithorn West + Zentralgipfel und Übernachtung am Klein Matterhorn. Freitag je nach Wetterlage Roccia Nera + eventuell Abfahrt zum Rifugio d'Ayas und dann Samstag Aufstieg auf den Pollux und Abfahrt.

Doch wie immer im Leben gibt es Dinge die einfach nicht nach Plan laufen - und schon gar nicht hält sich das Wetter in 4000m Höher an einen Plan. Leider muss man sagen. 

Breithorn Westgipfel - ein Aufstieg mit "Aha" Effekt

In Zermatt angekommen gings für uns sofort los in Richtung Klein Matterhorn, um von dort aus noch den schönen Nachmittag zu nutzen um die Breithorngipfel zu besteigen. Es war Donnerstag um ca. 15 Uhr und das Wetter war außerordentlich gut. Strahlender Sonnenschein und keine Wolke am Himmel. Wir fuhren also schnell zur Bergstation des Klein Matterhorns auf und lieferten dort unser Zeugs schnell in der Unterkunft ab, wo wir von Donnerstag auf Freitag schliefen. Nach kurzer Aussortierung des Materials was wir nicht brauchten (zB die Schlafsäcke usw.) machten wir uns um ca. 16:15 auf den Weg zum Breithon.

Über das Plateau ging es noch recht schnell voran - trotz der Höhe von 3.900m. Doch der Aufstieg erwies sich dann nicht so leicht wie gedacht, zumindest in diesem speziellen Falle. Da ich von uns beiden derjenige mit der Karte und dem "Weg im Kopf" war, ging ich voraus und suchte jeweils die beste Aufstiegsspur. Auf ca. 4000m fing die Spur an sehr harschig bzw. eisig zu werden und ich entschloss mich stehenzubleiben und die Harscheisen zu montieren. Auf einer normalen Skitour wäre ich wohl so weitergegangen, aber dort ist die Flanke des Breithorns doch 35° steil und ein Ausrutscher ist zwar nicht lebensgefährlich, aber kann blöd enden, vor allem weil die Schneeoberfläche sehr hart gepresster und eisiger Schnee war. Man würde einfach dahinrutschen und am Plateu unten wieder stehen bleiben. 300 Höhenmeter darunter. Das muss nicht sein. Ich legte also den Rucksack ab und kramte meine Harscheisen hervor. Als ich nun zu Huba sagt er solle auch seine Harscheisen montieren kam eine etwas unerwartete Antwort: "ich hab keine". 

Tja, ein Fakt, der nicht mehr zu ändern ist. Wo bekommt man auf 4000m auch schnell mal Harscheisen her? Hier will ich auch nicht Huba die Schuld für irgendetwas geben. Vielleicht waren meine Angaben zur Ausrüstung auch unzureichend. Vielleicht hätte ich neben "Skitourenausrüstung + Hochtourenausrüstung" auch explizit erwähnen sollen, das Harscheisen dazugehören. Ich weiß es nicht. 
Das lies sich ja jetzt eh nicht mehr ändern und wir hatten ja zum Glück gutes Wetter, Sonnenschein und angenehme -5°C. Ich hätte ja schnell mit den Skiern weitergehen können. Huba aber nicht. Die Spur war sehr eisig und er rutschte laufend weg. Ich entschied also dass wir von Ski auf Steigeisen umsattelten. Es waren ja nur noch 150Hm bis zum Gipfel und die Flanke war gut begehbar und trittfest. Ein Vorankommen mit Steigeisen und Pickel war also auch recht schnell, kostete aber nur viel Kraft, weil ja die Ski usw am Rucksack montiert werden mussten.

Und wenn du denkst das war alles ...

... dann holt dich die Realität schneller ein als gedacht. 150Hm mit Steigeisen und Pickel sind bald geschafft. Auf dieser Höhe ohne Akklimatisation vielleicht in 30 Minuten, vielleicht auch schneller. Ich fing also an meine Steigeisen zu montieren und als ich nach wenigen Minuten damit fertig war warf ich einen Blick auf Huba, der ca. 20 Meter hinter mir die Steigeisen vor sich liegen hatte und an ihnen herumfummelte. Er hatte sie dabei, was gut war. Aber er hatte neue Skitourenschuhe und vergessen die Steigeisen zuhause auf diese anzupassen. Ich ging also zu ihm und half ihm die Steigeisen anzupassen, was uns dann aber ca. 30 Minuten kostete. Langsam wurde es auch schon später. Es war schon 18 Uhr. Die Tour ist ca. mit 1,5h veranschlagt. Ich dachte also dass wir locker um 18 Uhr am Gipfel stehen würden und in weiteren 45 Minuten die Überschreitung zum Zentralgipfel machen würden. Jetzt standen wir noch immer 150 Hm darunter und montierten Steigeisen. 

Als dies endlich geschafft war stiegen wir dann doch noch recht rasch und zügig auf. Alles in allem hat uns aber der gesamte Aufstieg dann ca. 2:30h gekostet - eine Stunde zu viel. Auch wenn es noch sehr verlockend gewesen ist dennoch den Grat zu überschreiten und vom Zentralgipfel abzufahren entschied ich umzudrehen und vom Westgipfel direkt abzufahren. Eine Abfahrt vom Zentralgipfel wäre mit einem Gegenanstieg verbunden gewesen. Außerdem war der Grat vereist und Huba hätte wieder nur mit Steigeisen gehen können, was deutlich langsamer ist als mit Skiern.

Nach einigen Fotos am Gipfel und dem Genuss der Aussicht auf die Dufourspitze - den höchsten Berg der Schweiz - und sehr viele andere 4000er zogen wir die Felle ab und fingen an abzufahren. Anfangs fuhr ich voraus. Wie schon erwähnt, es war harter, windgepresster Schnee, teils Firn, teils Eis. Gletscher eben. Ich kam damit ganz gut klar. War beinahe wie auf einer harten Piste muss ich sagen. Huba aber hatte so seine Probleme. Ich lies ihn also vorausfahren damit ich wenigstens zu ihm aufschließen konnte, wenn er stürzen sollte. Und so geschah es dann auch. Ca. 300Hm unter dem Gipfel stürzte er und verlor dabei noch einen Ski, der dann der Schwerkraft folgend seinen Weg nach unten suchte. Ich fuhr dann schnell an Huba vorbei um den Ski aufzuhalten. Nachdem dann die Skier wieder in der ordnungsgemäßen Position montiert waren gings dann aber doch noch sicher runter und in Richtung Bergstation, wo unsere Unterkunft auf uns wartete.

Schlafen auf 3.800 Meter will gelernt sein

Die Höhe machte sich dann am Abend schon deutlich bemerkbar. Baden liegt auf knapp 500m. Ich stieg also an einem Tag 3.700m auf und schlief dann die Nacht über 3.300m höher als normal. Obwohl ich mich dazu zwang etwas zu essen und vor allem zu trinken ging das nicht so recht. Man hat einfach das Gefühl es kommt gleich wieder hoch. Es ist enorm was der Körper leisten muss, wenn er in so kurzer Zeit so viel an Höhe gewinnt und so viel weniger Sauerstoff vorfindet. Langsam aber sicher ging es dann aber wieder und ich konnte zumindest mal essen und trinken und dabei einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Matterhorn ansehen. Ein Traum kann ich nur sagen.

Die Nacht war dann beinahe wie erwartet. Obwohl ich sehr müde war konnte ich kaum bzw. nur sehr schlecht schlafen. Die Höhe setzt einem einfach wirklich zu. Da es vom Wetter her auch noch für Freitag gut aussah entschlossen wir uns um sieben aufzustehen um dann nach einem Frühstück auf den Großen Gendarmen (einen der beiden Breithornzwillinge) zu gehen und von dort auf die Roccia Nera zu queren. Für Samstag lies das Wetter nichts mehr Gutes offen, also änderten wir den Plan so ab und schlugen uns Pollux und Castor gleich aus dem Kopf. Laut Einheimischen sollte Roccia Nera und der Gendarm noch locker machbar sein bevor die Schlechtwetterfront eintrifft. 

Roccia Nera: ein Versuch - und eine gute Entscheidung es dabei zu belassen

Nach der doch recht schlechten Nacht tat das Frühstück und der Tee am Morgen gut. Ich hatte endlich wieder Appetit und konnte genügend essen und trinken - hab mich also langsam an die Höhe gewöhnt. Wir brachen dann so schnell wie möglich auf in Richtung Roccia Nera. Ich kam über das Breithornplateau wieder recht schnell voran, eigentlich schneller als am Vortag. Ich hatte mehr Energie und war nicht nur mit atmen beschäftigt. Huba aber hing weit hinterher. Von der Abzweigung zum Westgipfel des Breithorns am Plateau ging es dann leicht fallend ca. 100 Hm runter in eine Senke. Die Spur war wieder recht eisig. Hätte Huba am Vortag nicht Probleme bei der Abfahrt gehabt hätte ich vorgeschlagen abzufellen und die lange Querung in die Senke mit den Skiern zu fahren. Da er aber etwas unsicher war und rechts unter uns die ersten Gletscherspalten waren entschied ich dies nicht zu tun, sondern die Querung mit Steigeisen zu machen - am Seil. 

Wir querten also und stiegen am anderen Ende der Senke wieder auf. Da wir schon vorher gesehen hatten dass es nach der Senke sowieso besser war nur noch mit Steigeisen zu gehen da die Spur wieder sehr harschig war, ließen wir die Skier gleich zurück. Wiederum wäre es hier von Vorteil gewesen Harscheisen zu haben. Die Querung wäre schnell gegangen, die Abfahrt in die Senke rasch, und der Aufstieg dann mit Harscheisen wäre bis zum Gipfel möglich gewesen. Tja, wir aber stapften mit Steigeisen durch die Gegend was uns einfach Zeit kostete. Zeit, die wir langsam nicht mehr hatten, denn es zog viel schneller zu als gedacht. Schon um 9 war es sehr dunkel und es begann leicht zu schneien. Kurz darauf drückten die Wolken über den Breithorngrat herein und es wurde zunehmender neblig. Ich entschied dann also knapp 150Hm unter dem Gipfel umzudrehen und zurück zur Bergstation zu gehen.

Dies war auch eine gute Entscheidung. Auch andere Seilschaften die zum Pollux unterwegs waren taten das selbe, und das, obwohl sie schon in der Gipfelflanke waren. Die Querung zurück war mir einfach bei Nebel zu heikel, vor allem weil man anfangs durch leichtes Spaltengelände geht und dann über ein Plateau quert, dass sehr groß ist. Ich hatte zwar den Kompass dabei, wollte es aber nicht darauf ankommen lassen. Wir querten dann also zurück zur Station und fuhren dann von dort Richtung Zermatt ab.


Und was lernen wir daraus?

Erstens: check your equipment! Man kann viel Zeit verlieren wenn man einfach nicht das richtige Material dabei hat, was in dem Falle sogar nur wenige 100g wiegt. Zweitens: das Wetter spielt oft gegen einen. Besser ist es dann wohl nachzugeben als zu versuchen den Stärkeren zu spielen. Man vierliert wohl so oder so. 
Ich persönlich denke dass es eine gute Entscheidung war umzudrehen. Auch wenn es zum Gipfel nicht mehr weit war und wir es wohl  auch geschafft hätten, es wäre ein Riskio gewesen. Vor allem weil ich auch Huba nicht kannte und nicht wusste, wie trittsicher er im Spaltengelände ist bzw. ob er mich im Falle eines Sturzes auch aus einer wieder rausholen kann. Es waren mir persönlich zu viele Unsicherheiten.

Dennoch: ein 4000er, wenn auch ein einfacher, ist auf meiner Liste. Ich habe Erfahrungen gesammelt die ich sonst nicht gemacht hätte und vor allem viel gelernt wenn es um Ausrüstungskontrolle geht bzw. auch Kartennavigation und Navigation mit Kompass. Dinge, die mir vielleicht früher oder später helfen. Und auch wenn es nun nichts wird mit meinem Projekt dieses Jahr 14 der 4000er zu besteigen: sie sind noch länger da und warten auch noch nächstes Jahr darauf mit Skiern bestiegen zu werden. Oder vielleicht gehen sich ja heuer noch ein paar aus, mit oder ohne Skier.

Unten noch die Fotos zur Geschichte ...

So long,
Harald


Materialschlacht: im roten Beutel links vom Seil meine Harscheisen. Ein Gegenstand der klein aber fein ist, wenn man ihn dabei hat.
Auffahrt zur Station Klein Matterhorn und der Ausblick auf den "großen" Bruder.
Das Breithornplateau: auch wenn es hier vielleicht klein aussieht, das Ding ist groß und man geht noch ein Stückchen bis man zum Aufstieg ansetzen kann. Das Wetter ist aber noch sehr gut.
Am Gipfelgrat des Breithorns. Dem Grat folgend der Zentralgipfel. Links hinten Nordend (4.606m) und Dufourspitze (4.634m). Rechts vom Grat kurz zu sehen Roccia Nera (Schwarzfluh) sowie Pollux und Castor. Sieht so nahe aus, ist aber weit entfernt.
Ausblick auf meine geplanten Sommertouren: (v.r.n.l.) Strahlhorn, Rimpfischhorn, Täschhorn, Dom, dahinter noch klein zu sehen das Stecknadelhorn und das Hohberghorn.

Manner goes 4000+: Mannerschnitten als Energielieferant!

Am Gipfelgrat. Volles Equipment im/am Rucksack.

Sonnenuntergang: rechts das Matterhorn.

Der Morgen: es sieht noch gut aus um sieben. Roccia Nera, Pollux und Castor in voller Pracht sind noch gut sichtbar.

Es fängt an zu schneien und es zieht zu. Hier kurz vor der Abfahrt in die Senke. Dahinter sieht man sogar ein bisschen die Aufstiegspur zum Gendarmen und Roccia Nera (die zwei linken Gipfel im Bild)

Sicherheitshalber: solange ich noch Sichtkontakt mit dem Matterhorn hatte (was genau in Marschrichtung lag) hielt ich dies am Kompass mal fest.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Noch weiter in den Norden: Kiruna

Hej hej,

nach einem schönen Weihnachtsfest im Kreise der Freunde hier am Campus mit gutem Essen und Getränken ging es am 25ten Dezember auf nach Stockholm, womit unser Trip nach Kiruna startete.

Das Team:
Gemeinsam mit 8 Kollegen ging es auf in den wirklich hohen Norden, um dort absolute Kälte, Polarnächte und Nordlichter zu erleben.
Mit Lukas, dem Organisator der Runde, Niels, Georg, Mathijs, Hannah, Christina, Franz-Josef und Sjoerd ging es auf eine unvergessliche Reise, die vor allem geprägt von Schnee und Kälte war.

Der erste Tag
Nach der Anreise am 25ten nach Stockholm ging es am 26ten von Stockholm per Flieger nach Kiruna. Der Flug dauerte angenehme 1,5 Stunden und verging "wie im Flug". Alle waren gespannt auf das, was uns in Kiruna erwarten würde. Niemand hatte zuvor Nordlichter gesehen und jeder betrachtete also zuerst beim Aussteigen aus dem Flieger einmal den Himmel. Doch war es am ersten Abend bewölkt: somit keine Chancen auf Nordlichter.
Nachdem wir uns in die Stadt verirrt hatten und dort unsere Unterkunft aufsuchten, liesen wir den ersten Abend bei einem netten Essen und einer (oder waren es doch mehrere) Runden Kings-Cup ausklingen. Dem einzigen dem das nicht so gefiel war der Inhaber des Hostels am nächsten Tag. Er klagte über die zwei oder drei Bierdosen, die noch in der Küche standen :-p.

Kiruna-Airport
Uns war warm am ersten Abend :)

Der zweite Tag
Der Tag hat angenehm mit einem Frühstück begonnen, nachdem wir unsere Küche erst mal wieder "elektrifizieren" mussten. Der Hostel-Inhaber wollte uns eine Lehre erteilen und hat die Sicherungen rausgedreht, nachdem wir ein paar Bierdosen am Tisch gelassen hatten (*hust hust*).
Nach dem ausgewogenen Frühstück und einer Dusche gings dann ab, um die "Stadt" Kiruna zu erkunden. Mit ca. 20.000 Einwohnern ist die Stadt doch relativ groß. Hauptsächlich geprägt von der Eisenmine und dem Bergbau im Allgemeinen hat die Stadt sonst aber nicht viel zu bieten. Neben einem schönen Gemeindehaus und der wunderschönen lappischen Kirche gibts nicht viel zu erkunden.

Aussicht Richtung Norwegen mit den Bergen an der Grenze im Hintergrund
Gemeindehaus von innen
Holzfiguren
Lappische Kirche
Glockenturm
Kirche von innen
Nach dem Rundgang in der Stadt gings mit dem Bus zum Eishotel. Eine Location, wo man einfach gewesen sein muss, wenn man im hohen Norden ist. Das Eishotel ist nun fertig gebaut (es war noch nicht fertig kurz vor Weihnachten). Gebaut nur aus Eis und Schnee stellen hier Künstler ihre Arbeiten zur Schau. In diesem Falle sind die einzelnen Zimmer (ja, man kann hier auch schlafen) immer in einem bestimmten Thema gestalltet. Ein Übernachtung im -5 Grad kalten Hotel kostet auch nur läppische 200 Euro aufwärts, je nachdem, wo man logiert.

ICEHOTEL, we are coming
Eingangshalle: die Säulen aus Eis


Eingangshalle
"Retro Drive" Zimmer
Sieht zumindest kuschlig und warm aus

"Sphere"
was fürs Auge
Die Kirche im Hotel
Eine andre Art von Bilderrahmen

Nachdem uns ja doch allen recht kalt war nach dem Aufenthalt im Eishotel (obwohl es drinnen warm war), gabs mal ein nettes Aufwärmgetränk bevor wir am Abend zur ersten Snowmobile-Tour aufgebrochen sind. Gemeinsam mit einigen anderen Touristen sind wir abends von Kiruna weg mit den Schneemobile mitten in die Wildnis gefahren, um dann dort in einer Holzhütte ein typisch lappisches Essen zu genießen. Rentiereintopf.

Die Tour selbst war recht schön und führte duch tief verschneite Wälder. Einzig und allein der Fakt, dass wir so viele waren bremste uns. Dadurch das auch Kinder dabei waren, konnten wir nicht so schnell fahren. Und zu guter Letzt verdarb uns dann noch ein Spanier mit dünnen FINGERHANDSCHUHEN den Spaß. Da er seine Finger nicht mehr spüren konnte (warum wohl??) drehten wir nach dem Essen um und fuhren zurück ins Camp.

Doch etwas entäuscht davon beschwerten wir uns dann bei der Tour-Leiterin, bekamen dafür dann die Thermosocken gratis zum mitnehmen, was aber auch nicht wirklich ein Trost war. Wir verbrachten also einen Abend am Schneemobil bei -30 Grad und mehr, sahen aber auch keine Nordlichter (bzw nur ganz ganz schwach)

Mehr oder weniger müde gings dann heim, eine letzte Runde Kings-Cup, und dann ins Bett.

Bei -30 Grad ziehen sich sogar Schweden was an :)
Es wurde aber trotzdem warm: Abkühlung im Schnee
Lukas und Hannah am Snowmobile


Der dritte Tag
Der dritte Tag startete recht spät, da wir wussten, das unsere gebuchte Minentour erst am Abend stattfinden sollte. Gegen Mitte des Tages bekam dann Lukas doch den Anruf, das die Tour abgesagt wurde, da wir zu wenig Leute sind. Wir entschieden uns dann deshalb, eine kleine Tour zum Aussichtshügel zu machen, auf dem es auch eine Skipiste gibt. Am Weg dort hin konnte ich es mir dann aber nicht nehmen lassen, in Kiruna noch kurz klettern zu gehen. ;-)

Klettern in Kiruna, weiter nördlich war ich noch nie ;-)
Nette Zeichnung
Christina, im Hintergrund die Mine von Kiruna
Unsere kleine Reisegruppe
Die Mine von Kiruna: die größte Mine der Welt
Anfangs waren wir etwas niedergeschlagen, dass wir die Minentour nicht machen konnten, da es sich um die größte Mine der Welt handelt. Es wäre doch interessant gewesen, die Mine zu besuchen und bis auf 540 Meter hinunterzusteigen (derzeit sind die dort schon auf einem Level von 1,25km unter Tag). Im Endeffekt stellte sich dies aber als die beste Entscheidung überhaupt heraus. Genau zu der Zeit, wo wir in der Mine, also hunderte Meter unter Tag, gewesen wären, sahen wir die schönsten Nordlichter. Schon als wir von unserer Tour-Leiterin abgeholt wurden an dem Abend, begann das Schauspiel. Als wir dann an unserem Haus waren, welches wir für diesen Abend gemietet hatten, war das Wunderwerk voll im gange.

Nordlichter am ganzen Himmel

Während wir den wunderschönen Nordlichtern beim Spielen am Himmel zusahen, entschlossen wir uns den Surströming zu essen. Eine schwedische Spezialität (mehr oder weniger). Übersetzt bedeutet das "saurer Hering". Es ist im Prinzip Gammelfisch. Hering der zuerst eingesalzen wird und dann in einer speziellen Sauce in der Dose an Sonnenlicht dahinrottet. Alleine beim Öffnen der Dose wurde uns allen schlecht, doch wir blieben hart und zogen das Ganze noch durch. Es wurden Sandwiches mit Sourcream und Zwiebel vorbereitet, auf denen dann der Surströming zum Liegen kam. Auf 1, 2, 3 nahm jeder einen großen Bissen und fing an zu kauen. Die Harten schluckten es sogar runter, andere spuckten alles gleich wieder aus. Der Geschmack topt den Gestank noch ca. um das hundertfache. Aber: wir haben es versucht.

Surströming so wie er aus der Dose kommt

Der erste Versuch

Nach einem versautem Sandwich mit Surströming ging es später richtig ans Kochen. Mathijs und F-J zauberten eine brilliante Pasta und gemeinsam am großen Tisch in unserem eigenen Haus für diese Nacht gab es dann ein super Abendessen.

Abgeschlossen wurde der Abend bei einem Bier vor dem Fernseher und dem offenen Kaminfeuer bevor wir dann über den zugefrorenen See zum Hauptcamp gingen, um dort die Sauna anzufeuern und uns anschließend im eiskalten See abzukühlen. Das Aufwärmen der Sauna dauerte jedoch einige Zeit, da diese für ungefähr 20 Leute gebaut war - also recht groß. Wir vertrieben uns aber die Zeit mit einigen Runden Kings-Cup, was für Spaß und Kurzweile sorgte.
Der Saunagang selbst war auch mal was besonderes. Wann hat man schon die Möglichkeit den Boden in der Sauna zu öffnen, eine dünne Eisschicht zu durchschlagen und dann in den darunterliegenden See zu springen. Die Sauna ist direkt am See gebaut (natürlich auf Pfählen) und im Winter haut man dort einfach ein Loch in den zugefrohrenen See, um reinspringen zu können. Auch wenn die Überwindung anfangs groß war, die Abkühlung war hervorragend.

Zurück gings dann wieder über den See, für einige von uns sogar mit Langlaufskiern. Zu dieser Zeit waren die Nordlichter aber schon fast wieder weg. Werden wohl auch genug vom Gestank des Surströmings gehabt haben.

Der letzte Tag
Nachdem unsere erste Tour mit den Schneemobilen ja etwas fad war, entschieden wir uns beim Camp Alta zu fragen, ob man denn  nicht noch eine Tour machen könnte, die dann aber etwas flotter gemacht werden würde. Kurz darauf erhielten wir auch schon die Antwort: nächster Morgen, 9:30 Pick-Up und dann 38 km über zugefrorene Seen entlang zum Eishotel und zurück. Klang vielversprechend und wir alle freuten uns.
Doch nach der Sauna am Vorabend bekamen wir eine SMS, dass die Tour gecancelt werden musste, weil einer der Guides ausgefallen sei. Also hatten wir eine etwas längere Nacht, wir mussten ja auch das Bier aufbrauchen.
Morgens um 7:45 erhielt Lukas dann einen Anruf, dass die Tour doch stattfinden konnte, aber so gegen 10:30. Alle von uns (verkatert) freuten sich aber riesig und wir sagten zu.

Wir wurden also abgeholt nachdem wir das Haus geputzt hatten und ich den Müll in den Mülleimer geworfen hatte, wo vorabends der Surströming drinnen landete. Ich entschied mich dann aber doch dazu, nicht dort auch reinzukotzen und behielt das Frühstück brav im Magen.
Im Camp angekommen wurden die Schneemobile schon vorgeheizt bzw liefen warm, während wir angezogen wurden. Wie auch schon bei der letzten Tour bekamen wir übergroße Overalls, die wir über unsere Schiwäsche anzogen und zusätzliche Handschuhe und Schuhe. Man sieht zwar aus wie das Michelin-Männchen danach, aber bei 100 km/h und -25 Grad Außentemperatur zieht man das gerne an. Wichtigestes Kleidungsstück ist aber fast der Schal + die Sturmmaske. Manche von uns können da eine Geschichte erzählen was passiert, wenn Schal + Sturmhaube nicht ganz unter die Schibrille ragen.

Nach der Prozedur gings dann aber schon los: anfangs mit Startschwierigkeiten (die Dinger sind die ganze Zeit abgestorben weil es so dermaßen kalt war, und ich durfte jeden wieder per Kickstarter ankurbeln) gings dann aber doch über den ersten See, zum Aufwärmen mit nur 60 km/h.

Kurz nach dem ersten See kam eine Straße wonach es dann in den tief verschneiten Wald ging. Tief verschneite Bäume entlang vom Flussbett und einfach traumhafte Natur prägten uns. Danach kam der Fun-Part: mit ca. 100 km/h gings letzten Endes die letzten (geschätzten) 6 km entlang eines Flusses zum Eishotel. Man kann sich nicht vorstellen wie viel Spaß es macht so ein Ding über eine reine Schneefläche zu treiben, mit 100 Sachen.

Nach kurzer Aufwärmpause am Hotel ging es dann wieder retour zum Camp wo wir uns dann am Eisfischen versuchten. Fischen mag schon ein Geduldssport sein, doch Eisfischen schlägt alles. Erstens braucht man mal Ewigkeiten und noch drei Tage um ein Loch in den See gebohrt zu haben und dann sicher nochmal so lange um überhaupt mal ein Fischchen zu sehen. Da die Eisdecke am Ufer doch recht dick war (man sagte uns so um die 70cm bis einen Meter) entschieden wir uns dazu, unser Loch etwas weiter in der Mitte zu machen. Doch auch dort ist es noch 50 cm und dicker. Wir hielten also nicht lange durch und gaben es dann nach 15 cm Loch auf. Fazit: zu fad

So wie der Tag angefangen hat, so hat er dann auch geendet: mit einem wunderschönen Schauspiel am Himmel. In Kiruna ist zu dieser Zeit die Polarnacht, dh, die Sonne steigt nie über den Horizont. Es wird zwar hell und wieder dunkel, doch ist das Gefühl ganz komisch und das Licht ganz anders. Eine Art Sonnenaufgang und Untergang ist zwar erkennbar, doch verfärbt sich der Himmel ganz eigen. Farben sind einfach viel intensiver und gehen mehr ins Rot und Orange.

"Sonnenaufgang" so gegen 9 am Morgen
Unsere Raser: Hannah und Christina, mit 120 übern zugefroren See

wunderschöne verschneite Landschaften

wohin das Auge reicht Schnee

"Sonnenuntergang" überm See

Hannah versucht sich mal mit dem großen Spielzeug

das sieht schon vielversprechend aus

Wir vor dem wunderschönen Sonnenuntergang am zugefrorenen See
Nachdem wir dann noch den letzten "Sonnenuntergang" am See betrachtet hatten ging es wieder zurück in die Stadt und später zum Flughafen, wo unser Ausflug dann auch sein Ende fand. Zurück nach Stockholm und nächsten Tag weiter nach Växjö hieß es dann.

Nichts desto trotz ist dieser Kurztrip einer der schönsten und aufregensten seit langem gewesen. So viele schöne Dinge, die nicht so viele Leute sehen wie zB Polarlichter und Polarnächte konnten bewundert werden. Auch wenn es kalt dort oben ist, es ist wunderschön im Winter und auf alle Fälle einen Ausflug wert. Ich werde die Zeit dort sicher nicht so schnell vergessen.

PS: Alle Bilder von Kiruna: Kiruna

Hej då,
Harald