Auf einen Kracher folgt der nächste. So, oder so ähnlich, könnte man die zweite große Tour meiner Hochtourenwoche im Mont-Blanc Gebiet beschreiben: ein Kracher! Neben einigen anderen Graten wie zB dem Kuffner-Grat oder dem Peuterey-Grat gehört der Teufelsgrat auf Grund seiner klettertechnischen Schwierigkeiten sicher zu den "größeren" Graten im Gebiet. Mich reizte daran schon lange eben die Herausforderung am Fels, müssen doch fünf 4000er auf einer Höhe von 4000m und mehr erklettert werden.
Kurz zu den Fakten der Tour über den Teufelsgrat:
| Facts |
|---|
| Gipfel / Höhe | Aiguilles du Diable #41 - Corne du Diable (4.064m) #42 - Pointe Chaubert (4.074m) #43 - Pointe Mediane (4.097m) #44 - Pointe Carmen (4.109m) #45 - L'Isolée (4.114m)
#46 - Mont Blanc du Tacul (4.248m) |
| Am Gipfel am | Sa, 20.07.2024, ca. 13:20 Uhr. Aufbruch ca. 1:25 Uhr! (ca. 12h Geh- bzw. Kletterzeit)
|
| Land / Region | FR (Haute-Savoie) / IT (Aosta) / Mont-Blanc-Massiv |
| Art und Schwierigkeit | Hochtour, D+, bis 45°, bis 5a (V+), mit L'Isolée ca. 5c
|
| Höhenmeter | 1545 Hm↑ - ca. 1150 Hm↓
|
| Tourenpartner | Roman |
| Route | Rif. Torino - Glacier Géant - Teufelsgrat - Abstieg zur Aig. du Midi |
Die Tour ist leider schwer als Gesamtes zu fotografieren, am Besten wäre es wohl noch vom Mont Maudit aus. So musste ich die Tour von der Bahn aus fotografieren, als wir den Mont Blanc du Tacul passierten.
 |
| Man gelangt über den Glacier du Géant über ein steiles Couloir hoch zum Grat, der dann in den Col du Diable mündet (gestrichelt). Von dort aus überklettert man alle Gipfel der Kette und seilt jeweils ab. Die L'Isolée ist ein "Extragipfel", der nicht zwingend überklettert werden muss, aber als eigenständiger 4000er zählt. Danach geht es über Blockgelände und Firnhänge hoch zum Gipfel des Mont Blanc du Tacul. |
Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir doch wieder recht früh auf, um nicht zu viel Stau in der Route zu haben. Es war Samstag und somit auch viel los. Alleine vom Rif. Torino weg waren 12 Seilschaften für den Teufelsgrat eingetragen. So stapften wir alsbald los und fanden unseren Weg gut über den Gletscher. Auf Höhe des Grand Capucin trafen wir auf Seilschaften, die von der Aig. du Midi her zustiegen. Diese überholten wir aber zügig. Roman steuerte dann etwas mehr ausholend eher in Richtung Kuffner-Grat zu, bevor wir dann wieder einen Bogen zurück zum Couloir machten, welches uns zum Col du Diable bringen sollte.
Der Gletscher war ca. ab 3.400m nicht mehr sonderlich gut zu gehen. Wir brachen laufend ein und das kostete Kraft. So kamen die anderen Seilschaften wieder näher, die unserer Spur folgten. Der Zustieg zur Randkluft ging dann gut und der Einstieg war problemlos möglich. Immer leicht rechts querend hielten wir auf einen Felsriegel zu - wohl auch etwas irregeführt von den alten Spuren - und standen zum Schluss zu hoch im Fels. Dort war die Querung in das Firncouloir zu heikel, da viel Brösel auf den Felsen lag und man den Weg kaum absichern konnte. Somit stiegen wir wieder etwas ab - und auch alle anderen Seilschaften, die uns bereits gefolgt waren.
Alle warteten dann aber und ließen uns wieder voraus, waren sie denn auch um die Expertise von Roman froh, der dann den Weg einwandfrei durch den Felsteil fand. Im Couloir angekommen banden wir uns vom Seil aus und stiegen seilfrei im super Trittfirn auf den Sattel auf. Einfach schöne "Pickelei" nach oben war angesagt und deshalb machten wir auch zügig Meter. So kamen wir noch vor Sonnenaufgang am ersten Sattel an und machten dort einen Abstecher zu einem kleinen Felskopf, den wir fälschlicherweise als Corne du Diable benannten. Als wir dann aber auf 3960+m waren und es nicht mehr nach oben weiter ging, haben wir auch überrissen, dass wir noch gar nicht am Col du Diable waren.
 |
| Aufstieg im Trittfirn zum Sattel, der dann zum Col du Diable führt. |
 |
| Unser erster Gipfel: war dann doch nicht das Corne du Diable. |
Einige der Seilschaften zogen dann an uns natürlich vorbei und wir ärgerten uns etwas, aber das sollte nicht lange anhalten. Wir stiegen dann wieder ab und weiter in Richtung Col du Diable auf, wo wir kurz vor Sonnenaufgang ankamen. Alleine von dem her war das Timing recht gut, war es denn sonst zum Klettern noch zu kalt - vor allem für die Finger.
 |
| Blick zum Mont Blanc: langsam sieht man etwas ohne Stirnlampe. |
 |
| Bald ist es soweit. Es dämmert bereits. In der Mitte die Aig. Verte. |
Zwei Seilschaften seilten schon wieder vom Corne du Diable ab und eine Seilschaft war noch gerade im Aufstieg auf den Gipfel. Letztere hatte aber etwas mehr Mühe, weinte doch eine Dame im Aufstieg (Anmerkung: die waren auf ihrer Hochzeitsreise hat sie erzählt und wollten eben diese Tour machen!). Roman zog an ihr vorbei und sicherte mich nach. Ich sprintete fast nach oben, lief zum höchsten Punkt, während Roman schon wieder umbaute zum Abseilen. Zurück zum Stand und ab in den Col zurück. Da haben wir noch eine weitere Seilschaft überholt.
 |
| Roman noch auf dem Corne du Diable, kurz vor dem Abseilen. |
 |
| Jetzt bekommt der Mont Blanc sein erstes Tageslicht. Was für ein Moment! |
 |
| Endlich wärmt die Sonne - nicht nur uns, sondern vor allem den Fels. |
Vor dem Weiterweg zum Pointe Chaubert mussten wir dann lange warten. Manche schafften die Schlüsselstelle des Aufstieges nur recht mühsam und andere ließen das Corne du Diable überhaupt aus, gingen also direkt weiter. Somit stauten sich mehrere Seilschaften vor dem Einstieg. Roman hielt sich unten schon am Riss parat zum Einsteigen, musste dafür aber im Schatten stehen. Ich durfte zwar in der Sonne verweilen, aber bei mir zog es wie verrückt. So kühlten wir beide recht aus. Vor allem meine Finger, wie ich später merken sollte.
Roman wärmte sich dann auf und konnte endlich einsteigen. An der Schlüsselstelle musste er auch erstmals die Finger wärmen und die Handschuhe versorgen, denn so konnte man das kleingriffige Zeug dort nicht halten. Aber nach wenigen Zügen war er dann über den Riss hinweg und konnte an guten Schuppen weiterklettern. Schon nach wenigen Minuten konnte ich dann nachkommen, was nicht so gut lief, wie gedacht. Mir war kalt und meine Finger waren richtig steif. Ich dachte, dass ich das im Nachstieg locker und zügig klettern konnte, doch ich täuschte mich. Erstens musste ich die Express und die Schlinge aushängen und zweitens waren meine Finger einfach so kalt, dass ich kein Gespür für die Griffe hatte. Ich musste also kurz ins Seil hocken, um die Handschuhe auszuziehen und meine Finger zu wärmen. Danach ging die Stelle recht gut und wir waren über die ersten Schwierigkeiten hinweg.
 |
| Roman kurz vor der Schlüsselstelle. Er wärmt sich nochmals die Finger auf. |
 |
| Danach folgt schöne Kletterei an Schuppen und Rissen. |
 |
| Vorbei am Felsriegel sieht man dann den weiteren Verlauf der Route und ein paar der Gipfel. |
 |
| Rückblick zum Corne du Diable. Die letzten Meter hoch zum Gipfel sind einfach zu klettern und man klettert sie auch wieder ab zum Stand. |
Vom Pointe Chaubert folgt eine lange Abseilfahrt bis in den Sattel zur Pointe Mediane. Dort muss man etwas queren und macht dann Stand am unteren Ende der Verschneidungen, die hier die Schlüssellängen bilden. Da wir hier wieder im Stau standen und Zeit hatten, sattelten wir um und zogen uns die Kletterschuhe an, die wir für die L'Isolée dabei hatten. Somit konnten wir den Fels noch mehr genießen und zogen wieder an einer Seilschaft vorbei, die dort gerade einen Friend versuchte zu retten, der sich etwas zu weit im Riss verkrümelt hatte.
 |
| Blick zur Pointe Carmen (links) und der Pointe Mediane (zentral) mit der Verschneidung, die geklettert werden muss. Wir hielten uns oben eher rechts an der Kante und querten dann wieder rein. |
 |
| Rückblick zu den Abseilern vom Pointe Chaubert. |
Nach der Querung gelangt man auf einen kleinen Vorbau, der von zwei Felsabsätzen unterbrochen ist. Am oberen Ende war die Seilschaft vor uns irgendwie blockiert und es ging einfach nichts weiter. Die Seilschaften hinter uns kamen schon alle nach und fragten, ob wir Probleme hätten. Doch es lag in diesem Falle nicht an uns. Dort ließen wir einiges an Zeit liegen, bis sich das Problem endlich gelöst hatte. Roman nutzte dann die Gunst der Stunde und zog direkt an den beiden beim Abseilen vorbei - er seilte nicht in die Scharte zur Carmen ab, sondern pendelte etwas in deren Südseite hinein. Dort war zwar kein Stand, aber wir waren a) in der Sonne und b) konnten an der Kante an der anderen Seilschaft vorbeiklettern, was wir dann auch machten.
 |
| Abseilen vom Pointe Mediane in die Lücke zur Pointe Carmen. |
 |
| Kurz zog etwas Nebel auf. Links vorne der Doppelgipfel der Pointe Carmen. Rechts dahinter (mit Kletterern am Gipfel) die L'Isolée. Danach der Weiterweg hoch zum Mont Blanc du Tacul. |
 |
| Schöne Kletterei hoch zur Pointe Carmen. |
 |
| Die letzten Meter ... |
 |
| Und dann der Rückblick zur Pointe Mediane mit dem Durchschlupf zum Abseiler. |
Von der Pointe Carmen folgten dann ein paar Abseiler in die Scharte zur L'Isolée. Hier lag noch Schnee und wir hatten noch immer unsere Kletterpatschen an, was eine nicht allzugünstige Kombination darstellt. Roman hatte aber das lange Seil eingepackt und so konnten wir noch gesichert am Seil über den Schneegrat gehen, immer in die tiefen Stapfen der Vorgänger tretend. Danach hatten wir zwar kurz kalte Zehen bekommen, konnten aber sofort wieder im Fels weiterklettern und zum Einstieg der L'Isolée aufsteigen.
An diesem stärkten wir uns und ließen unsere Rucksäcke zurück. Diese waren für die Kletterei nicht notwendig, seilt man doch genau wieder zu diesem Punkt zurück ab. Zudem war es richtig befreiend die 5c Seillängen ohne den Rucksack zu klettern. Was für eine schöne Kletterei!
 |
| Rückblick zur Pointe Carmen mit der Abseilpiste. |
 |
| Blick vom Gipfel der L'Isolée zum Mont Blanc und dem oberen Teil des Kuffner-Grates auf den Mont Maudit (spitzer Gipfel rechts des Mont Blancs). |
 |
| Blick über den Glacier du Géant ins Vallée Blanche (links runter) und der Aig. Verte (links hinten) sowie der Grandes Jorasses (rechts im Bild). |
 |
| Ausblick auf den Weiterweg. Über Blockgelände hoch und dann nochmals kurz in eine steilere Firnpassage, bevor man über die Felsen aussteigt. |
Dank des 60m Seils konnten wir auch hier gemütlich abseilen und kamen mit 2x abseilen genau zurück bis zum Standplatz. Dort machten wir etwas Pause, versorgten die Kletterschuhe und wechselten nun endgültig wieder auf die Bergschuhe, folgt der Weg denn ab dort hauptsächlich dem Blockgelände bzw. später Firn und Schnee. Anfangs kamen wir noch ohne Steigeisen weiter, doch später mussten wir doch noch die Eisen auflegen, zu weich war die Spur schon geworden. Der letzte Ausstieg im Fels ging dann auch mit den Steigeisen noch gut, waren wir die Kletterei damit doch schon von der Grandes Jorasses gewohnt.
 |
| Rückblick auf die Kletterei am Teufelsgrat. Rechts die L'Isolée. In der Mitte der Pointe Carmen und dahinter versetzt der Pointe Mediane. Hinten sieht man die Nordflanke der La Tour Ronde, wo wir als Eingehtour hoch sind. |
 |
| Ausstieg hin zu den Felsen. Ab jetzt wir der Schnee tief. |
 |
| Die letzte Steilstufe hoch, bevor es vorbei am Felsklotz zum Firngrat geht. |
 |
Rückblick zum Felsklotz rechts. Der Firngrat führt dann zum Hauptgipfel des Mont Blanc du Tacul. Ab jetzt geht es erstmals nur bergab.
 | | Am Gipfel des Mont Blanc du Tacul. |
|
Wir stiegen rasch vom Gipfel ab, da oben einiges los war. In der Mulde darunter machten wir etwas Pause und verstauten unser Felszeug tief im Rucksack - dieses sollte nicht mehr zum Einsatz kommen. Zudem nahmen wir die Stöcke zur Hand, folgte doch nun ein langer und sehr weicher Abstieg im Gletscher bis zum Col du Midi. Obwohl es nun bergab ging, war es eine schweißtreibende Sache, brannte die Sonne dort gnadenlos vom Himmel.
Der Abstieg an sich ging dann sehr gut und deutlich leichter als das Jahr zuvor, als wir vom Mont Blanc bzw. Mont Maudit kamen. Es war quasi eine Autobahn ausgetreten und die Gletscherspalten waren so dick überdeckt, dass man diesbezüglich keine Angst haben musste. Richtig zügig, teilweise rutschend, ging es bergab. Lediglich der letzte Bergschrund musste rückwärts abgeklettert werden, bevor man dann flach dem Gletscher entlang rauslaufen konnte - möglichst schnell, weilte man doch unter den Seracs.
 |
| Blick zur Aig. du Midi. Dort unten mussten wir dann leider wieder gegenansteigen. |
 |
| Der Mont Blanc (links hinten), der Mont Maudit (Mitte) und der Dôme du Gouter (rechts). |
 |
| Hier reden wir dann von Gletscherbrüchen in anderen Dimensionen. |
 |
| Gewaltige Natur! Und die Autobahn lädt hier zum Genießen ein. |
 |
| Unten will man aber rasch aus der Eisschlagzone raus. |
 |
| Denn über einem hängen doch ein paar Seracs. |
 |
| Und dann wird es nochmals mühsam: Gegenanstieg zur Aig. du Midi. |
Der Gegenanstieg hatte es dann in sich. Man ist schon müde und ausgelaugt von der Tour und die Spannung ist abgefallen. Zudem brennt die Sonne vom Himmel und man ist nur am Schwitzen, sodass man gar nicht so viel trinken kann. Lediglich die Aussicht zur Aig. Verte und der Grandes Jorasses entschädigen hier die Mühen und der Gedanke, dass man dann mit der Bahn zurück zum Rif. Torino fahren kann und dabei nochmals eine traumhafte Kulisse genießen darf.
Was für eine traumhafte Woche! Die zwei großen geplanten Touren mit der Grandes Jorasses Traverse und dem Teufelsgrat waren beide möglich und abgerundet wurden diese von einer tollen Eingehtour durch die Nordwand der La Tour Ronde und der Entreves Traverse. Träume, die endlich wahr geworden sind. Nun heißt es wieder neue Träume zu finden, aber das sollte bei der Auswahl an Bergen in der Region nicht so schwer fallen.
Harald
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen