Mittwoch, 30. Juli 2025

Lagginhorn Südgrat (4.010m)

Facts
Gipfel / Höhe Lagginhorn (4.010m)
Am Gipfel amMi, 30.07.2025, ca. 09:20 Uhr. Aufbruch ca. 4:25 Uhr (ca. 5h Geh- bzw. Kletterzeit zum Gipfel, weitere 2h50min bis Kreuzboden)
Land / RegionSchweiz / Wallis
Art und SchwierigkeitHochtour, ZS, bis 3a (III)
Höhenmeter1035 Hm↑ - ca. 1780 Hm↓
TourenpartnerRoman
RouteHohsaas - Lagginjoch - Südgrat - Gipfel - Normalweg - Hohsaas

Die Nacht war kurz, obwohl wir erst spät starteten, aber ich konnte kaum schlafen. Einer im Zimmer schnarchte derartig, dass manch andere sogar schon ausziehen wollten. Wir haben dann den Schnarcher geweckt und ruhig geschafft. Dennoch war die Nacht dann dahin. Zu lange hatte ich wohl am Tag davor geschlafen. Zudem kam noch die Höhe, startete ich doch direkt im Wallis wieder von 3200m weg. Und auf dieser Höhe zu schlafen nach 10 Tagen im Tal ist hart.

Das Frühstück war erstaunlich gut und vielseitig. Aber man ist ja auch nicht auf einer SAC Hütte sondern einem bewarteten Bergrestaurant, welches direkt neben der Bahn liegt und somit alles günstig anschaffen kann. So konnten wir uns gut stärken und abmarschbereit machen, bevor wir dann in den Nebel starteten.

Wir nahmen den unteren Zustiegsweg, stiegen also wieder etwas von der Hütte ab um dann über den Gletscher in direkter Linie aufzusteigen zum Lagginjoch, welches schnell erreicht war - zu schnell eigentlich, wollten wir doch hier erst bei Tagesanbruch stehen. Die Entscheidung vom Vortag, den Südgrat auf das Lagginhorn zu gehen überdachten wir noch kurz einmal, als wir im ersten Tageslicht den Nordgrat des Weissmies sahen. Doch schon bald war klar: das wird nichts werden. Viel Schnee, viel zu windig, viel zu kalt, eine volle Winterbegehung. 

So stiegen wir dann in den Südgrat ein. Angeseilt ging es immer im lockeren Blockgelände hoch, alles am laufenden Seil. Ostseitig war es fast wohlig warm, denn dort war man vor dem zügigen Westwind geschützt. Und so warteten wir auch ostseitig auf den Sonnenaufgang, etwas geschützt. Und die Sonnenstrahlen taten gut und wärmten schön. 

Mehr oder weniger alles am Grat kletternd, wenig in die Flanken ausweichend, gelangten wir rasch nach oben und standen schon bald vor den ersten Gendarmen, welche entweder kurz überklettert oder umklettert werden mussten - jedoch alle nicht schwierig. Nicht nur die Gendarmen nahmen nach oben hin zu, auch der Schnee und der Anraum. Vor allem letzterer machte uns teilweise etwas Mühen, mussten wir diesen doch zuerst abschlagen oder mühsam abtreten, um überhaupt irgendwo steigen oder greifen zu können.

Fast am höchsten Punkt des Grates folgten dann ein paar kleine Abseiler und dann etwas die Wegsuche. Es hatte viel frisch eingeblasenen Schnee in den Flanken, der extrem locker war und ungünstig zu begehen. Wir mussten immer etwas vorsichtig gehen, wussten wir doch nicht, was unter dem Schnee war. Teilweise spurte Roman, teilweise ging ich voran, um den Weg zu suchen. 

Nach nicht ganz fünf Stunden standen wir dann am Gipfel. Noch immer unter der Führerzeit für diesen Grat, obwohl wir ihn bei winterlichen Bedingungen begingen. Also dürfte ich gar nicht so arg geschnauft haben hier hoch.

Den Abstieg machten wir seilfrei. Im oberen Teil des Normalweges war guter Trittfirn drinnen und eine super Spur. So konnten wir die ersten 300 Höhenmeter zügig ablaufen. Im anschließenden Blockgelände nahm langsam der Fels überhand und so legten wir die Steigeisen ab. Auf den glatten Platten danach war es ohnehin besser mit der Profilsohle der Schuhe zu gehen wie mit Steigeisen. Zügig kamen wir weiter ab und standen schon bald am Fuße des WSW-Grates und somit am Wanderweg.

Bei den Weissmieshütten unterhielten wir uns kurz mit Kollegen von Roman und setzten dann den Weg zur Kreuzboden-Bahn fort, wo wir dann gemütlich ins Tal schwebten, zu Ovomaltine und Saaser-Nusstorte.

Harald


"Do kummt di Sunn" - Immer ein schöner "wärmender" Moment.

Noch mit steifen Knochen geht es los im Blockgelände.


Von höher oben: ein Blick zum Nordgrat aufs Weissmies. Auch etwas winterlich dort.

Viel Anraum, vor allem nach oben hin.

Sehr schöne Kletterei über die letzten kleineren Gendarmen.

Und die Sonne drückt nun immer mehr.

Und taucht das Monte-Rosa und Mischabel-Massiv in ein schönes Licht.

Viel "Kraxelei" liegt noch vor uns.

Hier an der Schlüsselstelle: ein kurzer Riss, der nach rechts zieht. Wenige Züge, und man ist vorbei.

Einer der letzten großen Gendarmen.

Nun folgen wir dem Grat fast immer oben.

Bis wir durch viel Anraum doch etwas ausweichen müssen.

Aber eine sehr schöne und ausdauernde Kraxelei.

Blick zurück: schon einiges am Grat gemacht.

Ab und zu suchen wir dann vor dem Wind Schutz, so wie hier, kurz vor dem Gipfel.

Am Gipfel war dann großer Andrang. Am Normalweg waren viele Leute unterwegs. Manche davon wollten auch den Grat klettern, stiegen dann aber um.

Blick zurück zum oberen Teil des Normalweges. Die angenehme Firnspur machte uns den Abstieg leicht.

Freitag, 18. Juli 2025

Zinalrothorn (4.222m)

 Kurz zu den Fakten der Tour auf das Zinalrothorn:

Facts
Gipfel / Höhe Zinalrothorn (4.221m)
Am Gipfel amFr, 18.07.2025, ca. 09:00 Uhr. Aufbruch ca. 04:00 Uhr (ca. 5h Geh- bzw. Kletterzeit)
Land / RegionSchweiz / Wallis
Art und SchwierigkeitHochtour, ZS, bis 30°, bis III
Höhenmeter1.020 Hm↑↓
TourenpartnerHubi
RouteRothornhütte - Normalweg

Das war die 70er Geburtstagstour für Hubi,  die wir zusammen bei gutem Wetter und recht guten Bedingungen machen durften. Der Aufstieg unten war hervorragend noch im Altschnee machbar bzw. der Gletscher war gut firnbedeckt. Die zwei Schneefelder im Aufstieg waren noch beide groß und somit gut zu gehen. Der Gletscherteil oben rauf war hervorragend hart und somit zügig zu gehen. 

Aufstieg in die Gabel hatte genug Trittschnee, um schnell voranzukommen und dass der Steinschlag von Seilschaften davor gering war. Ab der Gabel zog dann der Wind an und es wurde kalt. Von den Tagen davor gab es über die Binerplatte einiges an Anraum, aber mit Steigeisen war alles gut zu klettern. Die Schlüsselpassage bildeten fast die Felsrippen nach der Platte bzw. die Kanzel zum Schluss.

Hubi meisterte aber alle Passagen hervorragend und so standen wir als zweite Seilschaft nach knapp 5 Stunden am Gipfel. Bis auf eine letzte Bergführerseilschaft haben wir alle anderen eingeholt und überholt, auch weil die Routenfindung um die Kanzel auf der rechten Seite herum nicht jedem bekannt war. Dort haben wir so einige Seilschaften stehen lassen.

Alles in allem eine schöne und gelungene Tour mit tollen Tiefblicken und schönen Erlebnissen.

Harald

Es wird langsam Tag. Das Matterhorn und das Obergabelhorn im Profil.

Mit dem Monte Rosa im Hintergrund.

Ganz speziell: die Dent Blanche glühlt.

Der weitere Aufstieg in die Gabel. Man folgt im Prinzip dem Kamin, der mit Schnee gefüllt in die Scharte führt.

Rückblick vom ersten Schlingenstand nach der Gabel in diese. Dort haben wir auch noch einige Seilschaften überholt. Hubi kletterte wie ein junger Steinbock.

Hubi kurz nach Durchschlupf, der zum Stand vor der Binerplatte führt.

Der Grat oben nach den Felsrippen war schneebedeckt.

Luftige Kletterei.

Die letzten Meter hoch zum Gipfel.

Starke Leistung zum 70er!

Rückblick zum Gipfel mit dem Blick zum Weisshorn rechts.

Und auf die andere Seite zum Matterhorn.

Rückblick in die Rinne. Jetzt wurde es schon weich und der Steinschlag hat begonnen. Zum Glück sind wir schon durch.

Eine verdiente Pause nachdem wir aus den Hauptschwierigkeiten draußen waren.


Samstag, 20. Juli 2024

#41 - #46 - Teufelsgrat

Auf einen Kracher folgt der nächste. So, oder so ähnlich, könnte man die zweite große Tour meiner Hochtourenwoche im Mont-Blanc Gebiet beschreiben: ein Kracher! Neben einigen anderen Graten wie zB dem Kuffner-Grat oder dem Peuterey-Grat gehört der Teufelsgrat auf Grund seiner klettertechnischen Schwierigkeiten sicher zu den "größeren" Graten im Gebiet. Mich reizte daran schon lange eben die Herausforderung am Fels, müssen doch fünf 4000er auf einer Höhe von 4000m und mehr erklettert werden.

Kurz zu den Fakten der Tour über den Teufelsgrat:

Facts
Gipfel / Höhe Aiguilles du Diable
#41 - Corne du Diable (4.064m)
#42 - Pointe Chaubert (4.074m)
#43 - Pointe Mediane (4.097m)
#44 - Pointe Carmen (4.109m)
#45 - L'Isolée (4.114m)

#46 - Mont Blanc du Tacul (4.248m)
Am Gipfel amSa, 20.07.2024, ca. 13:20 Uhr. Aufbruch ca. 1:25 Uhr! (ca. 12h Geh- bzw. Kletterzeit)
Land / RegionFR (Haute-Savoie) / IT (Aosta) / Mont-Blanc-Massiv
Art und SchwierigkeitHochtour, D+, bis 45°, bis 5a (V+), mit L'Isolée ca. 5c
Höhenmeter1545 Hm↑ - ca. 1150 Hm↓
TourenpartnerRoman
RouteRif. Torino - Glacier Géant - Teufelsgrat - Abstieg zur Aig. du Midi

Die Tour ist leider schwer als Gesamtes zu fotografieren, am Besten wäre es wohl noch vom Mont Maudit aus. So musste ich die Tour von der Bahn aus fotografieren, als wir den Mont Blanc du Tacul passierten.

Man gelangt über den Glacier du Géant über ein steiles Couloir hoch zum Grat, der dann in den Col du Diable mündet (gestrichelt). Von dort aus überklettert man alle Gipfel der Kette und seilt jeweils ab. Die L'Isolée ist ein "Extragipfel", der nicht zwingend überklettert werden muss, aber als eigenständiger 4000er zählt. Danach geht es über Blockgelände und Firnhänge hoch zum Gipfel des Mont Blanc du Tacul. 

Nach einem gemütlichen Frühstück brachen wir doch wieder recht früh auf, um nicht zu viel Stau in der Route zu haben. Es war Samstag und somit auch viel los. Alleine vom Rif. Torino weg waren 12 Seilschaften für den Teufelsgrat eingetragen. So stapften wir alsbald los und fanden unseren Weg gut über den Gletscher. Auf Höhe des Grand Capucin trafen wir auf Seilschaften, die von der Aig. du Midi her zustiegen. Diese überholten wir aber zügig. Roman steuerte dann etwas mehr ausholend eher in Richtung Kuffner-Grat zu, bevor wir dann wieder einen Bogen zurück zum Couloir machten, welches uns zum Col du Diable bringen sollte.

Der Gletscher war ca. ab 3.400m nicht mehr sonderlich gut zu gehen. Wir brachen laufend ein und das kostete Kraft. So kamen die anderen Seilschaften wieder näher, die unserer Spur folgten. Der Zustieg zur Randkluft ging dann gut und der Einstieg war problemlos möglich. Immer leicht rechts querend hielten wir auf einen Felsriegel zu - wohl auch etwas irregeführt von den alten Spuren - und standen zum Schluss zu hoch im Fels. Dort war die Querung in das Firncouloir zu heikel, da viel Brösel auf den Felsen lag und man den Weg kaum absichern konnte. Somit stiegen wir wieder etwas ab - und auch alle anderen Seilschaften, die uns bereits gefolgt waren. 

Alle warteten dann aber und ließen uns wieder voraus, waren sie denn auch um die Expertise von Roman froh, der dann den Weg einwandfrei durch den Felsteil fand. Im Couloir angekommen banden wir uns vom Seil aus und stiegen seilfrei im super Trittfirn auf den Sattel auf. Einfach schöne "Pickelei" nach oben war angesagt und deshalb machten wir auch zügig Meter. So kamen wir noch vor Sonnenaufgang am ersten Sattel an und machten dort einen Abstecher zu einem kleinen Felskopf, den wir fälschlicherweise als Corne du Diable benannten. Als wir dann aber auf 3960+m waren und es nicht mehr nach oben weiter ging, haben wir auch überrissen, dass wir noch gar nicht am Col du Diable waren.

Aufstieg im Trittfirn zum Sattel, der dann zum Col du Diable führt.

Unser erster Gipfel: war dann doch nicht das Corne du Diable.

Einige der Seilschaften zogen dann an uns natürlich vorbei und wir ärgerten uns etwas, aber das sollte nicht lange anhalten. Wir stiegen dann wieder ab und weiter in Richtung Col du Diable auf, wo wir kurz vor Sonnenaufgang ankamen. Alleine von dem her war das Timing recht gut, war es denn sonst zum Klettern noch zu kalt - vor allem für die Finger.

Blick zum Mont Blanc: langsam sieht man etwas ohne Stirnlampe.

Bald ist es soweit. Es dämmert bereits. In der Mitte die Aig. Verte.

Zwei Seilschaften seilten schon wieder vom Corne du Diable ab und eine Seilschaft war noch gerade im Aufstieg auf den Gipfel. Letztere hatte aber etwas mehr Mühe, weinte doch eine Dame im Aufstieg (Anmerkung: die waren auf ihrer Hochzeitsreise hat sie erzählt und wollten eben diese Tour machen!). Roman zog an ihr vorbei und sicherte mich nach. Ich sprintete fast nach oben, lief zum höchsten Punkt, während Roman schon wieder umbaute zum Abseilen. Zurück zum Stand und ab in den Col zurück. Da haben wir noch eine weitere Seilschaft überholt.

Roman noch auf dem Corne du Diable, kurz vor dem Abseilen.

Jetzt bekommt der Mont Blanc sein erstes Tageslicht. Was für ein Moment!

Endlich wärmt die Sonne - nicht nur uns, sondern vor allem den Fels.

Vor dem Weiterweg zum Pointe Chaubert mussten wir dann lange warten. Manche schafften die Schlüsselstelle des Aufstieges nur recht mühsam und andere ließen das Corne du Diable überhaupt aus, gingen also direkt weiter. Somit stauten sich mehrere Seilschaften vor dem Einstieg. Roman hielt sich unten schon am Riss parat zum Einsteigen, musste dafür aber im Schatten stehen. Ich durfte zwar in der Sonne verweilen, aber bei mir zog es wie verrückt. So kühlten wir beide recht aus. Vor allem meine Finger, wie ich später merken sollte.

Roman wärmte sich dann auf und konnte endlich einsteigen. An der Schlüsselstelle musste er auch erstmals die Finger wärmen und die Handschuhe versorgen, denn so konnte man das kleingriffige Zeug dort nicht halten. Aber nach wenigen Zügen war er dann über den Riss hinweg und konnte an guten Schuppen weiterklettern. Schon nach wenigen Minuten konnte ich dann nachkommen, was nicht so gut lief, wie gedacht. Mir war kalt und meine Finger waren richtig steif. Ich dachte, dass ich das im Nachstieg locker und zügig klettern konnte, doch ich täuschte mich. Erstens musste ich die Express und die Schlinge aushängen und zweitens waren meine Finger einfach so kalt, dass ich kein Gespür für die Griffe hatte. Ich musste also kurz ins Seil hocken, um die Handschuhe auszuziehen und meine Finger zu wärmen. Danach ging die Stelle recht gut und wir waren über die ersten Schwierigkeiten hinweg.

Roman kurz vor der Schlüsselstelle. Er wärmt sich nochmals die Finger auf.

Danach folgt schöne Kletterei an Schuppen und Rissen.

Vorbei am Felsriegel sieht man dann den weiteren Verlauf der Route und ein paar der Gipfel.

Rückblick zum Corne du Diable. Die letzten Meter hoch zum Gipfel sind einfach zu klettern und man klettert sie auch wieder ab zum Stand.

Vom Pointe Chaubert folgt eine lange Abseilfahrt bis in den Sattel zur Pointe Mediane. Dort muss man etwas queren und macht dann Stand am unteren Ende der Verschneidungen, die hier die Schlüssellängen bilden. Da wir hier wieder im Stau standen und Zeit hatten, sattelten wir um und zogen uns die Kletterschuhe an, die wir für die L'Isolée dabei hatten. Somit konnten wir den Fels noch mehr genießen und zogen wieder an einer Seilschaft vorbei, die dort gerade einen Friend versuchte zu retten, der sich etwas zu weit im Riss verkrümelt hatte.

Blick zur Pointe Carmen (links) und der Pointe Mediane (zentral) mit der Verschneidung, die geklettert werden muss. Wir hielten uns oben eher rechts an der Kante und querten dann wieder rein.

Rückblick zu den Abseilern vom Pointe Chaubert.

Roman im unteren Teil der Verschneidung. Wunderbarer Fels, der jetzt auch schon wohlig warm ist.

An der Querung nach der Verschneidung war wieder Stau angesagt und wir mussten warten. Für uns waren diese Längen mit den Kletterschuhen deutlich leichter als für die anderen mit schweren Bergschuhen.

Rückblick in die Verschneidung. Der Bergführer in der Mitte klettert die Verschneidung direkt, was etwas schwerer ist. Überholen konnte er uns ob der direkten Variante aber doch nicht.

Nach der Querung gelangt man auf einen kleinen Vorbau, der von zwei Felsabsätzen unterbrochen ist. Am oberen Ende war die Seilschaft vor uns irgendwie blockiert und es ging einfach nichts weiter. Die Seilschaften hinter uns kamen schon alle nach und fragten, ob wir Probleme hätten. Doch es lag in diesem Falle nicht an uns. Dort ließen wir einiges an Zeit liegen, bis sich das Problem endlich gelöst hatte. Roman nutzte dann die Gunst der Stunde und zog direkt an den beiden beim Abseilen vorbei - er seilte nicht in die Scharte zur Carmen ab, sondern pendelte etwas in deren Südseite hinein. Dort war zwar kein Stand, aber wir waren a) in der Sonne und b) konnten an der Kante an der anderen Seilschaft vorbeiklettern, was wir dann auch machten. 

Abseilen vom Pointe Mediane in die Lücke zur Pointe Carmen.

Kurz zog etwas Nebel auf. Links vorne der Doppelgipfel der Pointe Carmen. Rechts dahinter (mit Kletterern am Gipfel) die L'Isolée. Danach der Weiterweg hoch zum Mont Blanc du Tacul.

Schöne Kletterei hoch zur Pointe Carmen.

Die letzten Meter ...

Und dann der Rückblick zur Pointe Mediane mit dem Durchschlupf zum Abseiler.

Von der Pointe Carmen folgten dann ein paar Abseiler in die Scharte zur L'Isolée. Hier lag noch Schnee und wir hatten noch immer unsere Kletterpatschen an, was eine nicht allzugünstige Kombination darstellt. Roman hatte aber das lange Seil eingepackt und so konnten wir noch gesichert am Seil über den Schneegrat gehen, immer in die tiefen Stapfen der Vorgänger tretend. Danach hatten wir zwar kurz kalte Zehen bekommen, konnten aber sofort wieder im Fels weiterklettern und zum Einstieg der L'Isolée aufsteigen.

An diesem stärkten wir uns und ließen unsere Rucksäcke zurück. Diese waren für die Kletterei nicht notwendig, seilt man doch genau wieder zu diesem Punkt zurück ab. Zudem war es richtig befreiend die 5c Seillängen ohne den Rucksack zu klettern. Was für eine schöne Kletterei!

Rückblick zur Pointe Carmen mit der Abseilpiste.

Blick vom Gipfel der L'Isolée zum Mont Blanc und dem oberen Teil des Kuffner-Grates auf den Mont Maudit (spitzer Gipfel rechts des Mont Blancs).

Blick über den Glacier du Géant ins Vallée Blanche (links runter) und der Aig. Verte (links hinten) sowie der Grandes Jorasses (rechts im Bild).

Ausblick auf den Weiterweg. Über Blockgelände hoch und dann nochmals kurz in eine steilere Firnpassage, bevor man über die Felsen aussteigt.

Dank des 60m Seils konnten wir auch hier gemütlich abseilen und kamen mit 2x abseilen genau zurück bis zum Standplatz. Dort machten wir etwas Pause, versorgten die Kletterschuhe und wechselten nun endgültig wieder auf die Bergschuhe, folgt der Weg denn ab dort hauptsächlich dem Blockgelände bzw. später Firn und Schnee. Anfangs kamen wir noch ohne Steigeisen weiter, doch später mussten wir doch noch die Eisen auflegen, zu weich war die Spur schon geworden. Der letzte Ausstieg im Fels ging dann auch mit den Steigeisen noch gut, waren wir die Kletterei damit doch schon von der Grandes Jorasses gewohnt.

Rückblick auf die Kletterei am Teufelsgrat. Rechts die L'Isolée. In der Mitte der Pointe Carmen und dahinter versetzt der Pointe Mediane. Hinten sieht man die Nordflanke der La Tour Ronde, wo wir als Eingehtour hoch sind.

Ausstieg hin zu den Felsen. Ab jetzt wir der Schnee tief.

Die letzte Steilstufe hoch, bevor es vorbei am Felsklotz zum Firngrat geht.


Rückblick zum Felsklotz rechts. Der Firngrat führt dann zum Hauptgipfel des Mont Blanc du Tacul. Ab jetzt geht es erstmals nur bergab.

Am Gipfel des Mont Blanc du Tacul.

Wir stiegen rasch vom Gipfel ab, da oben einiges los war. In der Mulde darunter machten wir etwas Pause und verstauten unser Felszeug tief im Rucksack - dieses sollte nicht mehr zum Einsatz kommen. Zudem nahmen wir die Stöcke zur Hand, folgte doch nun ein langer und sehr weicher Abstieg im Gletscher bis zum Col du Midi. Obwohl es nun bergab ging, war es eine schweißtreibende Sache, brannte die Sonne dort gnadenlos vom Himmel.

Der Abstieg an sich ging dann sehr gut und deutlich leichter als das Jahr zuvor, als wir vom Mont Blanc bzw. Mont Maudit kamen. Es war quasi eine Autobahn ausgetreten und die Gletscherspalten waren so dick überdeckt, dass man diesbezüglich keine Angst haben musste. Richtig zügig, teilweise rutschend, ging es bergab. Lediglich der letzte Bergschrund musste rückwärts abgeklettert werden, bevor man dann flach dem Gletscher entlang rauslaufen konnte - möglichst schnell, weilte man doch unter den Seracs.

Blick zur Aig. du Midi. Dort unten mussten wir dann leider wieder gegenansteigen.

Der Mont Blanc (links hinten), der Mont Maudit (Mitte) und der Dôme du Gouter (rechts).

Hier reden wir dann von Gletscherbrüchen in anderen Dimensionen.


Gewaltige Natur! Und die Autobahn lädt hier zum Genießen ein.

Unten will man aber rasch aus der Eisschlagzone raus.

Denn über einem hängen doch ein paar Seracs.

Und dann wird es nochmals mühsam: Gegenanstieg zur Aig. du Midi.

Der Gegenanstieg hatte es dann in sich. Man ist schon müde und ausgelaugt von der Tour und die Spannung ist abgefallen. Zudem brennt die Sonne vom Himmel und man ist nur am Schwitzen, sodass man gar nicht so viel trinken kann. Lediglich die Aussicht zur Aig. Verte und der Grandes Jorasses entschädigen hier die Mühen und der Gedanke, dass man dann mit der Bahn zurück zum Rif. Torino fahren kann und dabei nochmals eine traumhafte Kulisse genießen darf.

Die "TÉLÉCABINE PANORAMIC MONT-BLANC" vor der Grandes Jorasses und dem Dent du Géant. Diese Seilbahnfahrt ist wirklich etwas für Genießer - Panorama pur!

Etwas größer: die Grandes Jorasses (links) mit dem Dent du Géant rechts. Diese Traverse der Superlative durften wir wenige Tage davor bestreiten.

Blick zur Aig. Verte (links) mit der Grande Rocheuse und Les Droites. Alles schwierige und vor allem alleinstehende 4000er.

Blick zurück zum Teufelsgrat mit den Hörnern und dem Mont Blanc du Tacul. Eine gewaltige Tour!

Nach gut 30 Minuten Fahrzeit (und Staunen) kamen wir wieder beim Rif. Torino an und holten unser gelagertes Gepäck, bevor wir uns auf den Weg ins Tal machten, um diese Woche ausklingen zu lassen.

Was für eine traumhafte Woche! Die zwei großen geplanten Touren mit der Grandes Jorasses Traverse und dem Teufelsgrat waren beide möglich und abgerundet wurden diese von einer tollen Eingehtour durch die Nordwand der La Tour Ronde und der Entreves Traverse. Träume, die endlich wahr geworden sind. Nun heißt es wieder neue Träume zu finden, aber das sollte bei der Auswahl an Bergen in der Region nicht so schwer fallen.

Harald