Samstag, 16. August 2014

#2 - Strahlhorn - 4.190m

Facts
Gipfel / Höhe Strahlhorn / 4.190m
Am Gipfel am Sa, 16.08.2014, ca. 9:15 Uhr am Morgen. Aufbruch um 3:40 Uhr!
Land / Region CH / Walliser Alpen
Art und Schwierigkeit Hochtour, F+/PD-, 35°
Höhenmeter ca. 1.500Hm↑ - ca. 1.500Hm↓
Tourenpartner Manuela
Route Normalroute über Allalingletscher, Adlerpass von der Britanniahütte
Britanniahütte - Abstieg auf den Hohlaubengletscher - Überquerung der Moräne - Aufstieg über den Allalingletscher zum Adlerpass - Adlerpass - Gipfelgrat - Strahlhorn-Gipfel, 4.190m.

Eigentlich wars ja geplant direkt nach dem Heimaturlaub in Österreich die Hochtouren im Wallis anzuhängen. Nichts wäre besser gewesen. Manuela und ich waren Ende Juli in Topform und haben davor im Urlaub einige Hochtouren bzw. hohe Berge gemacht. Blauspitze, Großglockner, Teufelskamp, Großer Kinigat, Piz Boe, alle waren schön hoch und wir hatten einige Tage auf 2800m geschlafen - auf der Stüdlhütte. Somit wären wir also perfekt akklimatisiert gewesen. Doch das Wetter machte uns dann leider einen Strich durch die Rechnung.

Anfangs für Mitte Juli geplant, verschob sich dann die Wallistour Wochenende um Wochenende, bis es endlich Mitte August wieder einmal passen sollte. Noch dazu war Freitag der 15.08. ein Feiertag und somit konnten wir das lange Wochenende perfekt ausnutzen.

Plan war am Freitag die Anreise nach Saas Fee zu machen, von dort dann zu Fuß ganz locker zur Britanniahütte auf 3.030m aufzusteigen und dort dann eine Nacht zu verbringen. Samstag stand dann das Strahlhorn am Programm, Sonntag der krönende Abschluss: das Allalinhorn über den Hohlaubengrat und anschließend der Abstieg ins Tal.

Das Wetter war aber auch an diesem Wochenende nicht so ganz auf unserer Seite. Es gab Mitte der Woche noch Neuschnee (nicht viel muss man sagen, vielleicht 15cm) und es drückte noch eine Front von Norden rein. Aber laut Wetterbericht sollte das alles bis Freitagabend verschwunden sein und Samstag und Sonntag somit zwei perfekte Tage für eine Hochtour sein.

Wir stiegen also am Freitag ganz gemütlich von Saas Fee zur Hütte auf. Um ca. 12:30 gingen wir im Tal los (Tal muss hier etwas relativiert werden, nachdem Saas Fee schon auf 1.800m liegt) und stiegen dann die knapp 1.250Hm zur Hütte auf, wo wir so gegen 16:00 Uhr ankamen. 3:30h waren für uns für diese Strecke bzw. diese Höhenmeter wirklich sehr gemütlich. Das Wetter hatte sich aber bis zur Ankunft nicht wirklich gebessert. Statt besser zu werden, zog es immer mehr zu. Und so geschah es auch, dass es dann anfing zu schneien. Wir saßen also in der Hütte auf 3.030m und aßen zu Abend, als es draußen munter schneite. Zwar nicht wirkich viel, aber dennoch. Es war neblig und schneite. Und es war bereits 19 Uhr am Abend! In wenigen Stunden sollte das Wetter deutlich besser sein, damit wir aufbrechen können.

Um 21 Uhr gings dann ins Bett, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Tagwache für alle, die von der Britannia auf das Strahlhorn wollen, ist 2:45 Uhr! Also seeeehr früh. Ich konnte wenigstens noch einige Stunden schlafen, Manuela hingegen machte anfangs kein Auge zu und schlief erst am frühen Morgen 1-2 Stunden. Um 2:45 Uhr geweckt gings dann ans Anziehen und um ca. 3:00 Uhr gabs dann Frühstück. Man kann sich vorstellen, wie groß der Appetit um 3 Uhr morgens ist, wenn man um 19:00 Uhr erst ein dreigängiges Abendessen hatte und noch dazu auf 3.030m geschlafen hat. Kaum vorhanden, kann man sagen. Dennoch haben wir versucht etwas zu essen und vor allem viel zu trinken - das Wichtigste auf dieser Höhe!

Da wir nur wenige waren, die zum Strahlhorn gingen (ist ja eigentlich eher eine Wintertour mit Skiern), ließen wir uns Zeit. Es gab keine Engstellen, wo man überholen muss und somit hatten wir keine Sorge in einen "Stau" zu kommen. Um 3:40 brachen wir dann als zweite Seilschaft auf.

Zuerst stiegen wir etwas von der Hütte ab, um zum Ende des Hohlaubengletschers zu kommen. Das waren ca. 100 - 150 Hm, die wir da wieder "verloren". Schon im Abstieg haben wir die Steigeisen montiert, da der Schnee über Nacht sehr rutschig geworden war und sich unterhalb Eis befand. Da wir sowieso spätestens am Gletscher die Eisen brauchten, machte es also keinen großen Unterschied.
Am Gletscher angekommen, seilten wir uns an und nahmen dann die Originalroute durch die Felsblöcke, die teils schwer zu passieren waren, vor allem in totaler Dunkelheit. Wir gingen ja schließlich bei Nacht und hatten nur die Stirnlampe. Mit dem eingeschränkten Lichtschein der Stirnlampe suchten wir uns also den Weg durch das Labyrinth aus Felsblöcken, die teils überklettert werden mussten.
Endlich am anderen Ende angekommen, mussten wir uns wieder anseilen, da wir dann auf den Allalingletscher gingen, der vor allem im unteren Bereich mächtige Spalten hat. Wir mussten lange den Weg ableuchten um dann endlich den sicheren Pfad zu finden, den dann eigentlich alle Seilschaften genommen haben.

Mit dem Betreten des Allalingletschers kommt dann eine Trendwende im Aufstiegsprozess, um es einmal so auszudrücken. Während davor zumindest die Felsblöcke an einem vorbeiwanderten, war es dann einfach nichts mehr, was einem ein Gefühl für Distanzen oder Geschwindigkeiten bot. Der Gletscher ist einfach riesig und leer. Man sieht in weiter Ferne das Strahlhorn bzw. das Rimpfischhorn auf der rechten Seite und hat das Gefühl, dass man überhaupt nicht vom Fleck kommt. Und so geht man also. Waren wir um ca. 5 Uhr am Gletscher, so waren wir um 6 Uhr kaum weiter, zumindest subjektiv empfunden.
Es dauerte dann ewig, bis wir die erste steilere Passage hinter uns ließen und uns auf einer Ebene am Gletscher dem letzten Aufschwung zum Adlerpass näherten. Von der Ebene aus denkt man, dass man in vielleicht 30 Minuten oben ist, doch wieder: der Schein trügt.

Erst um knapp 7:30 waren wir dann am Adlerpass auf 3.800 Meter. Von dort aus fing eigentlich erst der Spaß an. Der Aufstieg von dort führt dann über den verschneiten Grat auf das Strahlhorn und ist nochmals ein ewiger Hatscher. Obwohl man nur noch 300-400 Höhenmeter machen muss, zieht es sich einfach ewig, bis man dann endlich den Gipfel sieht. Ich hatte wirklich noch nie auf einem Berg so ein Motivationsproblem um den Gipfel zu besteigen. Aber der endlose Hatscher ermüdete einfach und wir beide merkten auch die Höhe von knapp 3.800m. Wir aßen und tranken dann kurz unterhalb des Passes etwas, bevor wir uns dazu durchringen konnten, die Gipfeletappe zu machen.

Der Grat an sich war dann super zu gehen. Schön verschneit und nicht ausgesetzt. Es war aber sehr sehr windig, wie auch schon unten am Gletscher teils und wir kühlten zunehmend aus. Manuela wollte aber nicht stehen bleiben um sich wieder zusätzlich etwas anzuziehen, sondern weitergehen. Stehenbleiben hätte sie vom Wind her noch mehr ausgekühlt, hatte sie gemeint.

Wir gingen dann also so schnell als möglich weiter in Richtung Gipfel, wo wir dann um ca. 9:15 Uhr eintrafen. Doch ca. 45 Minuten später als geplant. Aber der letzte Aufstieg hat uns viel Zeit gekostet und die Felsblöcke am Anfang auch. Nur sehr kurz "genossen" wir den Gipfel um schnell ein Foto zu machen. Vor allem ich war nicht wirklich fotogen zu diesem Zeitpunkt, würde ich mal sagen. Ich war einfach nur müde. Kalt wars noch dazu und stehen ging sowieso kaum. Schließlich hats uns dort oben fast runtergeweht, so windig wars.

Wir stiegen dann schnell kurz unterhalb des Gipfels ab, wo wir im Windschatten dann aber Pause machten um uns anzuziehen. Manuela mit der Daunenjacke und ich endlich mit der GoreTex Jacke bewaffnet gabs dann noch kurz einen Riegel und etwas zu trinken und dann machten wir uns an den Abstieg. Schließlich stand noch der ganze Hatscher retour an.

Am Adlerpass unten angekommen, legte sich dann endlich der sehr heftige Wind, der mit der Sonne kam, und als wir dann kurz darunter am Gletscher waren, war er fast ganz weg. Die Sonne drückte und wir zogen uns wieder aus und legten dazu eine längere Pause ein, um Energie zu tanken und ordentlich zu trinken. Das tat richtig gut.

Der Abstieg verlief dann eigentlich problemlos und war zudem sehr schön. Der Ausblick wurde immer besser und wir konnten nun endlich bei Tageslicht alle Berge um uns sehen, deren Umrisse wir zuvor im Aufstieg nur schlecht erkannt hatten. Am Ende des Gletschers entschieden wir uns dann noch dazu, für den nächsten Tag die Aufstiegsroute zu begutachten und nahmen einen anderen Weg zurück, der uns von einem Bergführer empfohlen worden war, und eigentlich jetzt der neue Standardweg aufs Strahlhorn ist. Von dort konnten wir dann gut die Aufstiegsroute für den nächsten Tag auf das Allalinhorn einsehen und uns Gedanken machen, wo wir in der Dunkelheit gehen mussten.

Bei der Hütte angekommen gabs dann erst einmal ein Mittagessen. Suppe und Pasta taten gut, und der Tee half zudem, den Flüssigkeitsverlust zu kompensieren. Vor dem Abendessen legten wir uns dann hin und versuchten zu schlafen, um den Schlafmangel der vorigen Nacht auszugleichen. Während ich gut schlief und doch fast 2 Stunden aufholen konnte, schlief Manuela wieder kaum :-(

Mit dem Abendessen wiederholte sich dann das Spielchen vom Vortag. 19 Uhr essen, und dann ins Bett und versuchen zu schlafen. Schließlich stand der nächste Viertausender an: das Allalinhorn über den Hohlaubengrat!

So long,
Harald
Britanniahüte auf 3.030m

Mitten am Allalingletscher: Manuela vor dem dunklen Rimpfischhorn, links das Strahlhorn

6:25 Uhr: die Sonne geht auf! Endlich!

Das Strahlhorn macht seinem Namen alle Ehre!

Unterhalb des Adlerpasses vor dem Rimpfischorn.

Der Aufstieg vom Adlerpass über den Grat in Richtung Gipfel. Hier sieht man, dass es windig war und das wir doch deutlich mehr Neuschnee hatten als gedacht.

Die Sonne kommt endlich über den Grat und wärmt uns. Aber sie bringt auch leider den Wind mit :-(

Am Gipfel: Ausblick auf Dom und Täschhorn sowie die Lenzspitze.

Blick in Richtung Britanniahütte (links unten in den Wolken)

Monte Rosa: Liskamm, Castor und Pollux.

Manuela im Abstieg: es war noch immer windig und wir gingen vermummt. Hinten das Monte Rosa Massiv und das Matterhorn.

Aufstiegs- und Abstiegsroute: in der Mitte der Adlerpass. Links dann das Strahlhorn (Vorgipfel) und rechts das Rimpfischorn.

Endlich zurück bei der Britanniahütte. Das Wetter ist endlich besser geworden.

2 Kommentare:

  1. hört sich alles ziemlich anstrengend und ermüdend an, aber der sonnenaufgang: WOW!!!

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    1. Es ist nicht mehr oder weniger anstrengend wie 1500 Höhenmeter auf einen 3000er. Aber der Kopf spielt da mit und macht einen großen Unterschied. Wenn du das Gefühl hast du gehst und gehst und kommst dem Ziel nicht näher, dann kämpft man mit der Motivation.

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