Nach dem langen Tag am Weisshorn und den Erkenntnissen davon (viel Schnee, kalt, windig), planten wir den letzten Tourentag. Eigentlich wollten wir ursprünglich durch die Nordwand des Liskamms klettern, zB die Welzenbach, doch lag dafür zu wenig Firn in den Flanken. Vor allem nach oben hin sah man die Wand fahl durchscheinen, also Blankes Gletschereis war dort obenauf.
Da das Wetter zwar gut angesagt war, aber sehr kalt und windig, planten wir um und entschieden uns für die Überschreitung des gesamten Liskammes von der Monte-Rosa-Hütte weg bis hin zur Bergstation Klein-Matterhorn, also noch über den Castor und weiter über das gesamte Breithorn-Plateau. Eine lange Tour. 20 Kilometer, um genau zu sein.
Kurz zu den Fakten der Tour:
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| Gipfel / Höhe | #49 - Liskamm Ostgipfel (4.532m) #50 - Liskamm Westgipfel (4.479m) Castor (4.223m) |
| Am Gipfel am | So, 03.08.2025, ca. 7:15 Uhr. Aufbruch ca. 1:20 Uhr! (ca. 11h Geh- bzw. Kletterzeit)
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| Land / Region | Schweiz / Walliser Alpen |
| Art und Schwierigkeit | Hochtour, ZS+, bis 45°, ca. II an wenigen Stellen
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| Höhenmeter und Länge | 2.325 Hm↑ - ca. 1.420 Hm↓ und über 20 Kilometer!
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| Tourenpartner | Roman |
| Route | Monte-Rosa-Hütte - Lisjoch - Liskamm Ost-West Überschreitung - Felikjoch - Castor - Breithorn Plateau - Bergstation Klein Matterhorn |
Nach einem kleinen Sandwich-Frühstück starteten wir gegen 1:20 Uhr am Morgen von der Hütte los. Es war recht warm draußen, war es doch etwas neblig. Den unteren Teil des Weges fanden wir auf Grund der Steinmännchen gut. Am Gletscher angekommen zogen wir uns etwas an, kam doch ein kalter Wind vom Lisjoch herab. Roman fand dann den Weg durch den Bruch 1A! Mitten in der Nacht, bei wenig Sicht, auf einem aperen Gletscher!
Den Bruch hinter uns lassend, stiegen wir langsam höher und es wurde kälter. So kam dann der Pullover dazu und kurz vor dem Lisjoch mussten auch die Gore-Jacken gegen den Wind her. Im Lisjoch angekommen suchten wir hinter einer Wechte Schutz und wärmten uns etwas auf. Es dämmerte schon langsam, was für den Aufstieg am Grat gut war, konnten wir doch nun ohne Stirnlampen gehen. Wir verharrten sicher 20 Minuten dort im Windschatten und wärmten Hände und Zehen wieder so gut wie möglich auf. Hätte ich das gewusst, hätte ich die dicken Schuhe angezogen. Doch von so viel Wind war nie die Rede im Wetterbericht.
Wir stiegen ab dann seilfrei auf bis zum Ostgipfel. Die Spur war sehr gut und vom Wind her war es einfach die bessere Option. So konnten wir uns aus dem Wind drehen, unabhängig voneinander Halt machen und uns aufwärmen und Roman konnte auch die Hände gut wärmen, ohne immer angespannt gehen zu müssen. Ab etwa 4.200m hatte ich dann richtig zu kämpfen. Irgendwas stimmte nicht ganz. Ich musste extrem schnaufen und bekam wenig Luft. Klar, die Höhe, aber wir waren am Weisshorn auch auf 4.500m unterwegs, ohne große Mühen. So musste ich öfters Pause einlegen und hing etwas hinterher. Endlich, als die Sonne kurz nach 6 Uhr über die Dufourspitze drüber kam und neben der Zumsteinspitze vorbeilugte, tauchte sie den Grat in oranges Licht und spendete Wärme! Wie schön. Die Zehen fingen langsam an aufzutauen und das Atmen ging leichter.
Um ca. 7:15 Uhr erreichten wir den Ostgipfel des Liskamms und machten dort kurz Pause. Ich zog mir den Buff über, da meine Nasenspitze schon weiß war (Spoiler: habe mir die Haut dort erfroren), und wir tauten unsere Trinkschläuche auf, um etwas zu trinken. Es war ARSCHKALT! Ich bin nicht anfällig auf Kälte, oder nicht sonderlich, aber selbst mir war so kalt, dass ich zittern musste. Im Wissen, dass ich noch zur Not eine Daunenjacke dabei hatte, die ich unterziehen konnte (quasi als ultimativ letztes Backup, wenn wir wo blockiert wären), ging es dann weiter. Ich bewegte mich wieder mehr am Grat und die Sonne tat gut. So konnte ich den Körper gleich wieder besser wärmen und das Zittern verschwand.
Kurz vor dem Westgipfel mussten wir kurz Hand anlegen und eine IIer Stelle klettern, die aber schnell hinter uns lag. Dann nahmen wir den Westgipfel im Laufschritt mit und eilten der Westflanke zu. Dort wandten wir uns nämlich vom Wind ab und konnten somit im Lee absteigen. Wie schön! Zwar im Schatten, aber windstill. Unten weiter machten wir dann ausgiebig Pause und wärmten uns ordentlich auf, tranken und aßen etwas.
Der Weiterweg über das Felikjoch und hoch zum Castor war dann eigentlich ein lockeres Auslaufen. Kurz gingen wir am Seil über das Plateau und später dann beim Überwinden der Randkluft unter dem Castor. Danach liefen wir zügig die Flanke des Castors seilfrei ab und seilten erst unten wieder an, als wir am flachen Gletscher ankamen.
Der Rückweg unter dem Pollux vorbei und rüber zur Roccia Nera war mir schon bekannt und auf der Autobahn lief es sich hervorragend, vor allem auch deswegen, weil wir früh dran waren und alles noch hart gefroren war. Im Windschatten unter der Roccia Nera legten wir nochmals Pause ein, stärkten uns und - Trommelwirbel - zogen uns Jacken aus, da es warm wurde in der Sonne.
Die Akkus waren langsam unten und vor allem die Motivation lies grüßen. Nach 10 Stunden Gehzeit, den ganzen Schwierigkeiten hinter uns und der Autobahn vor uns war es schwierig, die Konzentration hoch zu halten. Doch wir bissen durch und so legte der Roman-Express ein gutes Tempo vor, sodass wir nach 11 Stunden Gehzeit, 2.300 Höhenmetern und über 20 Kilometer an der Bergstation der Klein-Matterhorn-Bahn standen. Erleichtert, glücklich und wieder aufgewärmt!
Mit der Bahn schwebten wir ins Tal und dann ging es mit dem Taxi zurück zu Rosi, wo es nach einer Käseschnitte und einem Radler noch Zeit für ein paar Berggeschichten mit dem Puiva-Paul gab, ehe ich zum Zug eilen musste.
Neben vielen tollen Eindrücken vom Wallis, tollen Touren und Bergmomenten mit Roman und einigen netten Gesprächen auf Hütten nahm ich leider dieses Mal auch einen lästigen Husten mit nach Hause, der mir noch länger erhalten bleiben sollte.
Harald
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| Es dämmert. Wir suchen Schutz hinter der Wechte. Die zwei anderen Bergsteiger machen Pause im Wind. Warum auch nicht? |
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| Der weitere Aufstieg. Ein scharfer Firngrat. |
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| Tja, wäre da der Grenzipfel bzw. das Monte Rosa nicht, hätten wir auch schon Sonne. |
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| Am Weisshorn kündigt sich ein schöner Tag an. |
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| Sieht nahe aus, ist aber noch weit. Der Weg hoch zum Ostgipfel. |
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| Langsam schleicht sie sich an. Die Parrotspitze hat schon Sonne. |
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| Selten so sehnlich auf die Sonne gewartet wie an diesem Tag. |
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| Man sieht den Wind an den Schneefahnen. Am Grat muss unbedingt auf Wechten geachtet werden. |
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| Irgendwie unspektakulär der letzte Anstieg. |
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| Und dann sind wir da mit einem tollen Blick zum Mont Blanc sowie zur Paradiso-Gruppe. |
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| Eine gute Spur leitete dann weiter zum Westgipfel. |
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| Dort mussten wir zuerst aber wieder hochklettern. |
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| Schlüsselstelle am Westgipfel. Ein kurzer Felsaufschwung. |
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| Rückblick zum Ostgipfel. |
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| Ausblick zum Matterhorn. |
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| Der Wind, die Kälte, die grelle Sonne. Ich konnte nicht wirklich lachen, waren meine Gesichtszüge irgendwie eingefroren und das Licht einfach zu grell in den Augen. |
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| Ein toller Abstieg in dieser Spur. So ging es zügig ab und das ohne Probleme. |
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| Weiterweg zum Castor über das Felikjoch. |
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| Der Wind hat noch nicht abgestellt. |
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| Blick "ins vorige Jahr": die Grandes Jorasses Überschreitung! |
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| Blick vom Castor zum Liskamm. |
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| Ein großer weißer Berg: das Weisshorn! Zwei Tage davor bestiegen wir diesen Koloss aus Schnee und Eis. |
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| Das Breithorn mit der gesamten Traverse |
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| Das Breithorn-Plateau ist in Sichtweite. "Nur" noch 150Hm Gegenanstieg. |
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