Sonntag, 17. August 2014

#3 - Allalinhorn - 4.027m

Facts
Gipfel / Höhe Allalinhorn / 4.027m
Am Gipfel am So, 17.08.2014, ca. 8:15 Uhr am Gipfel. Aufbruch um 3:40!
Land / Region CH / Walliser Alpen
Art und Schwierigkeit Hochtour, PD, 40°, II
Höhenmeter ca. 1.200 Hm↑ - ca. 600 Hm↓
Tourenpartner Manuela
Route Hohlaubgrat (Ostgrat)
Britanniahütte - Abstieg zum Hohlaubengletscher - Gletscher - Ostgrat - Kurze Kletterstelle unter dem Gipfel - Gipfel 4.027m

Wie auch schon am Vortag galt es am Sonntag recht früh aufzustehen. Eigentlich wäre die Weckzeit für das Allalinhorn über den Hohlaubgrat ja 3:45 Uhr, aber nachdem in unserem Zimmer einige Leute waren, die auf das Strahlhorn gingen, wurden wir auch um 2:45 Uhr geweckt. Nachdem Manuela sowieso kein Auge zugetan hat in dieser Nacht und ich auch nur recht schlecht schlief, entschieden wir uns dazu, gleich aufzustehen und somit schon eine Stunde vor dem Rest zu starten. Für diese Tour erwarteten wir Stau an der Schlüsselstelle: eine kurze Kletterpassage auf knapp 4.000m, die mixed durch Fels und Eis geht (je nach Verhältnissen). Dort kann immer nur eine Seilschaft rein, und da es sich um zwei "Seillängen" handelt, muss also entsprechend lange gewartet werden.

Nach einer kurzen Morgentoilette gings zum Frühstück. Nach der Stärkung mit Nutella, Honig und einigen Tassen Schwarztee wurde die Abmarschbereitschaft hergestellt. In diesem Falle hieß es, zum Zeugs vom Vortag auch noch das Hüttenzeugs mitzunehmen. Zwar war das ja nicht so viel, aber dennoch mehr Gewicht als am Tag davor.

Vom Aufbruch zum Strahlhorn wussten wir noch, dass wir schon kurz nach der Hütte die Steigeisen benötigten. Also entschieden wir uns diesesmal gleich dazu, mit Steigeisen von der Hütte loszugehen. Somit ersparten wir uns das Anziehen mitten im felisgen Gelände und konnten dies noch bei gutem Licht und in der Wärme tun.

Um 3:40 Uhr brachen wir dann endgültig auf. Ich hatte auch schon das Seil hergerichtet, um gleich nach dem Abstieg auf den Gletscher bereit zu sein. Gemeinsam mit einigen "Strahlhornlern" gings dann die Serpentinen runter in Richtung Hohlaubgletscher, wo sich dann die Wege trennten. Zu unserem Glück waren wir soweit die Einzigen, die eine Stunde früher aufbrachen. Lediglich eine andere Seilschaft war noch vor uns, aber so weit vor uns, dass wir sie nie eingeholt haben. Sie dürften wohl ohne Frühstück gestartet sein.

Am Gletscher angekommen und angeseilt ging es dann quer darüber. Am Tag zuvor hatten wir uns ja die Route etwas genauer angeschaut, und somit hatten wir keine Probleme den Weg zu finden. Zudem war die Nacht so klar und der Mond so hell, dass wir ohne Stirnlampe gehen konnten. Man sah jede Spalte und jeden Stein. Erst später, wo das Morgengrauen angebrochen ist, benötigten wir wieder kurz die Stirnlampen, da das Licht schlechter wurde - komischerweise.

Pünktlich um 6:25 Uhr, wie vom Wetterdienst vorausgesagt, ging dann hinter uns über dem Lagginhorn und dem Weissmies langsam die Sonne auf. Obwohl wir ostseitig aufstiegen trafen uns die Sonnenstrahlen aber erst recht spät. Bis dahin blieb es noch bitterkalt.

Der Aufstieg an sich war monoton. Manuela ging voraus und legte ein ordentliches Tempo vor. Ich musste also schauen, dass ich mithalten konnte. Wahrscheinlich war ihr kalt ;-) Kurz nach dem Gletscher ging es über eine recht steile Passage (ca. 40°) auf einen kleinen Sattel, von wo aus man zuerst eine Ebene quert, um dann etwas abzusteigen. Unten angekommen gibt es dann den letzten großen und steilen Aufschwung zu bewältigen, bevor man die letzten Höhenmeter am schneebedeckten Ostgrat entlang geht und zur Felsbarriere kommt, die dann nur kletternd zu überwinden ist.

Bei diesem steilen Aufschwung trafen uns dann erstmals Sonnenstrahlen und uns wurde endlich wärmer. Leider zog auch wie am Vortag etwas Wind mit auf, sodass wir nicht auf die Jacken verzichten konnten.

Langsam näherten wir uns dann der Felsbarriere, wo wir ca. um 7:30 Uhr ankamen. Wir hatten also knapp 1.150 Höhenmeter bereits geschafft, denn die Steilstufe liegt auf ca. 4.000m. Es sind danach lediglich noch 30 Höhenmeter zum Gipfel. Durch den Neuschnee der Vortage fanden wir die Kletterei anders vor als gedacht. Ursprünglich dachte ich, dass es sich um mehr felsiges Terrain handeln würde, aber dem war nicht so. Es war noch viel Schnee in der gesamten Route, nur wenige Bohrhaken waren sichtbar. Schon der Einstieg an sich startete beim ersten Bohrhaken auf Brusthöhe. Normal musste man einige Meter weiter unten starten, aber wir standen auf viel Schnee.

Ich bereitete also alles vor, um vorsteigen zu können, während sich Manuela aufwärmte. Das kurze Seil auf ein langes Seil geändert, Expressen, Karabiner und Standplatzschlingen am Klettergurt hängend, den Pickel im Nacken verstaut und die dünnen Lederhandschuhe zum Klettern angezogen startete ich dann also, während mich Manuela sicherte. Die erste Passage war ein recht steiler Aufschwung, bevor es dann in eine kleine Verschneidung ging, wo ich endlich die erste Exe hängen konnte. Der viele Schnee am Fels machte das Klettern nicht einfacher, und die 4.000m Höhe machten sich auch bemerkbar. Wenigstens wurde mir dabei ordentlich warm. Doch auch Manuela wurde endlich warm, da sich der Wind legte und wir nun direkt in der Sonne standen. Zudem reflektierte der Fels die Wärme gut.
Nach der ersten Exe war ich froh über meine guten Steigeisen. Es galt, einen kleinen Vorsprung zu überklettern und danach über eine nach vorne geneigte "Firnplatte" nach oben zu gehen, bis nach ca. 10 Metern die nächste Exe zu hängen war. Ich kletterte also bis zum Vorsprung und ankerte dann mit dem Pickel so weit wie möglich nach oben um mich über die Kante zu ziehen. Danach galt es nur auf Balance aufzustehen und zu gehen. Endlich beim Bohrhaken angekommen ging es dann noch wenige Meter weiter zum "Standplatz", von dem aus ich sicherte. Man könnte zwar beide Längen auf einmal klettern, doch wäre es von der Seilreibung her nicht machbar. Zudem sieht man schon nach dem ersten Kamin den Partner nicht mehr und kann sich somit nur schreiend verständigen. Weiterklettern hätte also keinen Sinn.
Den Standplatz gebaut und fertig Manuela im Nachstieg zu sichern, gab ich ihr also das "Go". Ich erwartete ja, dass sie als total wütender Schneemann zu mir raufkommt und mich beschimpft, weil ich natürlich beim Vorstieg andauernd Schnee losgetreten habe oder von den Felsen geputzt habe, aber nichts dergleichen. Eingehüllt in ihre GoreTex Jacke, Kapuze über den Helm gezogen, kam sie schön langsam, Schritt für Schritt nach, und hatte sichtlich ihren Spaß an der Kletterei. Auch war ihr warm geworden, was ihre Stimmung wohl noch zusätzlich etwas hob. So stieg sie die ganze Route souverän durch, ohne groß in Bedrängnis zu kommen.

Bei mir angekommen bauten wir dann schnell den Stand um und machten ein paar Fotos, bevor ich weiter vorstieg. Es fehlten nur mehr wenige Höhenmeter bis zum letzten Stand, aber man musste zuvor eine Querung unter einem Felsblock machen. Diese Passage war zudem sehr schlecht zum Sichern. Lediglich ein Haken davor und dann danach der Stand. Ausrutschen wäre also eher ungut gewesen und hätte mit einem Pendler geendet. Aber gut auf die Frontzacken gestützt querte ich den Hang und hiefte mich unter dem Felsblock durch, um auf der anderen Seite wieder eine Exe zu hängen und kurz darauf den Standplatz zu bauen.
Manuela kam sehr schnell nach. Nachdem wir am Ausstieg der Route waren, ging es noch wenige Meter über ein Schneefeld nach oben zum Grat, der dann zum Gipfel führte. Am kurzen Seil gingen wir auf unsere Pickel gestützt den letzten Teil nach oben.

Zu unserem großen Erstaunen sahen wir, dass der Gipfel "leer" war. Niemand war dort. Wir hatten gesehen, dass die Bergbahn auf das Mittelallalin schon seit 7:30 Uhr in Betrieb war und vermuteten, dass sich vielleicht schon erste "Gipfelstürmer" am Gipfel befanden. Aber nichts dergleichen. Wir kamen um 8:14 Uhr am Gipfel an, um alleine eine traumhafte Aussicht zu genießen, die ihresgleichen sucht. Das Monte Rosa mit Nordend und Dufourspitze zum Greifen nahe, daneben der Liskamm, Castor und Pollux, das Breithorn, das Matterhorn, Dente Blanche, direkt vor einem das Strahlhorn und das Rimpfischhorn. Einmal umgedreht sah man auf Alphubel, Täschorn, Dom, Lenzspitze und Nadenhorn, Lagginhorn und Weissmies. Bei Windstille und strahlendem Sonnenschein genossen wir doch einige Zeit den Gipfel und machten uns dann langsam wieder an den Abstieg über die Normalroute.

Beim Abstieg an sich kamen uns hunderte (keine Übertreibung!) Berggänger entgegen, die den kurzen Aufstieg von der Station Mittelallalin bis zum Gipfel machten. Dabei handelt es sich um eine Winterwanderung würde ich mal sagen. Man könnte ohne Seil gehen, lediglich Steigeisen und Pickel sind erforderlich.

Hungrig kamen wir bei der Station am Mittelallalin an, wo wir erstmals aßen und tranken und unser Material sortierten, bevor es mit der Bahn nach unten ging. Den Aufstieg hatten wir von Saas Fee aus zu Fuß gemacht, doch für den Abstieg benutzten wir die Bahn, um unsere Knie zu schonen. Ich würde sagen ein faires Verhalten. Bestiegen haben wir die Berge also "by fair means", und nicht unter Zuhilfenahme der Bahn.

So long,
Harald


6:25 Uhr: pünktlich wie die Eisenbahn: Sonnenaufgang über dem Weissmies bzw. dem Lagginhorn (links)

Rückblick auf die Route vom Standplatz der Kletterei aus. Manuela kommt gerade den Kamin rauf und ist dann kurz vor der Kante. Danach galt es das Schneefeld nach oben zu laufen bis zum Standplatz.

Am ersten Standplatz: Sonnenschein pur und uns beiden war endlich warm. Nur mein Trinkschlauch war noch immer eingefroren.

Alleine am Gipfel: im Hintergrund das bekannte Matterhorn.

Allalinhorn, 4.027m. Wenn man dieses Bild mit anderen Bildern vom Gipfel vergleicht, sieht man, wie viel Schnee wir hatten. Normalerweise steht das Gipfelkreuz mit diesem Betonsockel auf einem großen Felsblock, den man zuvor erst erklettern muss.

Links das Strahlhorn vom Vortag. In der Mitte hinten das Monte Rosa Massiv mit Nordend und Dufourspitze. Rechts vorne das Rimpfischhorn (4.199m)

Ausblick auf die Giganten: (v.l.n.r.) Alphubel, Täschhorn, Dom, Lenzspitze und Nadelhorn. Rechts unten sieht man sogar die Mischabelhütten.

Ausblick auf den Liskamm, Castor und Pollux sowie das Breithorn mit seinen einzelnen Gipfeln.

Matterhorn, Dente Blanche und rechts das Zinalrothhorn.

Vom Mittelallalin aus gesehen: links der ansteigende Ostgrat bis zur Felsstufe, die erklettert werden muss. Danach der Rest des flachen Gipfelgrates bis zum Gipfel.

Samstag, 16. August 2014

#2 - Strahlhorn - 4.190m

Facts
Gipfel / Höhe Strahlhorn / 4.190m
Am Gipfel am Sa, 16.08.2014, ca. 9:15 Uhr am Morgen. Aufbruch um 3:40 Uhr!
Land / Region CH / Walliser Alpen
Art und Schwierigkeit Hochtour, F+/PD-, 35°
Höhenmeter ca. 1.500Hm↑ - ca. 1.500Hm↓
Tourenpartner Manuela
Route Normalroute über Allalingletscher, Adlerpass von der Britanniahütte
Britanniahütte - Abstieg auf den Hohlaubengletscher - Überquerung der Moräne - Aufstieg über den Allalingletscher zum Adlerpass - Adlerpass - Gipfelgrat - Strahlhorn-Gipfel, 4.190m.

Eigentlich wars ja geplant direkt nach dem Heimaturlaub in Österreich die Hochtouren im Wallis anzuhängen. Nichts wäre besser gewesen. Manuela und ich waren Ende Juli in Topform und haben davor im Urlaub einige Hochtouren bzw. hohe Berge gemacht. Blauspitze, Großglockner, Teufelskamp, Großer Kinigat, Piz Boe, alle waren schön hoch und wir hatten einige Tage auf 2800m geschlafen - auf der Stüdlhütte. Somit wären wir also perfekt akklimatisiert gewesen. Doch das Wetter machte uns dann leider einen Strich durch die Rechnung.

Anfangs für Mitte Juli geplant, verschob sich dann die Wallistour Wochenende um Wochenende, bis es endlich Mitte August wieder einmal passen sollte. Noch dazu war Freitag der 15.08. ein Feiertag und somit konnten wir das lange Wochenende perfekt ausnutzen.

Plan war am Freitag die Anreise nach Saas Fee zu machen, von dort dann zu Fuß ganz locker zur Britanniahütte auf 3.030m aufzusteigen und dort dann eine Nacht zu verbringen. Samstag stand dann das Strahlhorn am Programm, Sonntag der krönende Abschluss: das Allalinhorn über den Hohlaubengrat und anschließend der Abstieg ins Tal.

Das Wetter war aber auch an diesem Wochenende nicht so ganz auf unserer Seite. Es gab Mitte der Woche noch Neuschnee (nicht viel muss man sagen, vielleicht 15cm) und es drückte noch eine Front von Norden rein. Aber laut Wetterbericht sollte das alles bis Freitagabend verschwunden sein und Samstag und Sonntag somit zwei perfekte Tage für eine Hochtour sein.

Wir stiegen also am Freitag ganz gemütlich von Saas Fee zur Hütte auf. Um ca. 12:30 gingen wir im Tal los (Tal muss hier etwas relativiert werden, nachdem Saas Fee schon auf 1.800m liegt) und stiegen dann die knapp 1.250Hm zur Hütte auf, wo wir so gegen 16:00 Uhr ankamen. 3:30h waren für uns für diese Strecke bzw. diese Höhenmeter wirklich sehr gemütlich. Das Wetter hatte sich aber bis zur Ankunft nicht wirklich gebessert. Statt besser zu werden, zog es immer mehr zu. Und so geschah es auch, dass es dann anfing zu schneien. Wir saßen also in der Hütte auf 3.030m und aßen zu Abend, als es draußen munter schneite. Zwar nicht wirkich viel, aber dennoch. Es war neblig und schneite. Und es war bereits 19 Uhr am Abend! In wenigen Stunden sollte das Wetter deutlich besser sein, damit wir aufbrechen können.

Um 21 Uhr gings dann ins Bett, um noch ein wenig Schlaf zu bekommen. Tagwache für alle, die von der Britannia auf das Strahlhorn wollen, ist 2:45 Uhr! Also seeeehr früh. Ich konnte wenigstens noch einige Stunden schlafen, Manuela hingegen machte anfangs kein Auge zu und schlief erst am frühen Morgen 1-2 Stunden. Um 2:45 Uhr geweckt gings dann ans Anziehen und um ca. 3:00 Uhr gabs dann Frühstück. Man kann sich vorstellen, wie groß der Appetit um 3 Uhr morgens ist, wenn man um 19:00 Uhr erst ein dreigängiges Abendessen hatte und noch dazu auf 3.030m geschlafen hat. Kaum vorhanden, kann man sagen. Dennoch haben wir versucht etwas zu essen und vor allem viel zu trinken - das Wichtigste auf dieser Höhe!

Da wir nur wenige waren, die zum Strahlhorn gingen (ist ja eigentlich eher eine Wintertour mit Skiern), ließen wir uns Zeit. Es gab keine Engstellen, wo man überholen muss und somit hatten wir keine Sorge in einen "Stau" zu kommen. Um 3:40 brachen wir dann als zweite Seilschaft auf.

Zuerst stiegen wir etwas von der Hütte ab, um zum Ende des Hohlaubengletschers zu kommen. Das waren ca. 100 - 150 Hm, die wir da wieder "verloren". Schon im Abstieg haben wir die Steigeisen montiert, da der Schnee über Nacht sehr rutschig geworden war und sich unterhalb Eis befand. Da wir sowieso spätestens am Gletscher die Eisen brauchten, machte es also keinen großen Unterschied.
Am Gletscher angekommen, seilten wir uns an und nahmen dann die Originalroute durch die Felsblöcke, die teils schwer zu passieren waren, vor allem in totaler Dunkelheit. Wir gingen ja schließlich bei Nacht und hatten nur die Stirnlampe. Mit dem eingeschränkten Lichtschein der Stirnlampe suchten wir uns also den Weg durch das Labyrinth aus Felsblöcken, die teils überklettert werden mussten.
Endlich am anderen Ende angekommen, mussten wir uns wieder anseilen, da wir dann auf den Allalingletscher gingen, der vor allem im unteren Bereich mächtige Spalten hat. Wir mussten lange den Weg ableuchten um dann endlich den sicheren Pfad zu finden, den dann eigentlich alle Seilschaften genommen haben.

Mit dem Betreten des Allalingletschers kommt dann eine Trendwende im Aufstiegsprozess, um es einmal so auszudrücken. Während davor zumindest die Felsblöcke an einem vorbeiwanderten, war es dann einfach nichts mehr, was einem ein Gefühl für Distanzen oder Geschwindigkeiten bot. Der Gletscher ist einfach riesig und leer. Man sieht in weiter Ferne das Strahlhorn bzw. das Rimpfischhorn auf der rechten Seite und hat das Gefühl, dass man überhaupt nicht vom Fleck kommt. Und so geht man also. Waren wir um ca. 5 Uhr am Gletscher, so waren wir um 6 Uhr kaum weiter, zumindest subjektiv empfunden.
Es dauerte dann ewig, bis wir die erste steilere Passage hinter uns ließen und uns auf einer Ebene am Gletscher dem letzten Aufschwung zum Adlerpass näherten. Von der Ebene aus denkt man, dass man in vielleicht 30 Minuten oben ist, doch wieder: der Schein trügt.

Erst um knapp 7:30 waren wir dann am Adlerpass auf 3.800 Meter. Von dort aus fing eigentlich erst der Spaß an. Der Aufstieg von dort führt dann über den verschneiten Grat auf das Strahlhorn und ist nochmals ein ewiger Hatscher. Obwohl man nur noch 300-400 Höhenmeter machen muss, zieht es sich einfach ewig, bis man dann endlich den Gipfel sieht. Ich hatte wirklich noch nie auf einem Berg so ein Motivationsproblem um den Gipfel zu besteigen. Aber der endlose Hatscher ermüdete einfach und wir beide merkten auch die Höhe von knapp 3.800m. Wir aßen und tranken dann kurz unterhalb des Passes etwas, bevor wir uns dazu durchringen konnten, die Gipfeletappe zu machen.

Der Grat an sich war dann super zu gehen. Schön verschneit und nicht ausgesetzt. Es war aber sehr sehr windig, wie auch schon unten am Gletscher teils und wir kühlten zunehmend aus. Manuela wollte aber nicht stehen bleiben um sich wieder zusätzlich etwas anzuziehen, sondern weitergehen. Stehenbleiben hätte sie vom Wind her noch mehr ausgekühlt, hatte sie gemeint.

Wir gingen dann also so schnell als möglich weiter in Richtung Gipfel, wo wir dann um ca. 9:15 Uhr eintrafen. Doch ca. 45 Minuten später als geplant. Aber der letzte Aufstieg hat uns viel Zeit gekostet und die Felsblöcke am Anfang auch. Nur sehr kurz "genossen" wir den Gipfel um schnell ein Foto zu machen. Vor allem ich war nicht wirklich fotogen zu diesem Zeitpunkt, würde ich mal sagen. Ich war einfach nur müde. Kalt wars noch dazu und stehen ging sowieso kaum. Schließlich hats uns dort oben fast runtergeweht, so windig wars.

Wir stiegen dann schnell kurz unterhalb des Gipfels ab, wo wir im Windschatten dann aber Pause machten um uns anzuziehen. Manuela mit der Daunenjacke und ich endlich mit der GoreTex Jacke bewaffnet gabs dann noch kurz einen Riegel und etwas zu trinken und dann machten wir uns an den Abstieg. Schließlich stand noch der ganze Hatscher retour an.

Am Adlerpass unten angekommen, legte sich dann endlich der sehr heftige Wind, der mit der Sonne kam, und als wir dann kurz darunter am Gletscher waren, war er fast ganz weg. Die Sonne drückte und wir zogen uns wieder aus und legten dazu eine längere Pause ein, um Energie zu tanken und ordentlich zu trinken. Das tat richtig gut.

Der Abstieg verlief dann eigentlich problemlos und war zudem sehr schön. Der Ausblick wurde immer besser und wir konnten nun endlich bei Tageslicht alle Berge um uns sehen, deren Umrisse wir zuvor im Aufstieg nur schlecht erkannt hatten. Am Ende des Gletschers entschieden wir uns dann noch dazu, für den nächsten Tag die Aufstiegsroute zu begutachten und nahmen einen anderen Weg zurück, der uns von einem Bergführer empfohlen worden war, und eigentlich jetzt der neue Standardweg aufs Strahlhorn ist. Von dort konnten wir dann gut die Aufstiegsroute für den nächsten Tag auf das Allalinhorn einsehen und uns Gedanken machen, wo wir in der Dunkelheit gehen mussten.

Bei der Hütte angekommen gabs dann erst einmal ein Mittagessen. Suppe und Pasta taten gut, und der Tee half zudem, den Flüssigkeitsverlust zu kompensieren. Vor dem Abendessen legten wir uns dann hin und versuchten zu schlafen, um den Schlafmangel der vorigen Nacht auszugleichen. Während ich gut schlief und doch fast 2 Stunden aufholen konnte, schlief Manuela wieder kaum :-(

Mit dem Abendessen wiederholte sich dann das Spielchen vom Vortag. 19 Uhr essen, und dann ins Bett und versuchen zu schlafen. Schließlich stand der nächste Viertausender an: das Allalinhorn über den Hohlaubengrat!

So long,
Harald
Britanniahüte auf 3.030m

Mitten am Allalingletscher: Manuela vor dem dunklen Rimpfischhorn, links das Strahlhorn

6:25 Uhr: die Sonne geht auf! Endlich!

Das Strahlhorn macht seinem Namen alle Ehre!

Unterhalb des Adlerpasses vor dem Rimpfischorn.

Der Aufstieg vom Adlerpass über den Grat in Richtung Gipfel. Hier sieht man, dass es windig war und das wir doch deutlich mehr Neuschnee hatten als gedacht.

Die Sonne kommt endlich über den Grat und wärmt uns. Aber sie bringt auch leider den Wind mit :-(

Am Gipfel: Ausblick auf Dom und Täschhorn sowie die Lenzspitze.

Blick in Richtung Britanniahütte (links unten in den Wolken)

Monte Rosa: Liskamm, Castor und Pollux.

Manuela im Abstieg: es war noch immer windig und wir gingen vermummt. Hinten das Monte Rosa Massiv und das Matterhorn.

Aufstiegs- und Abstiegsroute: in der Mitte der Adlerpass. Links dann das Strahlhorn (Vorgipfel) und rechts das Rimpfischorn.

Endlich zurück bei der Britanniahütte. Das Wetter ist endlich besser geworden.

Donnerstag, 17. April 2014

#1 - Breithorn - 4.164m

Facts
Gipfel / Höhe Breithorn / 4.164m
Am Gipfel am Do, 17.04.2014, ca. 18:30 am Abend
Land / Region CH / Walliser Alpen
Art und Schwierigkeit Skihochtour, F+, 35°
Höhenmeter ca. 450Hm↑ - ca. 450Hm↓
Tourenpartner Huba
Route Normalroute über die Südwestflanke
Bergstation Klein Matterhorn (3.820m) - leicht abfahren zur Skipiste - von dort Querung über das Breithornplateau in Richtung Breithorn Zentralgipfel - vor dem Anstieg den Gipfelhang querend nach Südwesten und zum westlichen Breithorn-Gipfel, 4.164m

Es war Anfang April als ich die Nachricht vom ÖAV erhalten habe, dass meine geplante Tour leider nicht zustande kommt, weil sich dafür zu wenige Leute angemeldet hatten. Somit fing sich mein Plan der ersten acht bis neun 4000er an in Luft aufzulösen. Da es aber auch noch andere Leute gab die davon mehr oder weniger betroffen waren, habe ich kurzerhand entschlossen einen Teil der geplanten Tour selbst durchzuführen.

Geplant war eine Anreise nach Zermatt am Gründonnerstag und die Auffahrt zum Klein Matterhorn. Von dort als Eingehtour das Breithorn - im Optimalfall den Westgipfel und die Überschreitung zum Zentralgipfel. An den folgenden Tagen wären dann die Besteigungen der Schwarzfluh (Roccia Nera), des Pollux und Castors geplant gewesen. Der Plan war am Freitag Morgen Roccia Nera zu ersteigen und von dort zum Schwarztor abzufahren von dem aus man dann den Pollux über die Westflanke besteigt. Nach dem Gipfel die Abfahrt zum Rifugio d'Ayas auf der italienischen Seite des Monte Rosa Gebietes. Eine Nacht dort und dann auf den Castor und von dort über den Schwärzegletscher in Richtung Zermatt abfahren. Wer will nicht einmal von knapp 4250m bis auf 1600m abfahren?

Geplant war also alles soweit ganz gut. Nur spielte das Wetter soweit nicht ganz mit. Die Woche davor war ein extrem stabiles Hoch über dem gesamten Gebiet aber da hatte ich keine Zeit. Und laut Wetterbericht war ein Wetterumschwung angekündigt. Nur wann genau dieser sein würde wusste niemand so genau. Die Wetterdienste lieferten kaum ein eindeutiges Ergebnis. Manche sagten kaum Niederschlag voraus, höchstens Bewölkung. Manche knapp 70cm Neuschnee. Die einen schon für Donnerstag, die anderen erst für Samstag Abend.

Gemeinsam mit Huba (mein "Leidensgenosse" der abgesagten Tour) brach ich dann am Donnerstag schon recht früh auf, um zumindest noch am Donnerstag und Freitag das Schönwetter zu nutzen. Die Notlösung hieß nun Donnerstag Breithorn West + Zentralgipfel und Übernachtung am Klein Matterhorn. Freitag je nach Wetterlage Roccia Nera + eventuell Abfahrt zum Rifugio d'Ayas und dann Samstag Aufstieg auf den Pollux und Abfahrt.

Doch wie immer im Leben gibt es Dinge die einfach nicht nach Plan laufen - und schon gar nicht hält sich das Wetter in 4000m Höher an einen Plan. Leider muss man sagen. 

Breithorn Westgipfel - ein Aufstieg mit "Aha" Effekt

In Zermatt angekommen gings für uns sofort los in Richtung Klein Matterhorn, um von dort aus noch den schönen Nachmittag zu nutzen um die Breithorngipfel zu besteigen. Es war Donnerstag um ca. 15 Uhr und das Wetter war außerordentlich gut. Strahlender Sonnenschein und keine Wolke am Himmel. Wir fuhren also schnell zur Bergstation des Klein Matterhorns auf und lieferten dort unser Zeugs schnell in der Unterkunft ab, wo wir von Donnerstag auf Freitag schliefen. Nach kurzer Aussortierung des Materials was wir nicht brauchten (zB die Schlafsäcke usw.) machten wir uns um ca. 16:15 auf den Weg zum Breithon.

Über das Plateau ging es noch recht schnell voran - trotz der Höhe von 3.900m. Doch der Aufstieg erwies sich dann nicht so leicht wie gedacht, zumindest in diesem speziellen Falle. Da ich von uns beiden derjenige mit der Karte und dem "Weg im Kopf" war, ging ich voraus und suchte jeweils die beste Aufstiegsspur. Auf ca. 4000m fing die Spur an sehr harschig bzw. eisig zu werden und ich entschloss mich stehenzubleiben und die Harscheisen zu montieren. Auf einer normalen Skitour wäre ich wohl so weitergegangen, aber dort ist die Flanke des Breithorns doch 35° steil und ein Ausrutscher ist zwar nicht lebensgefährlich, aber kann blöd enden, vor allem weil die Schneeoberfläche sehr hart gepresster und eisiger Schnee war. Man würde einfach dahinrutschen und am Plateu unten wieder stehen bleiben. 300 Höhenmeter darunter. Das muss nicht sein. Ich legte also den Rucksack ab und kramte meine Harscheisen hervor. Als ich nun zu Huba sagt er solle auch seine Harscheisen montieren kam eine etwas unerwartete Antwort: "ich hab keine". 

Tja, ein Fakt, der nicht mehr zu ändern ist. Wo bekommt man auf 4000m auch schnell mal Harscheisen her? Hier will ich auch nicht Huba die Schuld für irgendetwas geben. Vielleicht waren meine Angaben zur Ausrüstung auch unzureichend. Vielleicht hätte ich neben "Skitourenausrüstung + Hochtourenausrüstung" auch explizit erwähnen sollen, das Harscheisen dazugehören. Ich weiß es nicht. 
Das lies sich ja jetzt eh nicht mehr ändern und wir hatten ja zum Glück gutes Wetter, Sonnenschein und angenehme -5°C. Ich hätte ja schnell mit den Skiern weitergehen können. Huba aber nicht. Die Spur war sehr eisig und er rutschte laufend weg. Ich entschied also dass wir von Ski auf Steigeisen umsattelten. Es waren ja nur noch 150Hm bis zum Gipfel und die Flanke war gut begehbar und trittfest. Ein Vorankommen mit Steigeisen und Pickel war also auch recht schnell, kostete aber nur viel Kraft, weil ja die Ski usw am Rucksack montiert werden mussten.

Und wenn du denkst das war alles ...

... dann holt dich die Realität schneller ein als gedacht. 150Hm mit Steigeisen und Pickel sind bald geschafft. Auf dieser Höhe ohne Akklimatisation vielleicht in 30 Minuten, vielleicht auch schneller. Ich fing also an meine Steigeisen zu montieren und als ich nach wenigen Minuten damit fertig war warf ich einen Blick auf Huba, der ca. 20 Meter hinter mir die Steigeisen vor sich liegen hatte und an ihnen herumfummelte. Er hatte sie dabei, was gut war. Aber er hatte neue Skitourenschuhe und vergessen die Steigeisen zuhause auf diese anzupassen. Ich ging also zu ihm und half ihm die Steigeisen anzupassen, was uns dann aber ca. 30 Minuten kostete. Langsam wurde es auch schon später. Es war schon 18 Uhr. Die Tour ist ca. mit 1,5h veranschlagt. Ich dachte also dass wir locker um 18 Uhr am Gipfel stehen würden und in weiteren 45 Minuten die Überschreitung zum Zentralgipfel machen würden. Jetzt standen wir noch immer 150 Hm darunter und montierten Steigeisen. 

Als dies endlich geschafft war stiegen wir dann doch noch recht rasch und zügig auf. Alles in allem hat uns aber der gesamte Aufstieg dann ca. 2:30h gekostet - eine Stunde zu viel. Auch wenn es noch sehr verlockend gewesen ist dennoch den Grat zu überschreiten und vom Zentralgipfel abzufahren entschied ich umzudrehen und vom Westgipfel direkt abzufahren. Eine Abfahrt vom Zentralgipfel wäre mit einem Gegenanstieg verbunden gewesen. Außerdem war der Grat vereist und Huba hätte wieder nur mit Steigeisen gehen können, was deutlich langsamer ist als mit Skiern.

Nach einigen Fotos am Gipfel und dem Genuss der Aussicht auf die Dufourspitze - den höchsten Berg der Schweiz - und sehr viele andere 4000er zogen wir die Felle ab und fingen an abzufahren. Anfangs fuhr ich voraus. Wie schon erwähnt, es war harter, windgepresster Schnee, teils Firn, teils Eis. Gletscher eben. Ich kam damit ganz gut klar. War beinahe wie auf einer harten Piste muss ich sagen. Huba aber hatte so seine Probleme. Ich lies ihn also vorausfahren damit ich wenigstens zu ihm aufschließen konnte, wenn er stürzen sollte. Und so geschah es dann auch. Ca. 300Hm unter dem Gipfel stürzte er und verlor dabei noch einen Ski, der dann der Schwerkraft folgend seinen Weg nach unten suchte. Ich fuhr dann schnell an Huba vorbei um den Ski aufzuhalten. Nachdem dann die Skier wieder in der ordnungsgemäßen Position montiert waren gings dann aber doch noch sicher runter und in Richtung Bergstation, wo unsere Unterkunft auf uns wartete.

Schlafen auf 3.800 Meter will gelernt sein

Die Höhe machte sich dann am Abend schon deutlich bemerkbar. Baden liegt auf knapp 500m. Ich stieg also an einem Tag 3.700m auf und schlief dann die Nacht über 3.300m höher als normal. Obwohl ich mich dazu zwang etwas zu essen und vor allem zu trinken ging das nicht so recht. Man hat einfach das Gefühl es kommt gleich wieder hoch. Es ist enorm was der Körper leisten muss, wenn er in so kurzer Zeit so viel an Höhe gewinnt und so viel weniger Sauerstoff vorfindet. Langsam aber sicher ging es dann aber wieder und ich konnte zumindest mal essen und trinken und dabei einen wunderschönen Sonnenuntergang über dem Matterhorn ansehen. Ein Traum kann ich nur sagen.

Die Nacht war dann beinahe wie erwartet. Obwohl ich sehr müde war konnte ich kaum bzw. nur sehr schlecht schlafen. Die Höhe setzt einem einfach wirklich zu. Da es vom Wetter her auch noch für Freitag gut aussah entschlossen wir uns um sieben aufzustehen um dann nach einem Frühstück auf den Großen Gendarmen (einen der beiden Breithornzwillinge) zu gehen und von dort auf die Roccia Nera zu queren. Für Samstag lies das Wetter nichts mehr Gutes offen, also änderten wir den Plan so ab und schlugen uns Pollux und Castor gleich aus dem Kopf. Laut Einheimischen sollte Roccia Nera und der Gendarm noch locker machbar sein bevor die Schlechtwetterfront eintrifft. 

Roccia Nera: ein Versuch - und eine gute Entscheidung es dabei zu belassen

Nach der doch recht schlechten Nacht tat das Frühstück und der Tee am Morgen gut. Ich hatte endlich wieder Appetit und konnte genügend essen und trinken - hab mich also langsam an die Höhe gewöhnt. Wir brachen dann so schnell wie möglich auf in Richtung Roccia Nera. Ich kam über das Breithornplateau wieder recht schnell voran, eigentlich schneller als am Vortag. Ich hatte mehr Energie und war nicht nur mit atmen beschäftigt. Huba aber hing weit hinterher. Von der Abzweigung zum Westgipfel des Breithorns am Plateau ging es dann leicht fallend ca. 100 Hm runter in eine Senke. Die Spur war wieder recht eisig. Hätte Huba am Vortag nicht Probleme bei der Abfahrt gehabt hätte ich vorgeschlagen abzufellen und die lange Querung in die Senke mit den Skiern zu fahren. Da er aber etwas unsicher war und rechts unter uns die ersten Gletscherspalten waren entschied ich dies nicht zu tun, sondern die Querung mit Steigeisen zu machen - am Seil. 

Wir querten also und stiegen am anderen Ende der Senke wieder auf. Da wir schon vorher gesehen hatten dass es nach der Senke sowieso besser war nur noch mit Steigeisen zu gehen da die Spur wieder sehr harschig war, ließen wir die Skier gleich zurück. Wiederum wäre es hier von Vorteil gewesen Harscheisen zu haben. Die Querung wäre schnell gegangen, die Abfahrt in die Senke rasch, und der Aufstieg dann mit Harscheisen wäre bis zum Gipfel möglich gewesen. Tja, wir aber stapften mit Steigeisen durch die Gegend was uns einfach Zeit kostete. Zeit, die wir langsam nicht mehr hatten, denn es zog viel schneller zu als gedacht. Schon um 9 war es sehr dunkel und es begann leicht zu schneien. Kurz darauf drückten die Wolken über den Breithorngrat herein und es wurde zunehmender neblig. Ich entschied dann also knapp 150Hm unter dem Gipfel umzudrehen und zurück zur Bergstation zu gehen.

Dies war auch eine gute Entscheidung. Auch andere Seilschaften die zum Pollux unterwegs waren taten das selbe, und das, obwohl sie schon in der Gipfelflanke waren. Die Querung zurück war mir einfach bei Nebel zu heikel, vor allem weil man anfangs durch leichtes Spaltengelände geht und dann über ein Plateau quert, dass sehr groß ist. Ich hatte zwar den Kompass dabei, wollte es aber nicht darauf ankommen lassen. Wir querten dann also zurück zur Station und fuhren dann von dort Richtung Zermatt ab.


Und was lernen wir daraus?

Erstens: check your equipment! Man kann viel Zeit verlieren wenn man einfach nicht das richtige Material dabei hat, was in dem Falle sogar nur wenige 100g wiegt. Zweitens: das Wetter spielt oft gegen einen. Besser ist es dann wohl nachzugeben als zu versuchen den Stärkeren zu spielen. Man vierliert wohl so oder so. 
Ich persönlich denke dass es eine gute Entscheidung war umzudrehen. Auch wenn es zum Gipfel nicht mehr weit war und wir es wohl  auch geschafft hätten, es wäre ein Riskio gewesen. Vor allem weil ich auch Huba nicht kannte und nicht wusste, wie trittsicher er im Spaltengelände ist bzw. ob er mich im Falle eines Sturzes auch aus einer wieder rausholen kann. Es waren mir persönlich zu viele Unsicherheiten.

Dennoch: ein 4000er, wenn auch ein einfacher, ist auf meiner Liste. Ich habe Erfahrungen gesammelt die ich sonst nicht gemacht hätte und vor allem viel gelernt wenn es um Ausrüstungskontrolle geht bzw. auch Kartennavigation und Navigation mit Kompass. Dinge, die mir vielleicht früher oder später helfen. Und auch wenn es nun nichts wird mit meinem Projekt dieses Jahr 14 der 4000er zu besteigen: sie sind noch länger da und warten auch noch nächstes Jahr darauf mit Skiern bestiegen zu werden. Oder vielleicht gehen sich ja heuer noch ein paar aus, mit oder ohne Skier.

Unten noch die Fotos zur Geschichte ...

So long,
Harald


Materialschlacht: im roten Beutel links vom Seil meine Harscheisen. Ein Gegenstand der klein aber fein ist, wenn man ihn dabei hat.
Auffahrt zur Station Klein Matterhorn und der Ausblick auf den "großen" Bruder.
Das Breithornplateau: auch wenn es hier vielleicht klein aussieht, das Ding ist groß und man geht noch ein Stückchen bis man zum Aufstieg ansetzen kann. Das Wetter ist aber noch sehr gut.
Am Gipfelgrat des Breithorns. Dem Grat folgend der Zentralgipfel. Links hinten Nordend (4.606m) und Dufourspitze (4.634m). Rechts vom Grat kurz zu sehen Roccia Nera (Schwarzfluh) sowie Pollux und Castor. Sieht so nahe aus, ist aber weit entfernt.
Ausblick auf meine geplanten Sommertouren: (v.r.n.l.) Strahlhorn, Rimpfischhorn, Täschhorn, Dom, dahinter noch klein zu sehen das Stecknadelhorn und das Hohberghorn.

Manner goes 4000+: Mannerschnitten als Energielieferant!

Am Gipfelgrat. Volles Equipment im/am Rucksack.

Sonnenuntergang: rechts das Matterhorn.

Der Morgen: es sieht noch gut aus um sieben. Roccia Nera, Pollux und Castor in voller Pracht sind noch gut sichtbar.

Es fängt an zu schneien und es zieht zu. Hier kurz vor der Abfahrt in die Senke. Dahinter sieht man sogar ein bisschen die Aufstiegspur zum Gendarmen und Roccia Nera (die zwei linken Gipfel im Bild)

Sicherheitshalber: solange ich noch Sichtkontakt mit dem Matterhorn hatte (was genau in Marschrichtung lag) hielt ich dies am Kompass mal fest.