| Facts | |
|---|---|
| Gipfel / Höhe | Allalinhorn / 4.027m |
| Am Gipfel am | So, 17.08.2014, ca. 8:15 Uhr am Gipfel. Aufbruch um 3:40! |
| Land / Region | CH / Walliser Alpen |
| Art und Schwierigkeit | Hochtour, PD, 40°, II |
| Höhenmeter | ca. 1.200 Hm↑ - ca. 600 Hm↓ |
| Tourenpartner | Manuela |
| Route | Hohlaubgrat (Ostgrat) Britanniahütte - Abstieg zum Hohlaubengletscher - Gletscher - Ostgrat - Kurze Kletterstelle unter dem Gipfel - Gipfel 4.027m |
Wie auch schon am Vortag galt es am Sonntag recht früh aufzustehen. Eigentlich wäre die Weckzeit für das Allalinhorn über den Hohlaubgrat ja 3:45 Uhr, aber nachdem in unserem Zimmer einige Leute waren, die auf das Strahlhorn gingen, wurden wir auch um 2:45 Uhr geweckt. Nachdem Manuela sowieso kein Auge zugetan hat in dieser Nacht und ich auch nur recht schlecht schlief, entschieden wir uns dazu, gleich aufzustehen und somit schon eine Stunde vor dem Rest zu starten. Für diese Tour erwarteten wir Stau an der Schlüsselstelle: eine kurze Kletterpassage auf knapp 4.000m, die mixed durch Fels und Eis geht (je nach Verhältnissen). Dort kann immer nur eine Seilschaft rein, und da es sich um zwei "Seillängen" handelt, muss also entsprechend lange gewartet werden.
Nach einer kurzen Morgentoilette gings zum Frühstück. Nach der Stärkung mit Nutella, Honig und einigen Tassen Schwarztee wurde die Abmarschbereitschaft hergestellt. In diesem Falle hieß es, zum Zeugs vom Vortag auch noch das Hüttenzeugs mitzunehmen. Zwar war das ja nicht so viel, aber dennoch mehr Gewicht als am Tag davor.
Vom Aufbruch zum Strahlhorn wussten wir noch, dass wir schon kurz nach der Hütte die Steigeisen benötigten. Also entschieden wir uns diesesmal gleich dazu, mit Steigeisen von der Hütte loszugehen. Somit ersparten wir uns das Anziehen mitten im felisgen Gelände und konnten dies noch bei gutem Licht und in der Wärme tun.
Um 3:40 Uhr brachen wir dann endgültig auf. Ich hatte auch schon das Seil hergerichtet, um gleich nach dem Abstieg auf den Gletscher bereit zu sein. Gemeinsam mit einigen "Strahlhornlern" gings dann die Serpentinen runter in Richtung Hohlaubgletscher, wo sich dann die Wege trennten. Zu unserem Glück waren wir soweit die Einzigen, die eine Stunde früher aufbrachen. Lediglich eine andere Seilschaft war noch vor uns, aber so weit vor uns, dass wir sie nie eingeholt haben. Sie dürften wohl ohne Frühstück gestartet sein.
Am Gletscher angekommen und angeseilt ging es dann quer darüber. Am Tag zuvor hatten wir uns ja die Route etwas genauer angeschaut, und somit hatten wir keine Probleme den Weg zu finden. Zudem war die Nacht so klar und der Mond so hell, dass wir ohne Stirnlampe gehen konnten. Man sah jede Spalte und jeden Stein. Erst später, wo das Morgengrauen angebrochen ist, benötigten wir wieder kurz die Stirnlampen, da das Licht schlechter wurde - komischerweise.
Pünktlich um 6:25 Uhr, wie vom Wetterdienst vorausgesagt, ging dann hinter uns über dem Lagginhorn und dem Weissmies langsam die Sonne auf. Obwohl wir ostseitig aufstiegen trafen uns die Sonnenstrahlen aber erst recht spät. Bis dahin blieb es noch bitterkalt.
Der Aufstieg an sich war monoton. Manuela ging voraus und legte ein ordentliches Tempo vor. Ich musste also schauen, dass ich mithalten konnte. Wahrscheinlich war ihr kalt ;-) Kurz nach dem Gletscher ging es über eine recht steile Passage (ca. 40°) auf einen kleinen Sattel, von wo aus man zuerst eine Ebene quert, um dann etwas abzusteigen. Unten angekommen gibt es dann den letzten großen und steilen Aufschwung zu bewältigen, bevor man die letzten Höhenmeter am schneebedeckten Ostgrat entlang geht und zur Felsbarriere kommt, die dann nur kletternd zu überwinden ist.
Bei diesem steilen Aufschwung trafen uns dann erstmals Sonnenstrahlen und uns wurde endlich wärmer. Leider zog auch wie am Vortag etwas Wind mit auf, sodass wir nicht auf die Jacken verzichten konnten.
Langsam näherten wir uns dann der Felsbarriere, wo wir ca. um 7:30 Uhr ankamen. Wir hatten also knapp 1.150 Höhenmeter bereits geschafft, denn die Steilstufe liegt auf ca. 4.000m. Es sind danach lediglich noch 30 Höhenmeter zum Gipfel. Durch den Neuschnee der Vortage fanden wir die Kletterei anders vor als gedacht. Ursprünglich dachte ich, dass es sich um mehr felsiges Terrain handeln würde, aber dem war nicht so. Es war noch viel Schnee in der gesamten Route, nur wenige Bohrhaken waren sichtbar. Schon der Einstieg an sich startete beim ersten Bohrhaken auf Brusthöhe. Normal musste man einige Meter weiter unten starten, aber wir standen auf viel Schnee.
Ich bereitete also alles vor, um vorsteigen zu können, während sich Manuela aufwärmte. Das kurze Seil auf ein langes Seil geändert, Expressen, Karabiner und Standplatzschlingen am Klettergurt hängend, den Pickel im Nacken verstaut und die dünnen Lederhandschuhe zum Klettern angezogen startete ich dann also, während mich Manuela sicherte. Die erste Passage war ein recht steiler Aufschwung, bevor es dann in eine kleine Verschneidung ging, wo ich endlich die erste Exe hängen konnte. Der viele Schnee am Fels machte das Klettern nicht einfacher, und die 4.000m Höhe machten sich auch bemerkbar. Wenigstens wurde mir dabei ordentlich warm. Doch auch Manuela wurde endlich warm, da sich der Wind legte und wir nun direkt in der Sonne standen. Zudem reflektierte der Fels die Wärme gut.
Nach der ersten Exe war ich froh über meine guten Steigeisen. Es galt, einen kleinen Vorsprung zu überklettern und danach über eine nach vorne geneigte "Firnplatte" nach oben zu gehen, bis nach ca. 10 Metern die nächste Exe zu hängen war. Ich kletterte also bis zum Vorsprung und ankerte dann mit dem Pickel so weit wie möglich nach oben um mich über die Kante zu ziehen. Danach galt es nur auf Balance aufzustehen und zu gehen. Endlich beim Bohrhaken angekommen ging es dann noch wenige Meter weiter zum "Standplatz", von dem aus ich sicherte. Man könnte zwar beide Längen auf einmal klettern, doch wäre es von der Seilreibung her nicht machbar. Zudem sieht man schon nach dem ersten Kamin den Partner nicht mehr und kann sich somit nur schreiend verständigen. Weiterklettern hätte also keinen Sinn.
Den Standplatz gebaut und fertig Manuela im Nachstieg zu sichern, gab ich ihr also das "Go". Ich erwartete ja, dass sie als total wütender Schneemann zu mir raufkommt und mich beschimpft, weil ich natürlich beim Vorstieg andauernd Schnee losgetreten habe oder von den Felsen geputzt habe, aber nichts dergleichen. Eingehüllt in ihre GoreTex Jacke, Kapuze über den Helm gezogen, kam sie schön langsam, Schritt für Schritt nach, und hatte sichtlich ihren Spaß an der Kletterei. Auch war ihr warm geworden, was ihre Stimmung wohl noch zusätzlich etwas hob. So stieg sie die ganze Route souverän durch, ohne groß in Bedrängnis zu kommen.
Bei mir angekommen bauten wir dann schnell den Stand um und machten ein paar Fotos, bevor ich weiter vorstieg. Es fehlten nur mehr wenige Höhenmeter bis zum letzten Stand, aber man musste zuvor eine Querung unter einem Felsblock machen. Diese Passage war zudem sehr schlecht zum Sichern. Lediglich ein Haken davor und dann danach der Stand. Ausrutschen wäre also eher ungut gewesen und hätte mit einem Pendler geendet. Aber gut auf die Frontzacken gestützt querte ich den Hang und hiefte mich unter dem Felsblock durch, um auf der anderen Seite wieder eine Exe zu hängen und kurz darauf den Standplatz zu bauen.
Manuela kam sehr schnell nach. Nachdem wir am Ausstieg der Route waren, ging es noch wenige Meter über ein Schneefeld nach oben zum Grat, der dann zum Gipfel führte. Am kurzen Seil gingen wir auf unsere Pickel gestützt den letzten Teil nach oben.
Zu unserem großen Erstaunen sahen wir, dass der Gipfel "leer" war. Niemand war dort. Wir hatten gesehen, dass die Bergbahn auf das Mittelallalin schon seit 7:30 Uhr in Betrieb war und vermuteten, dass sich vielleicht schon erste "Gipfelstürmer" am Gipfel befanden. Aber nichts dergleichen. Wir kamen um 8:14 Uhr am Gipfel an, um alleine eine traumhafte Aussicht zu genießen, die ihresgleichen sucht. Das Monte Rosa mit Nordend und Dufourspitze zum Greifen nahe, daneben der Liskamm, Castor und Pollux, das Breithorn, das Matterhorn, Dente Blanche, direkt vor einem das Strahlhorn und das Rimpfischhorn. Einmal umgedreht sah man auf Alphubel, Täschorn, Dom, Lenzspitze und Nadenhorn, Lagginhorn und Weissmies. Bei Windstille und strahlendem Sonnenschein genossen wir doch einige Zeit den Gipfel und machten uns dann langsam wieder an den Abstieg über die Normalroute.
Beim Abstieg an sich kamen uns hunderte (keine Übertreibung!) Berggänger entgegen, die den kurzen Aufstieg von der Station Mittelallalin bis zum Gipfel machten. Dabei handelt es sich um eine Winterwanderung würde ich mal sagen. Man könnte ohne Seil gehen, lediglich Steigeisen und Pickel sind erforderlich.
Hungrig kamen wir bei der Station am Mittelallalin an, wo wir erstmals aßen und tranken und unser Material sortierten, bevor es mit der Bahn nach unten ging. Den Aufstieg hatten wir von Saas Fee aus zu Fuß gemacht, doch für den Abstieg benutzten wir die Bahn, um unsere Knie zu schonen. Ich würde sagen ein faires Verhalten. Bestiegen haben wir die Berge also "by fair means", und nicht unter Zuhilfenahme der Bahn.
So long,
Harald
| 6:25 Uhr: pünktlich wie die Eisenbahn: Sonnenaufgang über dem Weissmies bzw. dem Lagginhorn (links) |
| Rückblick auf die Route vom Standplatz der Kletterei aus. Manuela kommt gerade den Kamin rauf und ist dann kurz vor der Kante. Danach galt es das Schneefeld nach oben zu laufen bis zum Standplatz. |
| Am ersten Standplatz: Sonnenschein pur und uns beiden war endlich warm. Nur mein Trinkschlauch war noch immer eingefroren. |
| Alleine am Gipfel: im Hintergrund das bekannte Matterhorn. |
| Links das Strahlhorn vom Vortag. In der Mitte hinten das Monte Rosa Massiv mit Nordend und Dufourspitze. Rechts vorne das Rimpfischhorn (4.199m) |
| Ausblick auf die Giganten: (v.l.n.r.) Alphubel, Täschhorn, Dom, Lenzspitze und Nadelhorn. Rechts unten sieht man sogar die Mischabelhütten. |
| Ausblick auf den Liskamm, Castor und Pollux sowie das Breithorn mit seinen einzelnen Gipfeln. |
| Matterhorn, Dente Blanche und rechts das Zinalrothhorn. |
| Vom Mittelallalin aus gesehen: links der ansteigende Ostgrat bis zur Felsstufe, die erklettert werden muss. Danach der Rest des flachen Gipfelgrates bis zum Gipfel. |
