Mittwoch, 19. September 2012

Gipfelfreuden: der höchste Punkt Österreichs und mehr

Hallo zusammen,

einige wissen ja davon, andere wohl nicht. Letztere wundern sich dann nur, warum ich derzeit beinahe jedes Wochenende wie ein Irrer auf Berge lauf oder sonstige sportliche Aktivitäten im Kopf habe. Aber: Nepal Baby!

In eineinhalb Monaten gehts los. Gemeinsam mit Marinca (aka "Die Schneckenherde") und Christian (aka "Ich lass mir noch einen passend blöden Namen einfallen") gehts dann für ca. ein Monat nach Nepal, um dort ein High-Trekking zu machen. Einmal rund um die Annapurna solls gehen. Ja, und da dies ja kein Zuckerschlecken wird, sondern ein wirklich ausgedehntes High-Trekking in Höhen bis zu 5416m (Thorong-La Pass) sind wir alle zusammen zur Zeit am Trainieren - mehr oder weniger erfolgreich. Aber zum Thema Nepal fällt mir wohl eh mal gesondert was ein und es folgt ein Post dazu.

Nachdem ich nun langsam die Schnauze etwas voll habe von den Wiener Hausbergen wie Schneeberg und Rax und wir auch schon weitere Ausflüge auf den Hochschwab usw gemacht haben, sind die Ostalpen langsam uninteressant geworden. Es ist zwar nett dort, aber es ist halt "nur" wandern. Da ich mir heuer sowieso noch so einiges als Ziel gesetzt habe und eines davon der Gipfel des Glockners war, passte das ganz gut zusammen.

Gemeinsam mit Marinca, Uli, Christian und Gerhard gings an einem traumhaft schönem Wochenende nach Kals in Osttirol, von wo aus der Normalanstieg auf den Glockner verläuft. Anreise war diesesmal schon am Freitag Morgen da wir noch am selben Tag einen Aufstieg vor uns hatten.

Blick vom Lucknerhaus durch das Ködnitztal auf den Großglockner. In der unteren Bildmitte sieht man die Lucknerhütte. Links neben dem Glockner das Glocknerwandl und links am Glockner entlang zieht der Stüdlgrat nach oben. Rechts auf der Scharte, hier kaum zu erkennen, die Adlersruhe, auf 3454m.
Also auf 1920m angekommen, starteten wir beim Lucknerhaus weg und gingen durch das Ködnitztal immer gerade auf den Glockner zu. Bei diesem Wetter war das schon sehr imposant, wie der Glockner dort steht und über das Tal wacht. Nach ca. 45min Gehzeit kommt man dann bei der Lucknerhütte vorbei, diese liegt ca. auf 2241m und ist die letzte Hütte, die man über eine Straße erreichen kann. Von dort gibts dann mehrere Materialseilbahnen rauf zu den Hütten (Stüdl und Adlersruhe). Diese Materialseilbahn wurde dann auch gleich prompt aktiviert, als eine Gruppe von tschechischen "Bergsteigern" ihr gesamtes Material auf die Stüdlhütte bringen liesen.
Wir wanderten aber ungetrost weiter in Richtung Stüdlhütte auf 2801m. Nach einer Gesamtgehzeit von ca. 2,5 Stunden waren wir dann dort auf der Hütte angekommen und erwarteten alle nur mehr das so oft beschriebene Abendbuffet auf der Hütte. Und man kann wirklich nur sagen: es ist verdammt gut. Ein Abendbuffet mit Salatbuffet und kalter Vorspeisenplatte, eine Suppenauswahl, danach eine Auswahl von drei Menüs und eine anschließende Käseplatte und Schokomouse lassen sich auf 2801m wirklich sehen. (Und vor allem schmeckts auch gut ;-) )

Stüdlhütte auf 2801m

Got a little captain in you?


Abends haben wir noch auf der Hütte mit einigen anderen Leuten gesprochen und mit Bergführern und jeder meinter, wir sollten uns in der Früh doch eher Zeit lassen, gemütlich das Ködnitzkees queren und dann zur Adlersruhe aufsteigen, um von dort dann am späteren Nachmittag auf den Gipfel aufzubrechen, da man doch recht viele Leute am Gipfel vermutete. Wir haben diesen Plan dann auch als gut befunden .... wurden aber spätestens dann am Kleinglockner am nächsten Tag eines besseren belehrt.

Nachdem unser Plan also besagte, dass wir locker und flockig bis zur Adlersruhe aufsteigen und dort dann gemütlich erst mal ein Bier zu uns nehmen bevor es weiter zum Gipfel geht, gabs für uns auch erst recht spät Frühstück. Um 8 war die Mannschaft dann aufbruchsbereit und wir starteten in Richtung Ködnitzkees. Von der Stüdlhütte weg sind es ca.150 Hm bis zum Einstieg aufs Kees und von dort nochmals ca. 450 - 500 Hm bis zur Adlersruhe, die ja nur knapp 650 Hm höher liegt als die Stüdlhütte. Bei traumhaftem Wetter gings dann also zum Gletscher, wo wir kurz Rast machten und uns dann für die Querung anseilten. Obwohl das Ködnitzkees jetzt nicht sonderlich groß aussieht braucht man doch recht lange, bis man drüber ist. "es is afoch echt a Hatscha" .... Am Ende steht man dann beim Einstieg zum Mürztalersteig, ein leichter A-B Klettersteig, der sich dann über den Grat entlang nach oben bis zur Adlersruhe zieht.

Großglockner mit dem Ködnitzkees davor. Links nach oben der Stüdlgrat. Rechts oben am Grat die Adlersruhe, das nächste Ziel.

Es war entsprechend kalt in der Nacht, der kleine Gletschersee ist zugefroren.

Letzte Handgriffe vor dem Abmarsch über das Kees, eingebunden ist schon jeder in die Seilschaft.

Der Ausblick: zum Schreien!

Nur noch eine Spaltenüberquerung und ein kurzer Anstieg, dann ist man beim Einstieg zum Klettersteig.

Die Nährzone des Ködnitzkees bricht langsam vom restlichen Gletscher ab, oder umgekehrt. Jedenfalls eine mächtige Spalte dort, reinfallen ist wohl eher ungesund.

Letzer kurzer Anstieg. Gerade voraus ist der Einstieg in den Klettersteig.

Nach den ersten paar Höhenmetern im Steig ist man dann höher als der Stüdlgrat und man sieht schon auf die Venedigergruppe: hier der Großvenediger (3660m, höchster Berg Salzburgs) und der Kleinvenediger. Das Venedigermassiv 
Angekommen auf der Adlersruhe wird man erstmal belohnt mit einem traumhaften Ausblick. Der Venediger scheint zum Greifen nahe zu sein, Das große Wiesbachhorn ebenfalls. Der Dachstein und der Hochkönig lachen herüber. Und natürlich der Glockner, der sich direkt vor einem erhebt. Lediglich den Großglockner an sich sieht man nicht, weil sich der Kleinglockner von dieser Seite aus in den Weg stellt.

Blick von der Adlersruhe runter auf das Ködnitzkees und den Klettersteig der sich zur Hütte noch oben schlängelt.

Etappenziel: Erzherzog Johann Hütte, 3454m.

Blick von der Hütte aus auf den Kleinglockner und den oberen Teil des Glocknerleitls (rechts). In der Mitte zieht sich bereits der Ansatz des Ködnitzkees nach unten.

Kaiser-Franz-Josefs Höhe. Das beliebte Ausflugsziel auf der Hochalpenstraße.

Das Tourenziel vor wenigen Wochen: ganz im Hintergrund die Hochalmspitze (3360m) mit dem Hochalmkees darunter.
Gipfelversuch: 1. Akt - Der Aufstieg
Gegen späten Nachmittag brechen wir dann also langsam auf, um über das Glocknerleitl und den Kleinglockner (3770m) den Großglockner zu erreichen. Doch so leer die Engstelle anfangs ausgeschaut hat, so voll ist sie dann, wenn wir dort hinkommen. Am Ende des Glocknerleitls steigt man in eine etwas breitere Rinne ein, die vereist ist und mit Schnee bedeckt. Dort drinnen stauts sich ordentlich. Zig Seilschaften wollen runter, einige rauf. Dass dies dauert, das kann man sich denken.

Glocknerleits mit de Kleinglockner im Hintergrund

Ausblick vom Glocknerleitl runter Richtung Pasterze und Kaiser Franz-Josefs Höhe.

Großes Wiesbachhorn (3564m) und links davor der sog. Hufeisenbruch - der Zusammenfluss einiger Gletscher, die dann in die Pasterze fließen ( Glocknerkees, Teufelskampkees, Pasterzenboden und Bockkarkees (von links nach rechts))
Endlich aus der Engstelle ausgestiegen, beginnt eine leichte Kletterei in eigentlich angenehmer Atmosphäre, doch der andauernde Gegenverkehr hindert etwas am Weiterkommen. Der Glockner ist an einem schönen Tag wirklich einfach zu überlaufen. Höhepunkt bildete eine tschechische "Seilschaft" mit 16 Teilnehmern an "einem" Seil. Eigentlich waren es die zwei Stränge eines Zwillingsseils, die sie verbunden haben. Wenn sich so eine Seilschaft an einem vorbeibewegt, dann dauert das erstens schon mal lange und zweitens, hält das den gesamten Verkehr dort oben auf. Vor allem, wenn die Leute dann noch nicht mal trittsicher sind und sich an dir festhalten um irgendwo hinunter zu klettern. Wenn man dann selbst nicht sonderlich gut steht, kann es da schon kurz zu einem Auszucken kommen.

Christian beim Aufstieg. Leichte Plattenkletterei mit guten Rissen. Eigentlich kann man aufrecht raufmarschieren wenn man keinen Gegenverkehr hätte.

Stau auf 3770m: Die Scharte des Kleinglockners mit dem Abstieg zur Glocknerscharte und der erneute Aufstieg zum Großglockner. Hier sind wir ziemlich genau 30 Höhenmeter unter dem eigentlichen Gipfel. Wir entschließen uns aber kehrt zu machen: es sind einfach zu viele Leute in der Scharte und der Querung. Es wäre einfach zu gefährlich bzw würde zu lange dauern.

Gipfelversuch: 2. Akt - Die Erkenntnis und die Umkehr
Zu viele Leute und das lange Warten haben uns müde gemacht. Marinca kam mit den Verhältnissen überhaupt nicht gut zurecht, weshalb wir uns dann doch etwas schweren Herzens entschlossen haben, den Gipfel nicht zu machen. Doch es war eine gute Entscheidung. Schon beim Abstieg merkten wir, dass es noch länger dauern würde, wieder durch die Engstelle nach unten zu kommen. Es kamen noch immer genügend Seilschaften entgegen. Wir stiegen dann in doch mehr als 2 Stunden wieder den Weg ab, sortierten dann im Sonneschein noch unser Material und gingen in die Hütte zum Abendessen.

Großvenediger im Sonnenuntergang von der Adlersruhe aus gesehen.
Schon beim Essen fing es dann an allen zu jucken, dass wir doch nicht am Gipfel waren. Vor allem Gerhard redete immer nur noch vom frühen Aufstieg. Auch Uli war dafür und konnte jetzt nicht einfach so vom Berg runter, ohne wirklich oben gewesen zu sein. Ich war sowieso davon begeistert und da es eigentlich der ursprüngliche Alternativplan gewesen wäre, sonntags Früh aufzusteigen, gingen wir also ans Planen. Tagwache 3:45, Aufbruch 4:00. Geplante Gehzeit ca. 2 Stunden. Dh, wir könnten zum Morgengrauen am Gipfel stehen.
Nach dem Essen gings dann schon ins Bett. Um 21 Uhr lagen alle im Bett und versuchten zumindest zu schlafen. Ein anstrengender Tag lag vor uns. Nochmals 350 Höhenmeter im Aufstieg - dies nun bei absoluter Dunkelheit - und anschließend 2000 Höhenmeter im Abstieg wieder über den Weg wie wir gekommen sind.

Gipfelversuch: 3. Akt - Des Glockners Revanche
Wie geplant gings also in aller Herrgottsfrüh wieder über das Glocknerleitl rauf zum Kleinglockner. Wir brachen um 4:05 auf und waren somit die allererste Seilschaft, die dies tat. Doch als wir bei den Querungen am Leitl waren kamen die ersten Nachfolger. Die Stirnlampen leuchteten uns den Weg, als wir dann Kehre für Kehre das Leitl nach oben gingen. Angeseilt mit Steigeisen an den Füßen ging es im ruhigen Schritt Meter für Meter nach oben. Hektik war hier fehl am Platz. Der Schnee und Firn im Leitl war über Nacht total gefroren. Die Eisen hielten also gut, aber man musste aufpassen nicht zu stolpern.

4:05 in der Früh ... die Frisur hält ... bzw der Helm.
Uli und Gerhard als erste Nachfolger.
Ich stieg den gesamten Weg über das Leitl und durch die Rinne vor und befestigte dabei einige wenige Sicherungen an den Hacken bzw Stangen. Als erster nach dem Austieg der Rinne sicherte ich dann die anderen in der Seilschaft noch nach oben nach. Am Austieg hieß es dann wieder runter mit den Steigeisen. Die Füße waren bei mir jetzt schon sehr kalt, da ich lange im Schnee stehen musste um die anderen zu sichern. Bewegung war also gut. Es ging nun im lockeren Tempo über den Kleinglockner. Den Weg kannten wir nun ja schon grob. Am Kleinglockner angekommen fing es langsam an zu dämmern.

Abstieg vom Kleinglockner zur Glocknerscharte: es dämmert bereits über Österreich. Links sieht man die Kontur des Dachsteinmassivs.
Austieg aus der Rinne: beim Nachsichern.

Da wir von vornherein schon wussten, dass wir über die Scharte gesichert gehen wollten, lies ich bereits beim Anseilen am Leitl für mich vorne weg genug Restseil übrig, um später vor der Scharte dies zu verwenden und mich weiter vorne am Seil einzubinden. Christian sicherte mich dann (nach einigen Anläufen doch) mit einem HMS als ich die Scharte querte. Im Prinzip ist sie ja nicht schwierig zu queren. Sie ist mehr als einen Meter breit und flach. Lediglich rutschig wars dort. Sie war eisig. Aber am Rand war Schnee und man konnte gut stehen. Dennoch hat man Respekt wenn man zu seiner Rechten ca. 700 Meter nach unten in die Palavicini Rinne schaut. Drüben angekommen sicherte ich die Seilschaft wieder nach und wir stiegen dann weiter die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel.
Noch im Morgengrauen und der Dämmerung erreichten wir dann am 9.9.2012 um 6:02 als allererste Seilschaft den höchsten Punkt Österreichs: mit 3798m war der Großglockner bis jetzt der höchste Berg für mich, den ich aus eigener Kraft aus vom Tal aus bestiegen habe. Ich denke es ist schwer so einen Moment zu beschreiben, doch war es für mich doch ein besonderes Erlebnis. Den Kopf auf 3800 Meter haltend den Sonnenaufgang über Österreich zu genießen und dies bei traumhaftem Wetter und vor allem auch mit super Bergkameraden.

Gipfelkreuz des Großglockners: 3798m über der Adria
Gipfelfoto
Unsere Seilschaft am Gipfel
Dachstein im Sonneaufgang.
Die ersten Sonnestrahlen treffen auf den Großglockner und den vorgelagerten Kleinglockner. Endlich wirds warm.
Beim Abstieg ein Blick in die Palavicini Rinne: beinahe 700 Meter gehts da runter.
Am Glocknerleitl. Die Sonne steht mittlerweile schon recht hoch über Österreich.
Sicher ging es dann wieder über den selben Weg zurück zur Adlersruhe, wo Marinca schon auf uns wartete. Nach einem Frühstück (einer Frittatensuppe und einer heißen Schokolade) packten wir dann unser Zeugs endgültig zusammen, um über den selben Weg wieder zurück ins Tal abzusteigen.

Ein geniales Wochenende am Glockner geht zu Ende: der letzte Ausblick über den Stüdlgrat in Richtung Großvenediger.
Im Tal gabs dann nach einem sicheren Abstieg mal für jeden als erstes was zum Trinken und anschließend einen Steaktoast beim Lucknerhaus. Kann ich nur empfehlen ;-)

Ja was bleibt zu sagen: der Glockner ist schön. Er ist nicht sonderlich schwer zu machen bei guten Verhältnissen und zieht leider deshalb auch zu viele Leute an, wovon sicher 50% davon nichts am Glockner verloren hätten bzw ohne einen Bergführer dort verloren wären. Eine gewissen Grundkondition gehört dazu sowie das Verständnis von und der Umgang mit Gletscherausrüstung.
Für mich persönlich war es aber dennoch ein wunderschönes Erlebnis mit 26 Jahren am höchsten Punkt zu stehen. Eine Sommerbegehung bei traumhaftem Wetter hätte ich nun. Folgt nun die Planung der ersten Winterbegehung mit Skiern und eine Winterbesteigung der Palavicini Rinne mitm Mammut ;-)

So far,
Harald

PS: Korrekturlesen wird überbewertet .... oder so ähnlich ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen