Dienstag, 16. November 2010

Hilfe die Russen kommen!

... oder war es doch umgekehrt und wir sind zu den Russen gefahren?

Hallo zusammen,

nachdem es schon wieder länger nichts von mir gegeben hat, gibts hier mal die Zusammenfassung von meinem kleinen Russland-Trip, der mich 2,5 Tage nach St. Petersburg führte.

Gestartet wurde am Donnerstag in Växjö, wo es zuerst mit dem Zug nach Stockholm ging um dort auf den Rest der kleinen aber feinen Reisegruppe zu treffen. Insgesamt 32 Leute begaben sich auf den Weg nach Russland, um die alte Hauptstadt der Sowjets zu erkunden. Von Stockholm aus gings mit der Fähre bis nach Turku in Finnland. Wie schon von einigen Schweden gesagt handelt es sich bei dieser Fähre um einen Partydampfer der älteren Generation. Nicht dass das Schiff alt sei, nein, die Passagiere. Unsere 32 Leute (durchschnittlich 22 Jahre alt würde ich schätzen) dürften den Schnitt um ein oder zwei Jahre auf 56 gedrückt haben.
Abgestempelt als der "desperate women Dampfer" (verzweifelte Frauen) brachte uns die Fähre aber sicher durch die Nacht nach Finnland, wo wir mal eine Stunde an Zeit verloren. Die haben wir irgendwo auf hoher See liegen lassen, als wir die Grenze von Schweden zu Finnland überquerten (oder zumindest die Zeitzonengrenze).

Spiel, Spaß und Spannung am Schiff: ein Casino


In Finnland angekommen erwartete uns unsere Fahrer Ozzi. Mit dem Ninimäkki Bus gings dann von dort Richtung russische Grenze, auf der uns ein "zeige-deinen-Pass" Spiel erwartete. Am Übergang von Finnland zu Russland mussten wir gefühlte 178 Mal unsere Pässe zeigen. Dabei wurde jedesmal was anderes geprüft: nur das Bild, nur der Name, nur das Visum, alles zusammen, nur der Stempel im Visum, nur der Stempel auf dem Ausreisevisum (was man für später brauchte), ....

Nachdem uns das aber fast keine Zeit gekostet hatte (nur so 1 Stunde) gings dann fröhlich und munter weiter nach St. Petersburg, wo wir am frühen Abend so gegen 7 eintrafen. Das Hotel war ein russisches 3 Sterne Hotel. Wer genau gelesen hat, sieht den "Fehler": russisches 3 Sterne Hotel :-)
Jedoch war dieses Hotel wirklich gut. Die Zimmer waren schön und groß, das Frühstück war super und der Okey Supermarkt wo es billigen Vodka gab war gleich daneben ;-)
Einzig und allein die Wasserfarbe war etwas eigenartig. (könnte auch vom Vodka kommen) Man musste das Wasser sicher mal 2-3 Minuten laufen lassen, bis es von dunkelbraun über leicht gelblich endlich zu klar wechselte.

Soviel mal zur Anreise und dem Hotel.

St. Petersburg Tag I: Ankunft
Da wir ja alle hungrig waren, besorgten wir uns mal eine Karte von St. Petersburg und brachen zusammen auf, um das Stadtzentrum nach Essbarem zu durchstöbern. Nachdem St. Petersburg ja doch etwas größer ist als zB St. Paul (meine Heimatstadt mit ca. 4000 Einwohner, St. Petersburg hat ca 5 Mio.) dauerte es aber schon recht lange bis wir mit der U-Bahn in die Stadt gefahren sind. Zwischen den Stationen fährt man sicher 5 Minuten mit Highspeed dahin. Alleine die Hauptstraße (Nevsky Prospekt) ist ca. 6 oder 7 km lang. Man geht also ein Weilchen von A nach B.
Nachdem wir aber dann doch angekommen waren und die Stadt mal auf uns wirken liesen entschlossen wir uns die Suche nach Essen fortzusetzen. Schließlich entschlossen wir uns dann in eine russisch-italienische Pizzaria zu gehen. Fazit: kalte Pizzen und kleine Portionen. De Facto nicht gut.
Am Weg zurück statteten wir dann dem Supermarkt um die Ecke (waren ja nur 700 Meter oder so) einen Besuch ab. Der Okey Supermarkt ist vergleichbar mit einem Super-Wallmart in den USA, nur ca. 10 Mal so groß. In diesem Laden konnte man alles kaufen (ich glaub irgendwo hinten sicher auch den gestrigen Tag oder so). Wir deckten uns also einmal mit Wasser und anderen Snacks ein und wollten dann noch etwas für eine kleine Afterparty besorgen. Einzig und alleine ein Gesetz in Russland pfuschte uns dann in den Plan: kein Vodka mehr nach 23 Uhr. Wir verließen mit gesenkten Köpfen den Laden, hatten aber zumindest billiges Bier dabei, um zumindest noch anstoßen zu können. Ruhig verlief der erste Abend, an dem wir nur unsere Bier ausgetrunken haben und dann zu Bett gingen. Waren ja ohnehin schon lange munter nach der durchgefeierten Nacht am Schiff + der Busfahrt.

U-Bahn-Stationen: endlos tief



Tag II: Stadtour, Hermitage Museum, Russian Folk Dance
Der zweite Tag startete mit einem ausgiebigen Frühstück. Anschließend gings mit dem Bus durch die Stadt. Da die Stadt wirklich zu groß ist zum Gehen ist das eine angenehme Art und Weise viel von der Stadt zu sehen. Bei den einzelnen Punkten bleibt man dann stehen und geht dann dort lokal herum.

Mit den Palästen zur Linken und Rechten der Hauptstraße, den zig Kathedralen, Museen und den Statuen hat die Stadt was zu bieten wenn es um Sightseeing geht. Vor allem bei der "Church on Spilled Blood" kommt man vom Stauen wohl nicht heraus. So unterschiedlich ist diese einfach gebaut.

St. Isaacs
Church on Spilled Blood
Weltbekannt: russische Puppen
 

Nach der City-Tour gings dann ins Hermitage, oder besser gesagt mal vors Hermitage. Denn dort mussten wir ca 2 Stunden warten, um ins Museum zu kommen, so lange war die Schlange davor. Nichts desto trotz war das Museum aber auf alle Fälle einen Besuch Wert. Die ganzen Werke von Rembrandt und Co. lassen einen wirklich staunen.

Hermitage
St. Isaacs in der Nacht
Paläste entlang der Kanäle in der Nacht
 
Abends ging es dann zu einem Russian Folk Dance in den Nikolai Palast. Dort wurden, wie der Name ja schon erraten lässt, typsich russische Volkstänze aufgeführt und vor allem die unterschiedlichen Trachten der Russen präsentiert. Auf alle Fälle auch sehenswert kann ich nur sagen.

Volkstanz

Somit ging auch der zweite Tag in St. Petersburg zu Ende - zumindest der Teil mit dem Sightseeing. Die Nacht die vor uns lag sollte lang und geprägt von klaren Getränken sein. ;-)

Tag III: Puskin und der Catherine's Palast, Stadt
Mehr oder weniger gezeichnete von der letzten Nacht gings früh morgens nach Pushkin, wo der Palast von Katharina I steht. Geplant als Sommerresidenz der Zaren zeigt dieser Palast den vollen Reichtum der gehobenen Bevölkerung in dieser Zeit. Während wohl abertausende Russen hungerten und nichts hatten, genehmigten sich die Oberhäupter mal auf die Schnelle einen Palast, in dem 1.100 kg PURES Gold verarbeitet wurden. Alleine 100 kg gingen mal für die Fassade drauf. Mit so Kleinigkeiten wie eigenen Ballsälen, Kapellen und sonstigen Spielzimmern versüßten sich die Leute dort das Leben. Wohl am beeindruckensten ist der Amber-Room (das Bernstein-Zimmer). Die Wände verziert mit reinem Bernstein und Gold strahlt dieser Raum wohl eine ganz besondere Anziehung aus. Auch werden dem Bernstein hier Eigenschaften nachgesagt, wie zB dass er das Leben verlängern soll. Besucher dürfen hier keine Fotos machen und sich auch nicht länger als 5 Minuten drinnen aufhalten. (Man fühlte auch die wahnsinnige Energie die auf den Körper einwirkte *hust hust*)

Kathedrale vom Catherines Palast
Der berühmte Spiegel-Saal
Spiegel-Saal
Bernstein Zimmer
Christina, Ducky und ich
 Anschließend gings zurück nach St. Petersburg, wo wir nochmals alleine die Stadt erkundeten. Diesesmal war unser Ziel die St. Isaacs Kathedrale. Diese bietet die Möglichkeit die Stadt von oben zu sehen. Mehr als 200 Stufen bringen die Besucher auf die Aussichtsplattform, die eine wunderschöne Rundumsicht ermöglicht.

Ausblick über die Stadt
Wenn man schon mal dort ist: Herr Lenin persönlich. Es war ja schließlich der 7te November

Abends wurde dann typisch russisch gegessen. Mit Stroganoff und Bier verabschiedeten wir uns von der Stadt. Müde Füße und die Anziehung von klaren Getränken waren an diesem Abend stärker als die Möglichkeit, die Stadt nochmals in der Nacht erkunden zu können.


Heimreise:
Abermals gezeichnet (mehr oder weniger) von der letzten Nacht gings um 7 in der Früh zum Bus um die Heimreise anzutreten. Geprägt von Schnarchgeräuschen im Bus, einen kleinen Schneesturm vor der finnischen Grenze, 2 Stunden Aufenthalt an der russisch-finnischen Grenze und dem Besuch des Duty-Free-Shops fand dieser Tag schließlich am Schiff seinen Ausklang. Stephans 3 Liter Flasche Vodka war zu schwer zum Tragen, also mussten alle 32 Leute mithelfen, um ihm etwas an Last von den Schultern zu nehmen. ;-)

Mit kleinen Hoppalas und weniger wilden Schießereien (einer von uns wurde auf der Straße mit einem Plastikgeschoss angeschossen - in den Oberschenkel --> schöner blauer Fleck und gerissene Jeans) ging also der Trip nach Russland zu Ende.Der Trip war soweit einer der besten hier in Schweden. Die Stadt ist es absolut Wert dort hin zu fahren. Wunderschön zum Anschaun, viel Geschichte, viel Kultur. Obwohl ich total andere Eindrücke von Russland erwartet hatte muss ich sagen, ist nun St. Petersburg für mich wohl eine der schönsten Städte die ich gesehen habe.

Hier die Bilder dazu:
Anreise: Stockholm - Turku
Ankunft: St. Petersburg bei Nacht
Tag I: Stadtour, Hermitage, Russian Folk Dance
Tag II: Pushkin, Caterines Palace, City

Ciao,
Harald (Харальд)

PS: wer Tippfehler findet oder Rechtschreibfehler .... :)

Montag, 1. November 2010

Venedig des Nordens: Stockholm

Hallo zusammen,

lange ist es her, dass ich den letzten Eintrag hier geschrieben haben. Doch besser spät als nie berichte ich nun mal von den vergangenen 3 Wochen, wo doch durchaus viel geschehen ist.

Mit dem Besuch von Stockholm habe ich nun fast alle großen Städte in Schweden gesehen und auch den königlichen Boden hier in Schweden betreten. Zusammen mit vielen Freunden und Bekannten ging es für 3 Tage ins Venedig des Nordens, wo die Häuser von Stockholm idyllisch auf kleinen Inseln gelegen sind.

Tag I: Stockholm bei Nacht
Der erste Tag war mehr oder weniger als Anreisetag geplant, da wir doch erst recht spät vom Campus aufgebrochen sind und die Fahrt Richtung Norden mit dem Bus auf schwedischen Straßen doch lange dauert. 7 Stunden nach Abreise von Växjö sahen wir die Stadt vor uns liegen. Da war es aber auch schon fast 16 Uhr. Nachdem wir dann aber im Hostel eingecheckt haben - manche von uns durften ja am Schiff schlafen - gings für eine Ersterkundung in die Stadt.

Die Unterkunft von machen von uns: das Schiff
Schwedens Reichstag

Nachdem wir ja neu in der Stadt waren gings mal einem definierten "Sightseeing-Path" nach, der uns über die belebten Shoppingstraßen führte, vorbei an der Kunstalle, durch die Fußgängerzonen Richtung Reichstag und Königspalast und wieder zurück zum Hostel.

Fußgängerzonen mit bekannten Schildern


Da es ja schon recht spät war, durften wir dann aber die Stadt bei Nacht erleben. Und wie fast jede Stadt sieht auch Stockholm in der Nacht nochmal besser aus. Sogar der sonst nicht so schöne Königspalast in Stockholm sieht in der Nacht noch gut aus :-D

Nächtliches Stockholm
Unsere Unterkunft bei Nacht
Königspalast (kongligen slottet)
Nach diesem ersten Ausflug durch die Stadt gings später in die Stadt zurück um den Abend in einem Pub ausklingen zu lassen.

Tag II: Stockholm bei Tag und der Königspalast
Am Vormittag durften wir hier die Stadt wieder selbst erkunden. Also wählten wir eine andere Route als den Abend zuvor. Diesmal führte uns der Weg vorbei am Nationalmuseum und der Oper sowie dem Dramatheater und später zum Palast, wo wir dann die Ablöse der Palastwache verfolgten.

Nationalmuseum
Theater
Um 13 Uhr waren wir zum Vorplatz des Palasts bestellt worden, um die Ablöse der Wachen mitverfolgen zu können, doch enttäuschten uns die schwedischen Soldaten hier voll und ganz. Aus der sonst so groß beschriebenen schwedischen Pünktlichkeit wurde an diesem Tag nichts. Mit beinahe einer Stunde Verspätung begannen die Soldaten erst kurz vor 2 mit der Ablöse. Da wir aber dann zur Führung durch den Palast mussten, erlebten wir nicht alles mit. Obwohl das Spektakel so groß beschrieben wird, ist es nichts besonderes. Eine Militärmusik marschiert ein, gefolgt von der neuen Mannschaft. Dann gibts kurz eine Aussprache zwischen den Dienstführenden Offizieren, und das wars dann auch schon.

Militärmusik
"Melde, 20 Mann zur Dienstablöse angetreten"
Der Palast an sich ist nicht so prächtig wie man sich einen Palast vorstellen würde. Der Palast brannte irgendwann so gegen 1730 beinahe vollkommen nieder. Der vorige Palast sah aus wie ein Disney-Schloss. Wunderschön, wenn man zumindest den Skizzen und Modellen Glauben schenkt. Die damaligen Könige wollten dann aber in Ruhe und Ordnung leben und wollten nach dem Vorbild von Versailles einen Palast, der symmetrisch ist. Doch Außen spiegelt sich nicht wirklich Versailles wider. Die Fassade ist ein bisschen heruntergekommen und in mattem Grau-Braun gehalten. Kein Gold, keine Verziehrungen, kein Garnichts. Innen jedoch kann der Palast durchaus mit dem in Schönbrunn zB mithalten. Prunkvolle Säle, Schlafzimmer, Arbeitszimmer usw prägen das Bild. Leider durfte ich hier keine Fotos machen.
Fazit vom Palast: innen schön, aber außen nicht so ansehenswert.
Unser Kommentar: "die hätten besser noch 10 Mio. SEK in die Fassade investiert anstatt die Vasa zu bauen und dann eh 1,5km vorm Hafen untergehen zu lassen"

Town-Hall am Hügel

Tag III: Vasa-Museum und Skansen
Nachdem es ja am Vorabend eine doch etwas ausgelassene Feier gab, begann der nächste Tag etwas ruhiger mit einem angenehmen Besuch im Vasa-Museum.

Die Vasa war ein Schiff der Schweden um die damaligen Feinde (vor allem Polen und die Dänen) zu beeindrucken. Für damalige Zeiten hatte es abnormale Maße und war mit 64 Kanonen ausgestattet, auf 2 Ebenen. Das war auch das Problem, was die Vasa 1,3 km vor Stockholm zum kentern brachte. Durch die enorme Schräglage bei Wind kenterte die Vasa und sank. Fehler war wohl die zweite Kanonenreihe an Bord, die der König noch unbedingt eingeführt haben wollte, obwohl das Schiff für eine ausgelegt war. Der erhöhte Schwerpunkt und die enorme Segelfläche von 1300m² brachten das Schiff bei geringem Wind in Schräglage. Mehr Infos dazu gibts hier, wenns jemanden interessiert: Vasa @ Wiki
Das Museum selbst beinhält nun die gehobene Vasa, die erstaunlich gut erhalten ist, da sie im kalten Wasser vor Stockholm nicht vom Schiffswurm zersetzt wurde. Das Musuem ist echt sehenswert und ein MUSS wenn man nach Stockholm kommt.

Die Vasa

Danach gings noch ins Skansen "Freiluft-Museum". Dabei handelt es sich um eine kleine Stadt, die originalgetreu vom Süden Stockholms in die Stadt übersiedelt wurde. Alle Gebäude sind hier in ihrem ursprünglichen Aussehen erhalten und werden weiterhin bewohnt und betreut. Man kann in alle diese Gebäude rein gehen und den Leuten bei der Arbeit zusehen. Bäcker, Töpfer, Hufschmiede, ....

Die typischen schwedischen Häuschen sind hier zu sehen wie auch Windmühlen, die sich normalerweise auf Öland befinden.
Alles in allem ist Skansen wirklich wunderschön, wenn man schwedischen Lebensstil erkunden will. Wirklich nur zu empfehlen.


Eingang zum Skansen Park/Museum
Schwedische Süßspeise: Kanelbullar
Die Art von Zaun kommt mir bekannt vor
Windmühle von Öland (oder wars Gotland *gg*)
Nach 2,5 Monaten in Schweden: ich lebe noch :)

Nach diesem letzten Museum gings dann wohl recht müde zurück nach Växjö, erneut 7 Stunden im Bus. :(

Hier noch die Links auf die restlichen Bilder:
Tag I: Abend in Stockholm
Tag II: Stockholm bei Tag, Königspalast
Tag III: Vasa und Skansen

Hej då,
Harald

PS: wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten