Das Weisshorn stand bei mir dieses Jahr neben der Dent Blanche ganz weit oben auf der Liste der Berge, die ich im Wallis besteigen wollte mit Roman. Es gab viel Neuschnee in den letzten Tagen, und so war eigentlich die Besteigung fast unrealistisch geworden. Mit dem zusätzlichen Schönwettertag, den wir für den Zustieg zur Cab. de Tracuit nutzten, sollte sich aber der Schnee in den Flanken besser setzen oder gar abschmelzen, so der Plan.
Kurz zu den Fakten der Tour über den Nordgrat:
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| Gipfel / Höhe | #47 - Bishorn (4.159m) #48 - Weisshorn (4.505m) |
| Am Gipfel am | Fr, 01.08.2025, ca. 10 Uhr. Aufbruch ca. 2:40 Uhr bei der Hütte. (ca. 12h von Cab. de Tracuit bis zur Weisshornhütte, +2h ins Tal)
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| Land / Region | Schweiz / Walliser Alpen |
| Art und Schwierigkeit | Hochtour, ZS+, bis 45°, bis 4a
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| Höhenmeter | 1.500 Hm↑ - ca. 3.285 Hm↓
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| Tourenpartner | Roman |
| Route | Cab. de Tracuit - Bishorn - Nordgrat - Weisshorn - Ostgrat - Weisshornhütte |
Auf der Hütte habe ich gut geschlafen. Sie war nicht voll belegt und so war ich in einem 12er Zimmer nur mit 3 anderen Gästen, die tags zuvor schon am Bishorn waren und dann nur noch ins Tal abstiegen. Sie taten mir fast etwas leid, als ich um 1:45 Uhr aufstand.
Stress hatten wir keinen, das wussten wir, denn unser Plan war es, dass wir bei Tagesanbruch am Einstieg zum Nordgrat stehen, und das schafften wir locker, ist doch der Weg zum Bishorn eine reine Gletschertour. So stiefelten wir um ca. 2:40 Uhr los von der Hütte. Ohne große Worte ging es dann über den Gletscher hoch - ich glaube, Roman hatte nochmal ein Nickerchen eingelegt beim Gehen, so ruhig war er. So waren wir dann schon über eine Stunde vor Sonnenaufgang am Bishorn, was ja zu früh war.
Wir machten kurz Pause und rüsteten uns weiter aus, vor allem die Jacke musste aus dem Rucksack, zog es doch wieder über den Grat, wieder Westwind. Den Verbindungsgrat zwischen Bishorn und Nordgrat machten wir noch halb schlaftrunken am halblangen Seil in der Kälte. Es zog derart über den Grat, dass wir uns beide tief in die Jacken verkrochen und kein Wort redeten - Blickkontakt musste reichen.
Ab dem Felsteil wurde es dann besser. Die Sonne kam nun hervor und drückte, wenn auch spärlich, etwas durch, was wärmte. Zudem klettert man größtenteils in der Ostflanke, wo wir vor dem Wind etwas geschützt waren. Leider wurde es gleichzeitig mehr bewölkt, was die Stimmung etwas trübte. Gehoben wurde diese aber durch den Fakt, dass die Spur, der wir folgten, anscheinend doch durch ging. Auf der Hütte wurde uns gesagt, die Seilschaften am Tag davor hatten umgedreht. Dem war aber anscheinend nicht so.
Je weiter wir kletterten, desto schöner wurde dann das Wolkenschauspiel und langsam ging es über zu fast vollkommen ungetrübtem Sonnenschein, der aber nicht lange hielt. Bis zur Schlüsselstelle am Großen Gendarmen kletterten wir alles mit Steigeisen, da viel Schnee auf den Felsen lag. Und obwohl die Schlüsselstelle staubtrocken war, beließen wir es bei den Eisen und kletterten mit diesen, da wir sie danach sowieso wieder anziehen hätten müssen.
Nach dem Gendarmen ist der Felsteil eigentlich zu Ende, es folgt lediglich eine kurze Passage noch, wo man ein paar mal die Hände braucht. Wir gingen bis dahin seilfrei, seilten dann nochmals kurz an, und gingen danach wieder seilfrei weiter. Der Grat war dick eingeschneit und die Spur vom Tag davor war tief. Ausrutschen fast unmöglich, wenn man sich nicht ganz doof anstellt. Zudem erlaubte es uns - und vor allem Roman - abgewandt vom Wind zu gehen, denn Roman hätte sonst immer mit Sprungseil an der kurzen Hand gehen müssen, was extrem zehrend gewesen wäre im Wind.
Langsam drückten Nebel über den Grat, was die Sache einerseits noch kälter machte, aber andererseits auch spektakulärer. Der Firngrat steilt zum Schluss recht auf und einmal mussten wir an einer blanken Stelle auch eine Schraube setzen. Nach gut 7h20min standen wir um etwa 10 Uhr am Gipfel, fast gleichzeitig mit zwei französischen Bergführern und deren Gästen, die den Normalweg machten.
Noch vor diesen starteten wir den Abstieg und kamen vor allem oben zügig voran, konnten wir doch alles in gutem Firn ablaufen. So vergingen die ersten 300-400 Höhenmeter richtig schnell. Ab und zu musste man abseilen, dann wieder laufen. Im unteren Drittel wurde der Grat dann sehr mühsam. Wir kletterten viel am Running-Belay bis zum Frühstücksplatz. Ausrutschen hier am Grat ist keine Option und der Grat ist ein reiner Bruchhaufen.
Ab dem Frühstücksplatz kletterten wir seilfrei das Blockgelände (I-II) über den Sporn ab. Dort hieß es, nicht zu weit in die Flanken auszuweichen, denn je weiter vom Grat (bzw. der Spur) weg, desto schlimmer und brüchiger wurde es. Nach einem letzten längeren Abseiler zum Schluss wanderten wir den Rest durch das Wasserloch ab und standen später am aperen Gletscher, den wir ohne Steigeisen queren konnten, ist er doch mittlerweile so flach.
Nach 12 Stunden kamen wir bei der Weisshornhütte an, wo es erstmals einen Kuchen und etwas zu trinken gab. Kurz verschnaufen, kurz die Beine auslockern und durchatmen. Dann machten wir uns an den restlichen Abstieg ins Tal, der sich noch zwei Stunden lang zog.
14 Stunden wurden es letzten Endes von der Cab. de Tracuit bis ins Tal nach Randa. Über 3.200 Höhenmeter im Abstieg. Da freuen sich die Knie :-P Danach ging es zu Rosi, wo ein gutes Abendessen wartete und das Bett.
Harald
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| Kurz unter dem Bishorn: es wird Tag und die Stirnlampen Richtung Festijoch am Dom sind zu sehen. |
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| Unser Weiterweg, noch vom Bishorn aus gesehen. Der Große Gendarm wirkt so recht mächtig. |
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| Wir kämpfen uns im kalten Westwind höher, dem Felsteil zu. |
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| Und dann drückt sie doch noch: die Sonne kommt endlich durch und wärmt. |
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| Ostseitig im Felsteil wurde es dann glatt warm. |
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Auch speziell: die Stimmung am Matterhorn. vlnr: Matterhorn, dann im Vordergrund das Zinalrothorn (rein felsig), dann dahinter die Nordwand des Obergabelhorns gefolgt vom Dent d'Herens. Der Felskoloss rechts ist die Dent Blanche mit dem Viereselsgrat. |
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| Unser Weiterweg durch den Fels. Ein ständiges Auf und Ab am Grat. |
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| Und dann wars wieder vorbei mit Sonne. Es wurde wieder dunstiger. |
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| Sieht fast nach Regen aus dort hinten. |
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| Und siehe da, die Sonne drückt nochmals. |
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| Manche der Türme umgeht man auch einfach. |
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| Bevor man dann aber am Großen Gendarmen wirklich klettern muss. |
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| Dies aber in gutem Fels. |
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| Rückblick zum Bishorn und dem ersten Teil des Grates. |
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| Roman ist am ersten Stand vom Großen Gendarm angekommen. |
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| Schöne Seillängen am Gendarmen. Hier wird es sogar richtig warm beim Klettern. |
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| Größtenteils selbst abzusichern, aber "gutmütiger" Fels. |
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| Jetzt ist auch die Dent Blanche frei. |
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| Dafür macht es bei uns wieder zu :-( |
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| Nach den Hauptschwierigkeiten am Großen Gendarm folgt noch der Firngrat mit einem kurzen Felsteil. Ab jetzt haben wir spektakuläre Tiefblicke und Föhnstimmung. |
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| Himmelsleiter? |
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| Dort hinten wärs jetzt noch schön. |
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| Die kalte Luft des Westwindes kondensiert sofort auf der warmen Ostseite des Weisshorns und sorgt für eine Fahne. |
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| Hier ist es kurz blank und wir müssen schrauben. |
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| Danach folgt "Gehgelände" im tiefen Schnee. |
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| Fertig aber glücklich. |
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| Die letzten Meter hoch zum Gipfel, der "noch" frei ist. |
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| Volle Konzentration nochmals. Ein falscher Schritt wäre hier fatal. |
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| Gipfel des Weisshorns auf 4.505m. Ein wunderschöner Walliser 4000er, der ehrlich verdient werden muss, von allen Seiten. |
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| Typisches "scramble" Gelände am Weg ab über den Ostgrat. |
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| Unten weiter dann eher "Gehgelände" bzw. Blockgelände, das wir seilfrei machen. |
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| Ein letzter Abseiler und dann sind wir aus den Schwierigkeiten draußen. |
 | | Abrutschen ist dann doch knieschonender. |
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| Wir gehen die Rampe beim Wasserfall ab. Am Tag einfach zu sehen und zu finden. In der Nacht von unten rauf sicher eine Challenge. |
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| Die schöne Weisshornhütte ist erreicht. |
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| Wir genießen die Aussicht und erholen uns etwas, bevor wir noch 1700hm ins Tal wandern. |