Sonntag, 7. September 2025

#51 - Aletschhorn (4.194m)

Wie jedes Jahr ging es auch mit der Bergrettung noch auf eine Hochtour. Heuer hatten wir das Glück, dass es ein langes Wochenende gab, da der 8. September in Liechtenstein ein Feiertag ist. So konnten wir eine Tour am Sonntag ohne Zeitstress machen, mussten wir doch nicht mehr am gleichen Tag wieder absteigen und nach Hause fahren.

Wir wählten das Oberaletsch-Gebiet aus für die Touren und stiegen dort am Samstag ganz gemütlich nach der Anreise und dem Mittagessen von der Belalp aus zur Oberaletsch-Hütte zu. Am Sonntag folgte dann mit dem Aletschhorn eine lange und harte Tour auf den fast 4.200m hohen Berg. Keiner von uns war akklimatisiert. So traf es sich gut, dass wir am Sonntag nicht mehr ganz absteigen mussten, sondern die Tour auf der Hütte noch etwas "feiern" konnten.

 Kurz zu den Fakten der Tour:

Facts
Gipfel / Höhe #51 - Aletschhorn (4.194m)
Am Gipfel amSo, 07.09.2025, ca. 10 Uhr. Aufbruch ca. 3:50 Uhr (ca. 12h Geh- bzw. Kletterzeit hin und retour)
Land / RegionSchweiz / Berner Alpen
Art und SchwierigkeitHochtour, ZS-, bis 2a, wenig Gletscher und Firn
Höhenmeter1.950 Hm↑ - ca. 1.950 Hm↓
TourenpartnerBergrettung Liechtenstein
RouteOberaletschhütte - Normalweg über die SW-Rippe

Tagwache war um 3 Uhr am Morgen, nach einer eher schlechten Nacht. Ich war nicht akklimatisiert und konnte so kaum schlafen. Nach einem guten Frühstück fühlte ich mich aber fit genug, um die Tour anzupacken. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ich wenige Wochen davor doch wieder krank wurde. Um etwa 3:50 Uhr starteten wir in die helle Nacht - es war Vollmond. Fast ohne Stirnlampen konnten wir die 200hm im Klettersteig zum Gletscher absteigen, dem wir dann fast eineinhalb Stunden lang folgten. Ein reiner Gletscherschutt-Hatscher. 

Als wir nun im Aufstieg zum Sporn der SW-Rippe waren, kamen wir mehr in Blockgelände, welches recht mühsam war. Teils zu groß, um einfach gemütlich drüber gehen zu können und man musste klettern, teils aber auch zu klein, und es rollte weg. So kostete der erste Teil des Aufstieges schon viel Kraft. Auf ca. 3250m drehten dann leider Sebastian und Paola um. Für den Rest ging es noch etwa 150hm rauf bis zum Einstieg in den Gletscher. Dort holten wir die Seilschaft vor uns ein, die etwa 40 Minuten vor uns an der Hütte gestartet ist.

Der Gletscher war durch den Schneefall von den Tagen davor genau richtig mit einer Firnschicht bedeckt, sodass wir in gerader Linie aufsteigen konnten. Auf etwa 3700m quert man dann wieder auf die SW-Rippe, welche man dann in lockerer Kletterei (bis 2a) erklettert. Alle 30-35m stehen dort auch Stangen, die das Sichern erleichtern, denn viel "solides" Felsmaterial liegt nicht am Grat. Nur ab und zu hat man eine gute Zacke oder einen Block.

Nach etwa 6 Stunden standen wir dann am Gipfel des Aletschhorns. Alle waren wohl etwas fertig vom vielen Schnaufen hier hoch, waren doch alle nicht akklimatisiert, bis auf eventuell Lea, die 3 Tage am Grimselpass zum Klettern war. Die 30 minütige Pause tat also gut. Wir genossen das schöne Wetter, die Aussicht und die Wärme.

Danach packten wir zusammen, schrieben uns noch ins Gipfelbuch und begannen dann mit dem Abstieg. Die andere Seilschaft sollte genau dann oben aussteigen, also etwa 40 Minuten nach uns.

Als Zweierseilschaft mit David entschlossen wir uns dann zu einer Kombination aus Ablassen und Abklettern. Ich lies David immer die vollen 40m des Seiles zur nächsten Stange ab - er nannte es den Harald-Express - und ich kletterte dann ab, was am schnellsten ging und auch wenig Steinschlag auslöste. So kamen wir zügig ab. Unten wollte dann das Blockgelände nicht enden und vor allem die Motivation machte sich bemerkbar. 

Endlich den Gletscherschutt erreicht, wussten wir, dass wir noch 1.5 Stunden nach vorne gehen mussten, in der Hitze des Tales und später nochmals 220hm aufsteigen mussten. Mich quälte dann schon langsam ein Husten, der sich bemerkbar machte. Anscheinend kam mein Husten wieder zurück, nachdem ich 3 Wochen lang davon nichts mehr spürte.

Am Gegenanstieg lies ich allen anderen den Vortritt. Ich wollte in aller Ruhe dort hoch, den Körper nur nicht mehr überfordern, was ich wohl sowieso schon hatte. So kämpfte ich mich dann noch den Klettersteig nach oben und fragte mich laufend, warum eigentlich ich wieder das Seil mit nach oben schleppe, wenn doch die anderen fitter gewesen wären :-P
Gut 10 Minuten nach den anderen kam ich dann wirklich "nudelfertig" an der Hütte an und brauchte einen Regenerations-Radler, der quasi am Gaumen verdunstet ist. Die Lebensenergie kam langsam zurück, doch mit der Wärme der Sonne in der Widerhitze der Hütte leider auch der Husten, der noch schlimmer werden sollte. 
Auch konnten wir dort noch live die Air Zermatt beobachten, die zwei Leute der Seilschaft hinter uns ausflog, da einer davon anscheinend zu erschöpft und verletzt war.

Abends feierten wir den Gipfelerfolg noch etwas und probierten uns durch die Schnäpse der Hütte, was die Hüttenwartin freute und uns besser schlafen lies. Den Abstieg am nächsten Tag gingen wir dann in aller Gemütlichkeit und nach einem ausgiebigem Frühstück an, erst um 8:20 Uhr. Auf der Belalp ließen wir uns wieder nach unten "schweben" mit der Bahn und stärkten uns anschließend bei einem guten Essen in Blatten bei Naters, bevor uns Christoph in Rekordzeit über den Furka- und Oberalppass zurück nach Liechtenstein brachte.

Harald


Es dämmert langsam.

Das Nesthorn hinten links hat schon Sonne. Unsere Stimmung ist gut.


Am Gletscher lag gerade noch so viel Schnee, das wir gut gehen konnten.

Das Monte-Rosa.


Der obere Teil der SW-Rippe.

Es hätte durchaus mehr Schnee haben können, welcher deutlich leichter zu klettern war, als der brüchige Fels.

David geht voraus. Oben Heini und Lea.

Aletschhorn, 4.194m

Blick zu den Fiescherhörnern, hinten Schreck- und Lauteraarhorn, vorne rechts das Finsteraarhorn.
Unten der Konkordiaplatz.

Blick zu Mönch und Jungfrau.

Gipfelrast in der Sonne.

Abstieg durch den Bruchhaufen.

Endlich raus aus dem Bruch, ab jetzt nur noch Block.

Der gesamte Weg zum Aletschhorn. Unten der schuttbedeckte Gletscher.

Heini im Klettersteig hoch zur Hütte.

Morgenstimmung an der Hütte am Montag.

Ein schönes Farbenspiel.

Und tschüss Oberaletschhütte.


Sonntag, 3. August 2025

#49 & #50 - Liskamm Traverse Ost (4.532m) - West (4.477m)

Nach dem langen Tag am Weisshorn und den Erkenntnissen davon (viel Schnee, kalt, windig), planten wir den letzten Tourentag. Eigentlich wollten wir ursprünglich durch die Nordwand des Liskamms klettern, zB die Welzenbach, doch lag dafür zu wenig Firn in den Flanken. Vor allem nach oben hin sah man die Wand fahl durchscheinen, also Blankes Gletschereis war dort obenauf.

Da das Wetter zwar gut angesagt war, aber sehr kalt und windig, planten wir um und entschieden uns für die Überschreitung des gesamten Liskammes von der Monte-Rosa-Hütte weg bis hin zur Bergstation Klein-Matterhorn, also noch über den Castor und weiter über das gesamte Breithorn-Plateau. Eine lange Tour. 20 Kilometer, um genau zu sein.

 Kurz zu den Fakten der Tour:

Facts
Gipfel / Höhe #49 - Liskamm Ostgipfel (4.532m)
#50 - Liskamm Westgipfel (4.479m)
Castor (4.223m)
Am Gipfel amSo, 03.08.2025, ca. 7:15 Uhr. Aufbruch ca. 1:20 Uhr!
(ca. 11h Geh- bzw. Kletterzeit)
Land / RegionSchweiz / Walliser Alpen
Art und SchwierigkeitHochtour, ZS+, bis 45°, ca. II an wenigen Stellen
Höhenmeter und Länge2.325 Hm↑ - ca. 1.420 Hm↓ und über 20 Kilometer!
TourenpartnerRoman
RouteMonte-Rosa-Hütte - Lisjoch - Liskamm Ost-West Überschreitung - Felikjoch - Castor - Breithorn Plateau - Bergstation Klein Matterhorn 

Nach einem kleinen Sandwich-Frühstück starteten wir gegen 1:20 Uhr am Morgen von der Hütte los. Es war recht warm draußen, war es doch etwas neblig. Den unteren Teil des Weges fanden wir auf Grund der Steinmännchen gut. Am Gletscher angekommen zogen wir uns etwas an, kam doch ein kalter Wind vom Lisjoch herab. Roman fand dann den Weg durch den Bruch 1A! Mitten in der Nacht, bei wenig Sicht, auf einem aperen Gletscher! 

Den Bruch hinter uns lassend, stiegen wir langsam höher und es wurde kälter. So kam dann der Pullover dazu und kurz vor dem Lisjoch mussten auch die Gore-Jacken gegen den Wind her. Im Lisjoch angekommen suchten wir hinter einer Wechte Schutz und wärmten uns etwas auf. Es dämmerte schon langsam, was für den Aufstieg am Grat gut war, konnten wir doch nun ohne Stirnlampen gehen. Wir verharrten sicher 20 Minuten dort im Windschatten und wärmten Hände und Zehen wieder so gut wie möglich auf. Hätte ich das gewusst, hätte ich die dicken Schuhe angezogen. Doch von so viel Wind war nie die Rede im Wetterbericht.

Wir stiegen ab dann seilfrei auf bis zum Ostgipfel. Die Spur war sehr gut und vom Wind her war es einfach die bessere Option. So konnten wir uns aus dem Wind drehen, unabhängig voneinander Halt machen und uns aufwärmen und Roman konnte auch die Hände gut wärmen, ohne immer angespannt gehen zu müssen. Ab etwa 4.200m hatte ich dann richtig zu kämpfen. Irgendwas stimmte nicht ganz. Ich musste extrem schnaufen und bekam wenig Luft. Klar, die Höhe, aber wir waren am Weisshorn auch auf 4.500m unterwegs, ohne große Mühen. So musste ich öfters Pause einlegen und hing etwas hinterher. Endlich, als die Sonne kurz nach 6 Uhr über die Dufourspitze drüber kam und neben der Zumsteinspitze vorbeilugte, tauchte sie den Grat in oranges Licht und spendete Wärme! Wie schön. Die Zehen fingen langsam an aufzutauen und das Atmen ging leichter.

Um ca. 7:15 Uhr erreichten wir den Ostgipfel des Liskamms und machten dort kurz Pause. Ich zog mir den Buff über, da meine Nasenspitze schon weiß war (Spoiler: habe mir die Haut dort erfroren), und wir tauten unsere Trinkschläuche auf, um etwas zu trinken. Es war ARSCHKALT! Ich bin nicht anfällig auf Kälte, oder nicht sonderlich, aber selbst mir war so kalt, dass ich zittern musste. Im Wissen, dass ich noch zur Not eine Daunenjacke dabei hatte, die ich unterziehen konnte (quasi als ultimativ letztes Backup, wenn wir wo blockiert wären), ging es dann weiter. Ich bewegte mich wieder mehr am Grat und die Sonne tat gut. So konnte ich den Körper gleich wieder besser wärmen und das Zittern verschwand. 

Kurz vor dem Westgipfel mussten wir kurz Hand anlegen und eine IIer Stelle klettern, die aber schnell hinter uns lag. Dann nahmen wir den Westgipfel im Laufschritt mit und eilten der Westflanke zu. Dort wandten wir uns nämlich vom Wind ab und konnten somit im Lee absteigen. Wie schön! Zwar im Schatten, aber windstill. Unten weiter machten wir dann ausgiebig Pause und wärmten uns ordentlich auf, tranken und aßen etwas. 

Der Weiterweg über das Felikjoch und hoch zum Castor war dann eigentlich ein lockeres Auslaufen. Kurz gingen wir am Seil über das Plateau und später dann beim Überwinden der Randkluft unter dem Castor. Danach liefen wir zügig die Flanke des Castors seilfrei ab und seilten erst unten wieder an, als wir am flachen Gletscher ankamen.

Der Rückweg unter dem Pollux vorbei und rüber zur Roccia Nera war mir schon bekannt und auf der Autobahn lief es sich hervorragend, vor allem auch deswegen, weil wir früh dran waren und alles noch hart gefroren war. Im Windschatten unter der Roccia Nera legten wir nochmals Pause ein, stärkten uns und - Trommelwirbel - zogen uns Jacken aus, da es warm wurde in der Sonne.

Die Akkus waren langsam unten und vor allem die Motivation lies grüßen. Nach 10 Stunden Gehzeit, den ganzen Schwierigkeiten hinter uns und der Autobahn vor uns war es schwierig, die Konzentration hoch zu halten. Doch wir bissen durch und so legte der Roman-Express ein gutes Tempo vor, sodass wir nach 11 Stunden Gehzeit, 2.300 Höhenmetern und über 20 Kilometer an der Bergstation der Klein-Matterhorn-Bahn standen. Erleichtert, glücklich und wieder aufgewärmt!

Mit der Bahn schwebten wir ins Tal und dann ging es mit dem Taxi zurück zu Rosi, wo es nach einer Käseschnitte und einem Radler noch Zeit für ein paar Berggeschichten mit dem Puiva-Paul gab, ehe ich zum Zug eilen musste.

Neben vielen tollen Eindrücken vom Wallis, tollen Touren und Bergmomenten mit Roman und einigen netten Gesprächen auf Hütten nahm ich leider dieses Mal auch einen lästigen Husten mit nach Hause, der mir noch länger erhalten bleiben sollte.

Harald

Es dämmert. Wir suchen Schutz hinter der Wechte. Die zwei anderen Bergsteiger machen Pause im Wind. Warum auch nicht?

Der weitere Aufstieg. Ein scharfer Firngrat.

Tja, wäre da der Grenzipfel bzw. das Monte Rosa nicht, hätten wir auch schon Sonne.

Am Weisshorn kündigt sich ein schöner Tag an.

Sieht nahe aus, ist aber noch weit. Der Weg hoch zum Ostgipfel.

Langsam schleicht sie sich an. Die Parrotspitze hat schon Sonne.

Selten so sehnlich auf die Sonne gewartet wie an diesem Tag.

Man sieht den Wind an den Schneefahnen. Am Grat muss unbedingt auf Wechten geachtet werden.

Irgendwie unspektakulär der letzte Anstieg.

Und dann sind wir da mit einem tollen Blick zum Mont Blanc sowie zur Paradiso-Gruppe.

Eine gute Spur leitete dann weiter zum Westgipfel.

Dort mussten wir zuerst aber wieder hochklettern.


Schlüsselstelle am Westgipfel. Ein kurzer Felsaufschwung.

Rückblick zum Ostgipfel.

Ausblick zum Matterhorn.

Der Wind, die Kälte, die grelle Sonne. Ich konnte nicht wirklich lachen, waren meine Gesichtszüge irgendwie eingefroren und das Licht einfach zu grell in den Augen.

Ein toller Abstieg in dieser Spur. So ging es zügig ab und das ohne Probleme.

Weiterweg zum Castor über das Felikjoch.

Der Wind hat noch nicht abgestellt.

Blick "ins vorige Jahr": die Grandes Jorasses Überschreitung!

Blick vom Castor zum Liskamm.

Ein großer weißer Berg: das Weisshorn! Zwei Tage davor bestiegen wir diesen Koloss aus Schnee und Eis.

Das Breithorn mit der gesamten Traverse

Das Breithorn-Plateau ist in Sichtweite. "Nur" noch 150Hm Gegenanstieg.

Freitag, 1. August 2025

#47 & #48 - Bishorn (4.159m) - Nordgrat Weisshorn (4.505m)

Das Weisshorn stand bei mir dieses Jahr neben der Dent Blanche ganz weit oben auf der Liste der Berge, die ich im Wallis besteigen wollte mit Roman. Es gab viel Neuschnee in den letzten Tagen, und so war eigentlich die Besteigung fast unrealistisch geworden. Mit dem zusätzlichen Schönwettertag, den wir für den Zustieg zur Cab. de Tracuit nutzten, sollte sich aber der Schnee in den Flanken besser setzen oder gar abschmelzen, so der Plan.

 Kurz zu den Fakten der Tour über den Nordgrat:

Facts
Gipfel / Höhe #47 - Bishorn (4.159m)
#48 - Weisshorn (4.505m)
Am Gipfel amFr, 01.08.2025, ca. 10 Uhr. Aufbruch ca. 2:40 Uhr bei der Hütte. 
(ca. 12h von Cab. de Tracuit bis zur Weisshornhütte, +2h ins Tal)
Land / RegionSchweiz / Walliser Alpen
Art und SchwierigkeitHochtour, ZS+, bis 45°, bis 4a
Höhenmeter1.500 Hm↑ - ca. 3.285 Hm↓
TourenpartnerRoman
RouteCab. de Tracuit - Bishorn - Nordgrat - Weisshorn - Ostgrat - Weisshornhütte

Auf der Hütte habe ich gut geschlafen. Sie war nicht voll belegt und so war ich in einem 12er Zimmer nur mit 3 anderen Gästen, die tags zuvor schon am Bishorn waren und dann nur noch ins Tal abstiegen. Sie taten mir fast etwas leid, als ich um 1:45 Uhr aufstand.

Stress hatten wir keinen, das wussten wir, denn unser Plan war es, dass wir bei Tagesanbruch am Einstieg zum Nordgrat stehen, und das schafften wir locker, ist doch der Weg zum Bishorn eine reine Gletschertour. So stiefelten wir um ca. 2:40 Uhr los von der Hütte. Ohne große Worte ging es dann über den Gletscher hoch - ich glaube, Roman hatte nochmal ein Nickerchen eingelegt beim Gehen, so ruhig war er. So waren wir dann schon über eine Stunde vor Sonnenaufgang am Bishorn, was ja zu früh war.

Wir machten kurz Pause und rüsteten uns weiter aus, vor allem die Jacke musste aus dem Rucksack, zog es doch wieder über den Grat, wieder Westwind. Den Verbindungsgrat zwischen Bishorn und Nordgrat machten wir noch halb schlaftrunken am halblangen Seil in der Kälte. Es zog derart über den Grat, dass wir uns beide tief in die Jacken verkrochen und kein Wort redeten - Blickkontakt musste reichen.

Ab dem Felsteil wurde es dann besser. Die Sonne kam nun hervor und drückte, wenn auch spärlich, etwas durch, was wärmte. Zudem klettert man größtenteils in der Ostflanke, wo wir vor dem Wind etwas geschützt waren. Leider wurde es gleichzeitig mehr bewölkt, was die Stimmung etwas trübte. Gehoben wurde diese aber durch den Fakt, dass die Spur, der wir folgten, anscheinend doch durch ging. Auf der Hütte wurde uns gesagt, die Seilschaften am Tag davor hatten umgedreht. Dem war aber anscheinend nicht so.

Je weiter wir kletterten, desto schöner wurde dann das Wolkenschauspiel und langsam ging es über zu fast vollkommen ungetrübtem Sonnenschein, der aber nicht lange hielt. Bis zur Schlüsselstelle am Großen Gendarmen kletterten wir alles mit Steigeisen, da viel Schnee auf den Felsen lag. Und obwohl die Schlüsselstelle staubtrocken war, beließen wir es bei den Eisen und kletterten mit diesen, da wir sie danach sowieso wieder anziehen hätten müssen.

Nach dem Gendarmen ist der Felsteil eigentlich zu Ende, es folgt lediglich eine kurze Passage noch, wo man ein paar mal die Hände braucht. Wir gingen bis dahin seilfrei, seilten dann nochmals kurz an, und gingen danach wieder seilfrei weiter. Der Grat war dick eingeschneit und die Spur vom Tag davor war tief. Ausrutschen fast unmöglich, wenn man sich nicht ganz doof anstellt. Zudem erlaubte es uns - und vor allem Roman - abgewandt vom Wind zu gehen, denn Roman hätte sonst immer mit Sprungseil an der kurzen Hand gehen müssen, was extrem zehrend gewesen wäre im Wind.

Langsam drückten Nebel über den Grat, was die Sache einerseits noch kälter machte, aber andererseits auch spektakulärer. Der Firngrat steilt zum Schluss recht auf und einmal mussten wir an einer blanken Stelle auch eine Schraube setzen. Nach gut 7h20min standen wir um etwa 10 Uhr am Gipfel, fast gleichzeitig mit zwei französischen Bergführern und deren Gästen, die den Normalweg machten.

Noch vor diesen starteten wir den Abstieg und kamen vor allem oben zügig voran, konnten wir doch alles in gutem Firn ablaufen. So vergingen die ersten 300-400 Höhenmeter richtig schnell. Ab und zu musste man abseilen, dann wieder laufen. Im unteren Drittel wurde der Grat dann sehr mühsam. Wir kletterten viel am Running-Belay bis zum Frühstücksplatz. Ausrutschen hier am Grat ist keine Option und der Grat ist ein reiner Bruchhaufen.

Ab dem Frühstücksplatz kletterten wir seilfrei das Blockgelände (I-II) über den Sporn ab. Dort hieß es, nicht zu weit in die Flanken auszuweichen, denn je weiter vom Grat (bzw. der Spur) weg, desto schlimmer und brüchiger wurde es. Nach einem letzten längeren Abseiler zum Schluss wanderten wir den Rest durch das Wasserloch ab und standen später am aperen Gletscher, den wir ohne Steigeisen queren konnten, ist er doch mittlerweile so flach.

Nach 12 Stunden kamen wir bei der Weisshornhütte an, wo es erstmals einen Kuchen und etwas zu trinken gab. Kurz verschnaufen, kurz die Beine auslockern und durchatmen. Dann machten wir uns an den restlichen Abstieg ins Tal, der sich noch zwei Stunden lang zog.

14 Stunden wurden es letzten Endes von der Cab. de Tracuit bis ins Tal nach Randa. Über 3.200 Höhenmeter im Abstieg. Da freuen sich die Knie :-P Danach ging es zu Rosi, wo ein gutes Abendessen wartete und das Bett.

Harald

Kurz unter dem Bishorn: es wird Tag und die Stirnlampen Richtung Festijoch am Dom sind zu sehen.
Kurz unter dem Bishorn: es wird Tag und die Stirnlampen Richtung Festijoch am Dom sind zu sehen.

Unser Weiterweg, noch vom Bishorn aus gesehen. Der Große Gendarm wirkt so recht mächtig.

Wir kämpfen uns im kalten Westwind höher, dem Felsteil zu.

Und dann drückt sie doch noch: die Sonne kommt endlich durch und wärmt.

Ostseitig im Felsteil wurde es dann glatt warm.

Auch speziell: die Stimmung am Matterhorn.
vlnr: Matterhorn, dann im Vordergrund das Zinalrothorn (rein felsig), dann dahinter die Nordwand des Obergabelhorns gefolgt vom Dent d'Herens. Der Felskoloss rechts  ist die Dent Blanche mit dem Viereselsgrat.

Unser Weiterweg durch den Fels. Ein ständiges Auf und Ab am Grat.

Und dann wars wieder vorbei mit Sonne. Es wurde wieder dunstiger.

Sieht fast nach Regen aus dort hinten.

Und siehe da, die Sonne drückt nochmals.

Manche der Türme umgeht man auch einfach.

Bevor man dann aber am Großen Gendarmen wirklich klettern muss.

Dies aber in gutem Fels.

Rückblick zum Bishorn und dem ersten Teil des Grates.

Roman ist am ersten Stand vom Großen Gendarm angekommen.

Schöne Seillängen am Gendarmen. Hier wird es sogar richtig warm beim Klettern.

Größtenteils selbst abzusichern, aber "gutmütiger" Fels.

Jetzt ist auch die Dent Blanche frei.

Dafür macht es bei uns wieder zu :-(

Nach den Hauptschwierigkeiten am Großen Gendarm folgt noch der Firngrat mit einem kurzen Felsteil. Ab jetzt haben wir spektakuläre Tiefblicke und Föhnstimmung.

Himmelsleiter?

Dort hinten wärs jetzt noch schön.

Die kalte Luft des Westwindes kondensiert sofort auf der warmen Ostseite des Weisshorns und sorgt für eine Fahne.

Hier ist es kurz blank und wir müssen schrauben.

Danach folgt "Gehgelände" im tiefen Schnee.

Fertig aber glücklich.

Die letzten Meter hoch zum Gipfel, der "noch" frei ist.

Volle Konzentration nochmals. Ein falscher Schritt wäre hier fatal.

Gipfel des Weisshorns auf 4.505m. Ein wunderschöner Walliser 4000er, der ehrlich verdient werden muss, von allen Seiten.

Typisches "scramble" Gelände am Weg ab über den Ostgrat.

Unten weiter dann eher "Gehgelände" bzw. Blockgelände, das wir seilfrei machen.

Ein letzter Abseiler und dann sind wir aus den Schwierigkeiten draußen.

Abrutschen ist dann doch knieschonender.

Wir gehen die Rampe beim Wasserfall ab. Am Tag einfach zu sehen und zu finden. In der Nacht von unten rauf sicher eine Challenge.

Die schöne Weisshornhütte ist erreicht.

Wir genießen die Aussicht und erholen uns etwas, bevor wir noch 1700hm ins Tal wandern.