Sonntag, 7. September 2025

#51 - Aletschhorn (4.194m)

Wie jedes Jahr ging es auch mit der Bergrettung noch auf eine Hochtour. Heuer hatten wir das Glück, dass es ein langes Wochenende gab, da der 8. September in Liechtenstein ein Feiertag ist. So konnten wir eine Tour am Sonntag ohne Zeitstress machen, mussten wir doch nicht mehr am gleichen Tag wieder absteigen und nach Hause fahren.

Wir wählten das Oberaletsch-Gebiet aus für die Touren und stiegen dort am Samstag ganz gemütlich nach der Anreise und dem Mittagessen von der Belalp aus zur Oberaletsch-Hütte zu. Am Sonntag folgte dann mit dem Aletschhorn eine lange und harte Tour auf den fast 4.200m hohen Berg. Keiner von uns war akklimatisiert. So traf es sich gut, dass wir am Sonntag nicht mehr ganz absteigen mussten, sondern die Tour auf der Hütte noch etwas "feiern" konnten.

 Kurz zu den Fakten der Tour:

Facts
Gipfel / Höhe #51 - Aletschhorn (4.194m)
Am Gipfel amSo, 07.09.2025, ca. 10 Uhr. Aufbruch ca. 3:50 Uhr (ca. 12h Geh- bzw. Kletterzeit hin und retour)
Land / RegionSchweiz / Berner Alpen
Art und SchwierigkeitHochtour, ZS-, bis 2a, wenig Gletscher und Firn
Höhenmeter1.950 Hm↑ - ca. 1.950 Hm↓
TourenpartnerBergrettung Liechtenstein
RouteOberaletschhütte - Normalweg über die SW-Rippe

Tagwache war um 3 Uhr am Morgen, nach einer eher schlechten Nacht. Ich war nicht akklimatisiert und konnte so kaum schlafen. Nach einem guten Frühstück fühlte ich mich aber fit genug, um die Tour anzupacken. Nicht zuletzt auch deswegen, weil ich wenige Wochen davor doch wieder krank wurde. Um etwa 3:50 Uhr starteten wir in die helle Nacht - es war Vollmond. Fast ohne Stirnlampen konnten wir die 200hm im Klettersteig zum Gletscher absteigen, dem wir dann fast eineinhalb Stunden lang folgten. Ein reiner Gletscherschutt-Hatscher. 

Als wir nun im Aufstieg zum Sporn der SW-Rippe waren, kamen wir mehr in Blockgelände, welches recht mühsam war. Teils zu groß, um einfach gemütlich drüber gehen zu können und man musste klettern, teils aber auch zu klein, und es rollte weg. So kostete der erste Teil des Aufstieges schon viel Kraft. Auf ca. 3250m drehten dann leider Sebastian und Paola um. Für den Rest ging es noch etwa 150hm rauf bis zum Einstieg in den Gletscher. Dort holten wir die Seilschaft vor uns ein, die etwa 40 Minuten vor uns an der Hütte gestartet ist.

Der Gletscher war durch den Schneefall von den Tagen davor genau richtig mit einer Firnschicht bedeckt, sodass wir in gerader Linie aufsteigen konnten. Auf etwa 3700m quert man dann wieder auf die SW-Rippe, welche man dann in lockerer Kletterei (bis 2a) erklettert. Alle 30-35m stehen dort auch Stangen, die das Sichern erleichtern, denn viel "solides" Felsmaterial liegt nicht am Grat. Nur ab und zu hat man eine gute Zacke oder einen Block.

Nach etwa 6 Stunden standen wir dann am Gipfel des Aletschhorns. Alle waren wohl etwas fertig vom vielen Schnaufen hier hoch, waren doch alle nicht akklimatisiert, bis auf eventuell Lea, die 3 Tage am Grimselpass zum Klettern war. Die 30 minütige Pause tat also gut. Wir genossen das schöne Wetter, die Aussicht und die Wärme.

Danach packten wir zusammen, schrieben uns noch ins Gipfelbuch und begannen dann mit dem Abstieg. Die andere Seilschaft sollte genau dann oben aussteigen, also etwa 40 Minuten nach uns.

Als Zweierseilschaft mit David entschlossen wir uns dann zu einer Kombination aus Ablassen und Abklettern. Ich lies David immer die vollen 40m des Seiles zur nächsten Stange ab - er nannte es den Harald-Express - und ich kletterte dann ab, was am schnellsten ging und auch wenig Steinschlag auslöste. So kamen wir zügig ab. Unten wollte dann das Blockgelände nicht enden und vor allem die Motivation machte sich bemerkbar. 

Endlich den Gletscherschutt erreicht, wussten wir, dass wir noch 1.5 Stunden nach vorne gehen mussten, in der Hitze des Tales und später nochmals 220hm aufsteigen mussten. Mich quälte dann schon langsam ein Husten, der sich bemerkbar machte. Anscheinend kam mein Husten wieder zurück, nachdem ich 3 Wochen lang davon nichts mehr spürte.

Am Gegenanstieg lies ich allen anderen den Vortritt. Ich wollte in aller Ruhe dort hoch, den Körper nur nicht mehr überfordern, was ich wohl sowieso schon hatte. So kämpfte ich mich dann noch den Klettersteig nach oben und fragte mich laufend, warum eigentlich ich wieder das Seil mit nach oben schleppe, wenn doch die anderen fitter gewesen wären :-P
Gut 10 Minuten nach den anderen kam ich dann wirklich "nudelfertig" an der Hütte an und brauchte einen Regenerations-Radler, der quasi am Gaumen verdunstet ist. Die Lebensenergie kam langsam zurück, doch mit der Wärme der Sonne in der Widerhitze der Hütte leider auch der Husten, der noch schlimmer werden sollte. 
Auch konnten wir dort noch live die Air Zermatt beobachten, die zwei Leute der Seilschaft hinter uns ausflog, da einer davon anscheinend zu erschöpft und verletzt war.

Abends feierten wir den Gipfelerfolg noch etwas und probierten uns durch die Schnäpse der Hütte, was die Hüttenwartin freute und uns besser schlafen lies. Den Abstieg am nächsten Tag gingen wir dann in aller Gemütlichkeit und nach einem ausgiebigem Frühstück an, erst um 8:20 Uhr. Auf der Belalp ließen wir uns wieder nach unten "schweben" mit der Bahn und stärkten uns anschließend bei einem guten Essen in Blatten bei Naters, bevor uns Christoph in Rekordzeit über den Furka- und Oberalppass zurück nach Liechtenstein brachte.

Harald


Es dämmert langsam.

Das Nesthorn hinten links hat schon Sonne. Unsere Stimmung ist gut.


Am Gletscher lag gerade noch so viel Schnee, das wir gut gehen konnten.

Das Monte-Rosa.


Der obere Teil der SW-Rippe.

Es hätte durchaus mehr Schnee haben können, welcher deutlich leichter zu klettern war, als der brüchige Fels.

David geht voraus. Oben Heini und Lea.

Aletschhorn, 4.194m

Blick zu den Fiescherhörnern, hinten Schreck- und Lauteraarhorn, vorne rechts das Finsteraarhorn.
Unten der Konkordiaplatz.

Blick zu Mönch und Jungfrau.

Gipfelrast in der Sonne.

Abstieg durch den Bruchhaufen.

Endlich raus aus dem Bruch, ab jetzt nur noch Block.

Der gesamte Weg zum Aletschhorn. Unten der schuttbedeckte Gletscher.

Heini im Klettersteig hoch zur Hütte.

Morgenstimmung an der Hütte am Montag.

Ein schönes Farbenspiel.

Und tschüss Oberaletschhütte.