Samstag, 20. Juli 2019

Überschreitung Piz Argient (3.945m) - Piz Zuppo (3.996m) - Bellavista (3.922m)

Facts
Gipfel / Höhe 1. Piz Argient / 3.945m
2. Piz Zuppo / 3.996m
3. Bellavista Gipfel West bis Ost / 3.922m
Am Gipfel am Sa, 20.07.2019, ab ca. 8:00 Uhr am Gipfel. Aufbruch um ca. 6 Uhr
Land / Region CH / IT / Berninagruppe
Art und Schwierigkeit Hochtour, PD+, 45°, I-II
Höhenmeter ca. 500 Hm↑ - ca. 2.200 Hm↓
Tourenpartner Manuela
Route Überschreitung Ost nach West
Marco e Rosa Hütte - kurz vor Bellavista-Balkon zum Piz Argient - Piz Argient - Piz Zuppo Überschreitung - Abstieg in die Fuorcola zw. Zuppo und Bellavista - Bellavista Westgipfel - Bellavista Ostgipfel - Fortezzagrat - Morteratsch-Gletscher - Bovalhütte - Bahnhof Morteratsch

Unsere Ausgehtour nach dem Piz Bernina. Sehr lohnend, üblicherweise sehr einsam und alleine bis zum Fortezzagrat. Schöne Kletterei am Grat zwischen Zuppo und Bellavista, etwas brüchiger Aufstieg von der Fuorcola zwischen Argient und Zuppo zum Zuppo über den NW Grat. Kann aber teils gut im Trittfirn umgangen werden. Nach oben hin besser werdend.

Eine besondere Tour, weil man den höchsten 3000er der Bündner Alpen überschreitet. Und wenn man auf Zehenspitzen am Stein steht und den Pickel nach oben ragt, ist die Spitze vielleicht sogar auf 4000 Metern ;-)

So long,
Harald

Kurz vor dem Sonnenaufgang von der Hütte aus fotografiert.

Blick nach Italien. Tags zuvor war uns dieser Blick ja nicht gegönnt.

Am Weg zum Bellavistabalkon: die Sonne kommt.

Nein, nicht das Matterhorn, aber der Mond.

Im Gletscherbruch unter dem Balkon.

Die Sonne wärmt schon besser.

Abzweigung gemacht: am Weg zum Piz Argient gerade voraus.

Am Gipfel des Piz Argient: Blick in Richtung Osten zum Piz Zuppo und den NW Grat, den wir raufkletterten.

Blick vom Piz Zuppo zum Piz Bernina, dem Vortagesziel.

Rückblick auf den Piz Argient und seine zwei Firngrate.

Am höchsten 3000er in den Bündner Alpen. Manu wirkt etwas glücklicher.

Ausblick auf unseren Grat, den wir klettern wollen: Blick zum Bellavista Westgipfel.

Im Abstieg vom Piz Zuppo.

Kurz vor der Scharte nochmals ein Blick zum Bernina.

Schöner kompakter Fels am Grat.

Nordseitig lag noch etwas Schnee drinnen, der aber gut gefroren war.

Wie tags zuvor, lies der Nebel nicht lange auf sich warten.

Bellavista Westgipfel mit "Hütchen".

Am Westgipfel: Blick auf den restlichen Firngrat.

Da haben wir es schon fast geschafft. Die zwei Bergsteiger vor uns haben den Normalabstieg vom Bellavista gespurt.

Abstieg im Fortezzagrat: gut markiert mit Punkten.

Blick zum Piz Palü.

Letztes Mal Gletscher: am Morteratsch.

Fast geschafft. Die letzten Meter rauf zur Bovalhütte, bevor es dann über den Wanderweg in Richtung Bahnhof Morteratsch ging.

Freitag, 19. Juli 2019

#6 - Piz Bernina (4.048m)

Facts
Gipfel / Höhe Piz Bernina / 4.048m
Am Gipfel am Fr, 19.07.2019, ca. 10:00 Uhr am Gipfel. Aufbruch um ca. 3:40!
Land / Region CH / Berninagruppe
Art und Schwierigkeit Hochtour, AD+, 45°, III
Höhenmeter ca. 1.450 Hm↑ - ca. 400 Hm↓
Tourenpartner Manuela
Route Biancograt
Tschiervahütte - Fuorcla Prievlusa - Haifischflosse - Biancograt - Piz Bianco - Gipfel Piz Bernina - Abstieg über Spallagrat - Marco e Rosa Hütte

Nach langem Warten auf gutes Wetter und gute Bedingungen am Biancograt sowie einiges an Überzeugungsarbeit, die ich an Manuela leisten musste, war es Mitte Juli soweit. Endlich konnte ich mir ein lang ersehntes Ziel erfüllen und gemeinsam mit Manu den Biancograt klettern, die Himmelsleiter bzw. den "Stairway to Heaven".

Am Donnerstag ging es gemütlich am Vormittag nach Pontresina, von wo aus wir dann dem normalen Wanderweg entlang ganz entspannt zur Hütte aufstiegen, wo wir doch schon recht früh eintrafen. Nach einer kleinen Stärkung dort spazierten wir noch etwas draußen herum, um uns mit dem Weg zur Fuorcla Prievlusa vertraut zu machen bzw. den Biancograt von unten zu bewundern.

Abends gab es ein sehr gutes Menü, mit Suppe, Salat, Hauptspeise und einem Dessert, was uns fast erstaunte. Beim Essen lernten wir noch ein nettes Paar aus Basel kennen, welches ein Hüttentreking gemacht hat und immer auf Hütten geht, die Doppelzimmer mit Frühstück anbieten. Auch mal was Anderes ;-)

Da für uns der Wecker schon um 3 Uhr morgens klingelte, ging es recht bald ins Bett. Im Lager für 8 Personen waren nur 6 Plätze belegt und so war es doch recht ruhig. Ich konnte noch erstaunlich gut schlafen, Manu etwas weniger gut. Sie war wohl schon zu sehr aufgeregt. Nach der recht kurzen Nacht und einem guten Frühstück ging es gegen 3:40 Uhr los von der Hütte, als erste Seilschaft von etwa 7 oder 8 im Gesamten. Wir stiefelten dem Weg entlang, folgten dabei immer den Katzenaugen, die uns in der Nacht den Weg zeigten. Etwa nach 50 Minuten holten uns dann 3 Junge Alpinisten ein, die schon gut akklimatisiert waren (wir waren es ja nicht).

Auf etwa 3000m schon legten wir dann beim Schneefeld die Steigeisen an und packten auch das Seil aus. Dann ging es los im Zick-Zack rauf in Richtung Fuorcla. Wir hatten noch Glück und die Umgehung des Klettersteiges im Aufstiegssinne rechts im Firn war noch möglich. So konnten wir bis in die Fuorcla im Firn mit Steigeisen recht rasch aufsteigen und sparten so etwas an Zeit.

In der Fuorcla packten wir dann das Felszeugs aus und verstauten den Pickel. Die Steigeisen blieben aber dran, bis zur Marco e Rosa Hütte. Wir kletterten rasch los und kamen zügig vorwärts. Der Fels war größtenteils trocken und es hatte nur wenig Eis drinnen. Aber der Fels war auch sehr lose und man musste sehr vorsichtig klettern, um nicht größere Gesteinsbrocken zu lösen. Das war es auch, was einer Seilschaft hinter uns dann zum Verhängnis wurde. Einer der Kollegen stürzte dabei und verletzte sich so schwer, dass gleich die REGA kommen musste. Zum Glück bekamen wir von dem Zwischenfall nichts mit, bis auf das Geschreie des verletzten Bergsteigers, konnten es aber anfangs nicht genau einordnen. Erst weiter oben teilte uns eine andere Seilschaft, die hinter uns war, mit, was geschehen ist.

Den ersten Felsriegel konnten wir gut beklettern. Wir hatten auch oben noch Glück und mussten ihn nicht gesamt überklettern, sondern konnten noch links am Band queren und dann über den Firn recht steil zurück auf den Grat aufsteigen, auf den "Bequemen Platz". Dort gab es kurz eine Pause, bevor wir uns dann am eigentlichen Biancograt in Bewegung setzten. Es warteten also einige Meter im Firn auf uns, bis wir am Piz Bianco waren.

Der Grat war unten recht gut zu begehen. Die Haifischflosse konnte auch noch links im Firn umgangen werden und der Grat war bis zur steilen Stufe recht gut begehbar. Im steilen Teil lag dann recht lockerer Pulverschnee am Eis, der sich nicht verankert hatte. Es war aber gut kletterbar, sodass wir kurz am Seil gingen, auf allen Vieren, immer gut mit Steigeisen und Pickel ankernd. Eisschrauben mussten nicht gesetzt werden, zum Glück. Ab dort zog dann auch der Nebel auf und der Grat bzw. Piz Bianco verschwanden leider immer wieder.

Oben, wo der Grat dann flacher wurde, stiegen wir fast permanent im Nebel. Zum Glück war es aber windstill und doch recht OK von der Temperatur her. Als dritte Seilschaft stiegen wir dann in den Felsteil ein, der vom Piz Bianco zum Piz Bernina führt.

Die Kletterei dort ist - zumindest so finde ich - hervorragend. Zwar sehr luftig und ausgesetzt, aber immer in gutem Fels und mit guten Sicherungsmöglichkeiten bzw. die Bohrhaken sind gut angebracht. Die Abseilstellen waren alle gut zu erkennen und frei von Schnee. Die Routenfinden also an dieser Stelle überhaupt kein Problem. Man kann ja eh nur dem Grat entlang gehen.

Kurz vor dem Piz Bernina kamen dann zwei Leistungssportler hinter uns her, die uns dann aber nicht überholten, sondern uns ruhig weitermachen liesen. Dafür hatten wir jemanden zum Reden an den Ständen. Eben einer davon erzählte uns zB vom Einsatz der REGA.

Gegen ca. 10 Uhr kamen wir dann am Gipfel an, dem höchsten Punkt der Ostalpen, mit 4.048m. Für mich war das schon noch ein schöner Moment. Manu konnte den Moment noch nicht so recht genießen, sie war noch immer sehr angespannt und wusste ja genau, was sie noch im Abstieg zum Rif. Marco e Rosa erwarten würde. Am Gipfel hatten wir aber Glück mit dem Wetter. Es riss auf und wir hatten noch Sonne und schöne Aussicht ins Bündnerland. Auch konnten wir teils nach Italien schauen, von wo her die Nebelfetzen geflogen kamen.

Nach einer kleinen Pause und Stärkung ging es dann entspannt an den Abstieg über den Spallagrat. Wir lagen super in der Zeit und hatten ja keinen Stress mehr, um die Hütte zu erreichen. Wir wussten, dass es nur noch 400 Höhenmeter runter sind und dass das Abendessen nicht vor 18:30 serviert wird ;-)
Deshalb war es auch leicht zu verkraften, dass es im Abstieg leichten Stau an den Abseilstellen gab. Es waren noch zusätzliche Seilschaften am Gipfel gewesen, die vom Rifugio her gekommen sind und wieder über den Spallagrat abgestiegen sind.

Etwa um 13 Uhr trafen wir dann auf der Hütte ein, wo wir als erstes unser Material versorgten bzw. trockneten und anschließend etwas zu Mittag aßen. Danach ging es für ein stündchen ins Bett, um dann auf das Abendessen zu warten.

Bei mir viel dann die Anspannung ab und ich konnte recht gut relaxen. Eine super Tour lag hinter uns und wir hatten sie auch gut gemeistert, ohne Probleme, ohne einen Fauxpax, ohne Zwischenfälle. Auch Manu war nun etwas erleichtert, konnte aber noch nicht ganz abschalten, nachdem am nächsten Tag noch eine weitere Tour von der Hütte aus anstand.

Das Essen auf der Hütte war dann katastrophal schlecht und die Betten an sich auch. Extrem eng und wenig Platz, stickige Luft im Zimmer, weil das Fenster nicht offen stand usw. Manu konnte kaum schlafen. Ich schlief dennoch recht gut, wohl weil ich vom Vortag so fertig war und einfach Schlaf brauchte.

Am nächsten Tag folgte dann eine weitere Hochtour. Nach einem Witz von einem Frühstück (hartes, trockenes Weißbrot, Zwieback und Kekse als Bergsteigerfrühstück!), ging es dann noch über den Gletscher zum Bellavistabalkon, wo wir nicht, wie alle anderen, gerade aus gingen, sondern zum Piz Argient abbogen. Wir überschritten dann noch die 3 Grenzgipfel Piz Argient - Piz Zuppo (der höchste Bündner 3000er mit 3996m) und die gesamte Bellavista-Kette, bevor wir dann über den Fortezzagrat auf den Morteratsch-Gletscher abstiegen, um diesen zu queren und von der Bovalhütte weg zurück in die Zivilisation zu laufen.
Diese Tour war dann Genuss pur. Niemand anderer unterwegs. Bester Fels, super Blockgrat zum Klettern. Anfangs und am Ende sehr gutes Wetter, zwischendrinnen wieder mal etwas Nebel, aber nicht schlimm.

In Morteratsch angekommen, aßen wir dann noch eine Kleinigkeit und fuhren dann mit dem Zug zurück nach Pontresina, von wo aus uns unser Bus wieder sicher zurück nach Triesen brachte.

So long,
Harald


Sonnenaufgang in der Fuorcla

Blick auf die Palü-Gipfel

Bei der ersten Umgehung über das Band konnten wir danach gut im Firn aufsteigen.

Die Haifischflosse vor uns. Noch gut zu umgehen. Der Grat an sich war dann leider schon voll im Nebel.

Rückblick. Es lockerte dann doch immer wieder mal auf zwischendurch.

Die Steilstufe am Grat vor uns. Am Foto sieht das gar nicht so steil aus. Aber 45 Grad können steil sein, wenn der Untergrund nicht so gut ist.

Steilstück geschafft. Da war Manu schon etwas glücklicher.

Die letzten Meter über den Grat zum Piz Bianco.

Am Piz Bianco. Auch hier sahen wir, dass der Nebel nur von Osten bzw. Süden herkam und über den Grat gedrückt wurde. Im Bündnerland war es schön.

Kletterpartie :-)

Der letzte Gendarm vor dem finalen Aufstieg zum Piz Bernina.

Die letzte Abseilstelle. Ab hier kam immer mehr die Sonne durch.

Und es riss wirklich auf ...

Links Italien, rechts Graubünden.

Eine Gratwanderung.

Und siehe da, schön wars.

"Glücklich" am Gipfel zu sein und doch noch gutes Wetter zu haben.

Der Abstieg über den Spallagrat.

Mittags dann beim Rif. Marco e Rosa. Ausblick hin zum Bellavista-Balkon.